Matthäus und Veh sprechen über die Schattenseiten des Trainerjobs und Deniz Undav
Der Druck im Profifußball ist enorm, besonders für Trainer.
25.10.2026 | 21:55 Uhr
Bei Sky90 - die Fußballdebatte sprechen Armin Veh und Lothar Matthäus über die körperlichen und mentalen Belastungen des Berufs. Zudem äußert sich Matthäus zur Entwicklung von Deniz Undav, dem FC Bayern und Niclas Füllkrug.
Armin Veh über ...
... den Trainerjob: "Wenn du Trainer bist, dann denkst du wirklich nur an Fußball, und das denkst du die ganze Woche. Dementsprechend hast du immer Punkte. Also, wenn du 30 Jahre Trainer bist, dann weiß ich jetzt nicht, wie viele Punkte ich habe, bei denen ich sage: Jetzt bin ich komplett müde. Aber ich muss natürlich weitermachen, weil, wenn ich vor der Mannschaft stehe und müde bin, dann sind die auch müde. Also, es geht nicht. Ich war in den 30 Jahren nur einmal nicht dabei. Da habe ich einen grippalen Infekt gehabt. Das war in Frankfurt, ein Pokalspiel mit Hamburg. Ansonsten war ich immer dabei, weil du, auch wenn du krank bist - und natürlich ist ein Fußballtrainer auch mal krank -, trotzdem dabei bist. Du kannst es dir nicht leisten, dass du nicht dabei bist. Das ist komplett anders als bei einem Spieler. Das kannst du gar nicht vergleichen, das ist, als würde man Äpfel mit Pflaumen vergleichen. Als Trainer hast du immer Druck, du machst dir tausend Gedanken und du hast Verantwortung. Und wenn du international spielst, musst du dich alle drei Tage immer wieder vorbereiten, weil du am Ende dastehst und die Dinge erklärst. Du baust die Mannschaft wieder auf, du baust den Spieler auf, hast den Staff und so weiter. Und das hast du alle drei Tage, und dann bist du irgendwann mal kaputt."
Lothar Matthäus über ...
... den Trainerjob: "Natürlich geht es um einen Trainerjob, aber nicht nur in der Bundesliga. Die Trainer stehen viel unter Druck. Es ist ja nicht so, dass du nur zum Training gehst. Ich habe auch ein paar Jahre trainiert. Dann bist du selbst teilweise auch schlecht am Schlafen, weil dir viele Gedanken durch den Kopf gehen, die du dann auch in deine Träume in der Nacht mitnimmst. Dann wachst du auf, dann kannst du mal nicht einschlafen, weil dir sehr viel durch den Kopf geht. Also, bei mir war es so. Und natürlich ist er jemand, der auch ins Detail geht. Ich glaube, dass er von morgens bis abends an den Fußball denkt. Und natürlich ist der Druck sehr groß. Ob das etwas mit dem zu tun hat, was man festgestellt hat, das weiß ich nicht. Aber natürlich ist es so, dass die Gesundheit über allem steht. Da ist der Beruf zweitrangig. Da geht es um den Menschen, und deswegen überrascht mich auch die Reaktion von Bayern jetzt nicht. Man gibt ihm viel Zeit. Das ist selbstverständlich für mich, dass einem kranken Menschen, der Hilfe benötigt und Zeit braucht, diese Zeit und diese Hilfe gegeben werden."
... die Belastung eines Trainers: "Weil du diese ganze Verantwortung trägst, und es ist ja nicht weniger geworden. Ich habe vor 20 Jahren irgendwann mal Mannschaften trainiert, nicht auf dem allerhöchsten Niveau, aber trotzdem in der Öffentlichkeit und in der Verantwortung gestanden. Da schaut dir jeder zu. Deswegen willst du keine Fehler machen, du willst ja perfekt sein. Du willst dir danach auch nicht irgendwo etwas nachreden lassen, dass du irgendwas falsch gemacht hast: die Taktik, den falschen Spieler aufgestellt oder den Gegner vielleicht nicht so analysiert, wie es sein muss. Und diese Gedanken gehen dir vor allem nachts durch den Kopf, wenn du wach wirst und nichts um dich herum passiert. Dann war es so, dass ich um vier Uhr wach war und irgendwann um sieben Uhr Kaffee getrunken habe und drei Stunden an Fußball gedacht habe. Das ist mir häufig passiert, weil ich mich immer selbst hinterfragt habe: Machst du alles richtig? Und wir wollen ja alles so gut machen, wie es nur geht. Für die Zuschauer, für den Klub, bei dem du angestellt bist, für die Spieler, auch um fair gegenüber den Spielern zu sein. Und dieser Arbeitskreis ist meiner Meinung nach für die Trainer noch viel größer geworden als vor 30, 40 Jahren."
... Deniz Undav: "Das war der nächste Tiefschlag für ihn. Aber es ist natürlich auch sehr viel in den letzten zwei Jahren bei ihm im Kopf passiert. Wo kommt er her? Was hat er geleistet? Ganz Deutschland redet über ihn: der Heilsbringer, der die Tore für Deutschland macht, um sie zum Weltmeister zu schießen. Dann auf einmal Kapitän. Das war schon auch viel für seinen Kopf."
Frage: Ist das Kapitänsamt für ihn eine Bürde? "Ja, so sieht es zumindest aus, denn er hat keine Leichtigkeit mehr. Er hat das Lächeln verloren. Er denkt vielleicht zu viel nach. Ich würde jetzt nicht sagen, man muss ihm die Kapitänsbinde wegnehmen. Aber vielleicht hat man ihm damit keinen Gefallen getan, weil er zu viel mit sich selbst beschäftigt ist. Und auch als Kapitän hast du noch einmal eine besondere Verantwortung für die Mannschaft. Zwar nicht so viel wie ein Trainer, aber du als Kapitän hast dann doch Dinge, die dich von dem ablenken können, was du eigentlich jahrelang gut gemacht hast."
... den Klassiker: "Die Bayern haben in den letzten Spielen, ich glaube, plus/minus 22 Tore zu Hause geschossen. Die Bayern gehen als klarer Favorit in das Spiel, auch wenn ich gerne Spannung an der Tabellenspitze sehe. Aber in der Allianz Arena sind sie natürlich schon eine Macht, ähnlich wie Leipzig, die ja auch nur zu Hause können. Auswärts können sie gar nicht. Aber Bayern steht dem immer in nichts nach. Stuttgart 5:1, Leipzig 6:0, Union dazwischen 7:0. Das sind dann Ausrufezeichen, die sie gerade in der Allianz Arena gesetzt haben."
... Niclas Füllkrug: "Er muss jetzt nicht in sieben Spielen oder in jedem Spiel ein Tor machen, aber er ist jemand, bei dem ich wüsste, dass ich mich auf ihn verlassen kann - und zwar nicht nur von Anfang an, sondern auch als Finisher."
Simon Terodde über ...
... Niclas Füllkrug: "Er hat ja nur die Argumente, Tore zu schießen. Das andere kommt medial alles von außen. Er muss gar nichts dazu steuern. Wir haben es bei Deniz Undav erlebt, wie alle ihn gefordert haben. Und wenn er jetzt noch so weitermacht, dann wird der Druck am Ende so groß, dass man ihn vielleicht jetzt im November gar nicht nominieren muss, aber dann vielleicht in anderthalb Jahren zur Europameisterschaft."
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