Mirko Slomka über Schalke 04, Hannover 96 und Manuel Neuer

Mirko Slomka war bei beiden Vereinen als Cheftrainer tätig. Anlässlich des Spitzenspiels zwischen Schalke 04 und Hannover 96 (So., ab 13:30 Uhr live und exklusiv auf Sky Sport) vergleicht er seine ehemaligen Teams.

Slomka war schon als Sky Experte im Einsatz.
Image: Slomka war bereits als Sky Experte im Einsatz.  © Imago

Slomka spricht über Schalke 04, Hannover 96, Erwartungshaltungen und die Zukunft seines damaligen Debütanten Manuel Neuer.

Sky Sport: Herr Slomka, welche Mannschaft steht vor dem Spiel mehr unter Druck?

Mirko Slomka: Beide Teams gehen mit ordentlich Druck in die Partie. Hannover war vor der Niederlage in Fürth sechs Spiele ungeschlagen, jetzt sorgt dieses 1:2 für Unruhe und Zweifel. Schalke dagegen hat seine Krise bereits hinter sich gelassen - fünf Spiele ohne Niederlage sprechen für sich. Ich war beim 1:0 gegen Bielefeld im Stadion und man hat gemerkt: Die Fans nehmen aktuell auch einen Arbeitssieg dankbar an. Acht Heimspiele mit jeweils einem Tor Unterschied zu gewinnen, das ist eine Qualität, die die Anhänger akzeptieren. Unterm Strich steht Hannover für mich etwas mehr unter Zugzwang als Schalke.

Slomka war von 2010 bis 2013 und 2020 Trainer bei Hannover 96.
Image: Slomka war von 2010 bis 2013 und 2020 Trainer bei Hannover 96.  © Imago

Sky Sport: Als ehemaliger Trainer beider Klubs: Wie erleben Sie die aktuelle Situation?

Slomka: Hannover besticht durch eine extrem dominante Spielweise: viel Ballbesitz, hohe Passquote, klare Struktur - das passt hervorragend zum Klub. Mit Källmann haben sie zudem einen starken Torjäger verpflichtet und aus der letzten Saison die richtigen Lehren gezogen. Insgesamt wirkt 96 absolut aufstiegsreif.

Schalke verfolgt einen komplett anderen Ansatz. Das Team ist defensiv eines der stabilsten der Liga und verkörpert ein echtes Bollwerk. Nur 21 Gegentore sprechen da eine deutliche Sprache. Frank Baumann führt den Verein sehr ruhig, überlegt - und hat gleichzeitig spektakuläre Ideen wie die Verpflichtung von Edin Dzeko. Das schafft im Stadion eine besondere Emotionalität. Vor allem aber: Schalke gewinnt seine Spiele.

Slomka war von 2004 bis 2006 Co-Trainer und von 2006 bis 2008 Cheftrainer beim Schalke 04.
Image: Slomka war von 2004 bis 2006 Co-Trainer und von 2006 bis 2008 Cheftrainer beim Schalke 04.  © Imago

Sky Sport: Hannover hat zuletzt gegen das abstiegsbedrohte Greuther Fürth verloren. Welche Gründe könnte es für diese immer wiederkehrenden Rückschläge geben?

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Slomka: Der Spielstil ist schon auch riskant. Torhüter Noll soll den Spielaufbau mitgestalten - da kann bei einem jungen Keeper auch mal etwas schiefgehen. Weil viele Spieler in Ballnähe agieren, ist die Defensive manchmal anfällig. Dazu kommt: Dieser Stil lebt von hoher Laufleistung. Wenn die fehlt, gerät das ganze System ins Wackeln.

Bei Schalke ist es anders: Sie stehen tief, kompakt, mit klaren Vorgaben und hoher Zweikampfstärke. Genau das erwarten die Fans - und die Mannschaft liefert.

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Sky Sport: Macht genau das Schalke zu so einem unangenehmen und gefährlichen Gegner?

Slomka: Definitiv. Zusätzlich haben sie vorne Karaman oder Dzeko, die permanent Torgefahr ausstrahlen. Gleichzeitig lassen sie extrem wenige Abschlüsse zu - nur 107 zu Hause, das ist herausragend. Dazu kommt die hohe Sprintintensität, auch getragen von der Wucht der Fans. Die wollen sehen, dass die Spieler kämpfen, laufen, arbeiten. Das macht Schalke so schwer zu bespielen.

Sky Sport: Dzeko ist der neue Starspieler, aber welche Spieler werden auf dem zukünftigen Weg wichtig sein?

Slomka: Mit Ljubicic haben sie jetzt noch einen Spieler geholt, der der Mannschaft wahnsinnig viel Stabilität gibt. Sie haben El-Faouzi, ein extrem guter und spannender Spieler. Ayhan hinten in der Innenverteidigung, N'Diaye auf der linken Verteidigungsposition - das sind alles Spieler, die auch in der Bundesliga mithalten können. Bei Dzeko stellt sich die Frage, ob er aufgrund seines Alters noch eine Liga höher dauerhaft mithalten könnte. Oder ob man da sagt: 'Der schießt uns jetzt nach oben und dann ist gut.'

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Sky Sport: Hannover hat in den nächsten Wochen ein sehr straffes Programm. Sie spielen gegen alle Konkurrenten von oben und haben nächste Woche ihr Derby gegen Braunschweig. Wie kann man diesem Druck standhalten?

Slomka: Fokussiert bleiben. Gerade vor einem Derby passiert sehr viel neben dem Platz, Fans und Umfeld sind emotional aufgeladen. Wichtig ist, sich nicht ablenken zu lassen und auf die Inhalte zu schauen, die am Ende Spiele entscheiden. Das gilt auch für die Duelle gegen die direkten Konkurrenten.

Sky Sport: Wer geht besser mit dem Erwartungsdruck um?

Slomka: Bei beiden Klubs reagieren die Fans extrem schnell - positiv wie negativ. Deshalb ist mentale Ruhe wichtig. Man darf sich von äußeren Einflüssen nicht aus der Spur bringen lassen.

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Sky Sport: Wer sind Ihre Favoriten im Aufstiegsrennen?

Slomka: Realistisch ist das aktuelle Bild der Tabelle. Hertha wird trotz guter Leistungen nicht mehr herankommen. Es entscheidet sich zwischen den Top-5. Ich wünsche mir natürlich, dass Hannover und Schalke beide hochgehen. Aber die Vergangenheit zeigt, dass oft auch kleinere, gut organisierte Teams den Sprung packen. Schalke hat in der Hinrunde alle direkten Duelle gegen die Aufstiegskandidaten gewonnen. Wenn sie jetzt auch gegen Hannover gewinnen, wären acht Zähler Vorsprung eine enorme Ansage. Aber schön wär's trotzdem, wenn sie beide aufsteigen.

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Sky Sport: Manuel Neuer hat damals bei Schalke unter Ihnen debütiert, jetzt hat er sich beim Spiel gegen Gladbach erneut verletzt. Wie schätzen Sie seine Zukunft beim FC Bayern München und bei der WM im Sommer ein?

Slomka: Ich glaube das WM-Thema ist durch. Sowohl Neuer als auch Julian Nagelsmann haben das klar kommuniziert. Und Baumann macht seine Sache richtig gut - das sollte man respektieren. Für Neuer wünsche ich mir, dass er sich in Ruhe auskuriert und dann mit Bayern vielleicht sogar noch die Champions League holt. Eine Vertragsverlängerung um ein Jahr kann ich mir gut vorstellen - auch, um Urbig zu unterstützen.

Sky Sport: Wird Urbig perspektivisch der neue Stammkeeper beim FC Bayern?

Slomka: Er hat es bis hierhin hervorragend gemacht und das Vertrauen verdient. Aber Bayern wird sich immer umsehen - das gehört einfach dazu. Trotzdem: Urbig hat gezeigt, dass er das Potenzial für mehr hat.

Das Interview führte Mika Collien Nestler

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