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Matthäus-Kolumne: Darum kommen weniger Zuschauer zu Länderspielen

Matthäus über leere Ränge: Fans lassen sich nicht verarschen

19.11.2019 | 20:04 Uhr

Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus. 
Image: Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus.  © Sky

Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de. In dieser Woche befasst er sich mit dem Zuschauerschwund bei der deutschen Nationalmannschaft.

Unsere Nationalmannschaft hat sich nach dem 4:0-Sieg gegen Weißrussland für die Europameisterschaft qualifiziert. Das ist eine gute Nachricht, aber ich habe auch nichts anderes erwartet. Weniger erfreulich ist das sinkende Interesse der Fans an der DFB-Elf. Der Beweis dafür ist ein Stadion, das wieder einmal nicht annähernd ausverkauft war. Das hat mehrere Gründe.

DFB isoliert seine Stars

Zum einen liegt das natürlich am schlechten Abschneiden bei der letzten Weltmeisterschaft. Wenn es gut läuft, strömen die Zuschauer eher in die Stadien. Aber den Grundstein für das große Interesse der Anhänger muss man gerade im Erfolgsfall legen. Der DFB hat die Stars nach dem Titel 2014 völlig isoliert. Und dann distanziert sich der normale Fan von den Stars und der Mannschaft. Die Nähe zu den Fans muss wieder hergestellt werden, denn die Nationalmannschaft gehört jedem.

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Ich bin auf der ganzen Welt regelmäßig unterwegs. Gerade war ich in Jakarta und das Nationaltrikot, das ich auf den Straßen am häufigsten gesehen habe, ist das der Deutschen.

Testen ist wichtig

Ein großes Problem ist, dass die DFB-Elf vor allem bei Testspielen häufig mit einer Reserve-Elf antritt, aber gleichzeitig dieselben Ticket-Preise aufruft. Ich verstehe Jogi Löw und andere Nationaltrainer. Die müssen testen, ausprobieren, neue Spieler auf dem Platz sehen. Ich verstehe auch die Vereine, die zu Spielen, die in ihren Augen eher unwichtig sind, ihre Superstars nicht abstellen wollen.

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Toni Kroos über den Unterschied von Nationalmannschaft und Verein.

Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass ich immer wahnsinnig stolz war für Deutschland zu spielen und das auch immer getan habe, wenn es nur irgendwie ging. Dafür habe ich mich auch 1999 mit Uli Hoeneß ein wenig angelegt. Dem FC Bayern wäre es lieber gewesen, wenn ich damals nicht am Confed-Cup teilgenommen hätte. Aber ich habe mich durchgesetzt und bin für mein Land aufgelaufen.

Der Fan lässt sich nicht verarschen

Das muss natürlich jeder Spieler selbst wissen. Und heute kommt gerade bei den Top-Stars das Argument, sie würden zu viel spielen, die Strapazen seien zu groß oder die Testspiele unwichtig. Auch ich hatte damals eine ähnliche Zahl an Spielen wie die heutigen Akteure von Real Madrid, Bayern oder Manchester City. Natürlich waren das Tempo und der mediale Druck nicht ganz so extrem wie heute. Dafür werden die Spieler jetzt ganz anders versorgt, vorbereitet oder medizinisch behandelt.

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Fakt ist: Man kann nicht dieselben Eintrittspreise verlangen, wenn man etwas anbietet, dass in den Augen der Fans nicht denselben Wert hat. Der Fan lässt sich nicht verarschen. Und dann darf man sich nicht wundern, wenn die Partien unserer Mannschaft nicht mehr ausverkauft sind.

Gladbach die falsche Wahl

Auch das Stadion und dessen Größe spielt dabei eine große Rolle. In Mönchengladbach aufzulaufen, war für mich zum wiederholten Mal die falsche Wahl.

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Bei einer Partie gegen Weißrussland, der Nummer 86 der Fifa Weltrangliste, ist das Interesse von Haus aus nicht das allergrößte. Wieso muss ich so ein Spiel in Gladbach austragen? Die Gladbach-Fans geben wahrscheinlich aktuell ihr Geld lieber für ihr eigenes Team aus. Der Klub ist gerade Tabellenführer, das Stadion fasst 50000 Menschen und Woche für Woche ist der Borussia Park voll. Die Europa League nicht zu vergessen.

Komplizierter EM-Modus

Solche Spiele müssten in Mainz, Augsburg, Hoffenheim stattfinden. Dann wären sie möglicherweise eher ausverkauft. Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl bei grundlegenden Entscheidungen und alle hätten was davon.

Unsere Quali-Gruppe haben wir als Erster abgeschlossen. Ob das ein Vorteil ist, wird sich noch zeigen. Der Modus für die anstehende EM ist so kompliziert wie noch nie und man muss davon mit Sicherheit kein Fan sein. Aber die UEFA wird schon ihre Gründe haben.

Zwei, drei Nationen aktuell im Vorteil

In ca. acht Monaten steigt im Wembley-Stadion das Finale. Ich bin davon überzeugt, dass wir ein gutes Turnier spielen werden und auf jeden Fall besser abschneiden, als bei der letzten WM. Viel schlechter geht es ja auch nicht. Wenn alle unsere Stammspieler dabei sind und davon gehe ich aus, dann mag es aktuell vielleicht zwei, drei Nationen geben, die etwas im Vorteil sind.

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Diese Nationen sieht Bundestrainer Joachim Löw in der Entwicklung weiter als Deutschland.

Aber ich sehe unsere Mannschaft mit einem fitten Neuer, Kroos, Süle, Sane, Werner oder Gündogan ziemlich weit vorne mit dabei. Wir haben tolle Spieler, große Persönlichkeiten und sehr viel Talent und Erfahrung in unseren Reihen. Mit ganz wenigen Ausnahmen haben unsere Nationalmannschaften bei allen großen Turnieren hervorragend abgeschnitten. Es gibt kaum erfolgreichere Länder wenn man sich die Historie der Welt- und Europameisterschaften ansieht.

Jogi Löw hat noch einige Monate Zeit, um die beste Elf aufs Feld zu schicken und dann werden wir nach der Enttäuschung von Russland wieder etwas zu feiern haben. Vielleicht sind spätestens danach unsere Stadien auch wieder voller, wenn die Mannschaft der Nation aufläuft.

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