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Matthäus-Kolumne: Bayern muss Kovac Zeit geben

Matthäus-Kolumne: "So sehe ich das"

05.11.2019 | 18:03 Uhr

Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus. 
Image: Exklusiv bei Sky: Die Kolumne von Lothar Matthäus.  © Sky

Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de. In dieser Woche beschäftigt er sich mit dem kriselnden FC Bayern, der Diskussion um Thomas Müller und der Verletzung von Niklas Süle.

Nach dem großartigen 7:2-Sieg in Tottenham dachte ich, dass es beim FC Bayern so richtig gut läuft. Aber nur drei Wochen später muss man sagen, dass es nun doch einige Baustellen gibt: Die Chancenverwertung ist nicht optimal, die Mannschaft kassiert zu viele Tore, der Abwehrchef erleidet einen Kreuzbandriss und der Wirbel um Thomas Müller nimmt kein Ende.

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Wir blicken auf das Schützenfest des FC Bayern München bei Tottenham Hotpur zurück.

Vielleicht hat der historische Champions-League-Sieg in London getäuscht und viele lagen sich zu sehr in den Armen. Wie man nun sieht, ist Tottenham in diesem Jahr eine mittelmäßige Mannschaft. Sie sind nur Siebter in der Premier League, haben am Wochenende gegen den Tabellen-Letzten unentschieden gespielt und auch in der Champions League in Piräus nur einen Punkt geholt.

Noch kein Grund zur Sorge beim FC Bayern

Natürlich gerät der Trainer in die Kritik, wenn man nach so einem hohen Auswärtssieg in Europa zuhause gegen Hoffenheim verliert und danach in Augsburg unentschieden spielt. Aber soll ich Niko Kovac jetzt einen Vorwurf machen, weil Coutinho in Augsburg aus fünf Metern den Torwart anschießt?

Sorgen muss man sich immer erst machen, wenn sich eine Mannschaft überhaupt keine Chancen herausspielt. Natürlich ist es nicht optimal, wenn man die Möglichkeiten nicht verwerten kann und stattdessen in der letzten Sekunde den Ausgleich kassiert. Das darf einer Mannschaft wie den Bayern nicht passieren!

Kovac lässt bei Müller Fingerspitzengefühl vermissen

Der Umgang mit Thomas Müller lässt vielleicht ein bisschen Fingerspitzengefühl vermissen. Kovac weiß selbst, dass seine Aussage vor zwei Wochen unglücklich war. Ich hätte es am Wochenende anders gemacht und Müller nach fünf Spielen auf der Bank und der Länderspielpause in Augsburg aufgestellt. Das hätte jeder verstanden.

Ich kann aber auch Kovacs Entscheidung nachvollziehen. Er wollte gegen einen abwartenden und defensiv denkenden Gegner den Zauberer Coutinho und nicht den Arbeiter Müller. Er wollte den Spieler, der mit einem Pass eine ganze Abwehr auseinandernimmt.

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Müller-Problem war absehbar

Ich kann mir nach so kurzer Zeit noch keine abschließende Beurteilung über Philippe Coutinho erlauben. Aber der Verein hat diese brasilianische Nummer 10 verpflichtet und damit war von Anfang an klar, dass Müller der große Leidtragende sein wird. Und so ist es bisher auch gekommen.

Dass das dann ein Thema wird, musste man einkalkulieren. Denn es ist und bleibt der Parade-Bayer und nicht irgendwer. Trotzdem muss auch er akzeptieren, wenn er ein sechstes Mal auf der Bank sitzt. Bayern München hat viele neue Spieler gekauft und damit Kovac keine Diskussionen am Hals hat, müsste er 16 Mann aufstellen.

Bayern muss Kovac Zeit geben

Wenn ich einen Umbruch einläute, muss ich Team und Trainer Zeit geben. Im letzten Jahr wurde Kovac vorgeworfen, er könne keine Offensive. Jetzt, nach zehn Gegentoren in acht Spielen, wird die Defensive kritisiert. Ja, natürlich sind es zu viele Gegentreffer. Vor allem allein sechs gegen Berlin, Hoffenheim und Augsburg.

Aber diese Abwehr ist komplett neu. Joshua Kimmich spielt nicht mehr rechts. Mats Hummels ist weg, Lukas Hernandez und Benjamin Pavard sind neu. Das muss sich finden. Auch Jerome Boateng nimmt eine andere Rolle ein. Das geht nicht in ein paar Wochen und funktioniert dann perfekt.

Süle wird die EM spielen

Und zu allem übel zieht sich Niklas Süle einen Kreuzbandriss zu. Das tut Fußball-Deutschland weh. Für Bayern und den DFB aber vor allem für Niklas ist das ganz bitter. Ich hatte diese Verletzung selbst und weiß, was das heißt. Die Bayern müssen aber auf keinen Fall nachrüsten. Martinez, Pavard, Hernandez und Boateng sind mehr als genug.

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Rekordnationalspieler und Sky Experte Lothar Matthäus analysiert jede Woche exklusiv in seiner Kolumne "So sehe ich das" aktuelle Themen der Fußballwelt auf skysport.de

Ich bin allerdings sicher: Süle wird bei der EM für Deutschland spielen und vor dem Turnier mehr Spiele gemacht haben, als Manuel Neuer vor der WM 2018.

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