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Nach Klinsmann-Rücktritt: So geht es bei Hertha BSC weiter

Wie geht's jetzt weiter? Fragen und Antworten zum Klinsmann-Beben

Sky Sport

12.02.2020 | 20:30 Uhr

Jürgen Klinsmann hinterlässt bei Hertha BSC einen Scherbenhaufen.
Image: Jürgen Klinsmann hinterlässt bei Hertha BSC einen Scherbenhaufen. © Sky

Jürgen Klinsmann hat mit seinem überraschenden Rücktritt bei Hertha BSC einen Scherbenhaufen und vor allem viele Fragezeichen hinterlassen. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Sky Sport fasst die Ereignisse zusammen und erklärt, wie es bei den Berlinern jetzt weitergeht.

Was ist passiert?

Jürgen Klinsmann verkündete am Dienstagvormittag in einem Facebook-Post nach nur 76 Tagen seinen Rücktritt als Cheftrainer der Hertha. Zuvor hatte er sich bereits von der Mannschaft verabschiedet und anschließend Sportchef Michael Preetz über seine Entscheidung informiert.

Die Hertha war von Klinsmanns Rücktritt laut Preetz "überrascht worden. Insbesondere nach der vertrauensvollen Zusammenarbeit hinsichtlich der Personalentscheidungen in der für Hertha BSC intensiven Wintertransferperiode gab es dafür keinerlei Anzeichen."

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Was sind die Gründe für den Rücktritt?

Den nach "langer Überlegung" gefällten Entschluss begründete Klinsmann in seinem Post mit mangelndem Vertrauen, fehlender Einheit und "Konzentration auf das Wesentlichen". Gegenüber der Bild-Zeitung verriet Klinsmann zudem: "Natürlich geht es auch um die Kompetenzverteilung. Nach meinem Verständnis sollte ein Trainer - nach dem englischen Modell - die gesamte sportliche Verantwortung tragen. Also auch über Transfers. Das gibt der Position wesentlich mehr Power."

Nach Sky Infos wollte Klinsmann über den Sommer hinaus Trainer bleiben, hatte unglaubliche Gehaltsvorstellungen und wollte mehr Macht. Präsident Werner Gegenbauer, Michael Preetz und Co. haben daraufhin ein Machtwort gesprochen, wollten erst mal die aktuelle Krise überwinden, die sportliche Situation bewerten und danach über solche Dinge sprechen.

Daraufhin entscheid Klinsmann offenbar, dass er "besser wieder in den Flieger steige".

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Wer wird jetzt Trainer bei der Hertha?

Zunächst einmal wird Alexander Nouri mit dem aktuellen Trainerteam das Training der Profis übernehmen und auch gegen den SC Paderborn an der Seitenlinie stehen, teilte der Klub mit. Anschließend gibt es für den Trainerstuhl verschiedene Optionen:

4:35
Sky Reporter Hannes Jakobi berichtet aus Berlin von den Entwicklungen rund um den Klinsmann-Rücktritt. (Video-Länge: 04:35 Minuten)

Sollte der ehemalige Co-Trainer von Klinsmann in den kommenden Spielen überzeugen, könnte er laut Sky Reporter Hannes Jakobi eine Lösung sein, "die bis zum Sommer oder vielleicht sogar darüber hinaus möglich wäre."

Die Wunschlösung der Hertha lautet aber wohl Niko Kovac. Der hatte allerdings bereits am Dienstag ein sofortiges Engagement in Berlin ausgeschlossen. Der ehemalige Bayern-Trainer könnte jedoch im Sommer wieder ein Thema sein.

0:38
Bundesliga: Ex-Hertha-Profi Marko Rehmer spricht sich für Niko Kovac als Hertha-Trainer aus (Videolänge: 38 Sekunden).

Alternativ kursieren Namen wie Roger Schmidt oder Bruno Labbadia, auch eine Rückkehr von Pal Dardai wird gehandelt. Laut Jakobi wurde bisher aber "noch keine Entscheidung im Gremium getroffen."

Was bedeutet der Rücktritt für die Spieler?

Das überraschende Aus des Cheftrainers sorgt bei den Spielern der Hertha für Verunsicherung. "Das ist ein großer Verlust für uns. Ich habe sehr gern mit ihm zusammengearbeitet, er war eine große Persönlichkeit. Jetzt herrscht hier natürlich Chaos im Klub", sagte Javairo Dilrosun gegenüber Bild. Auch Dedryck Boyata sei geschockt und gespannt, "wie es jetzt weitergeht."

Allerdings werden wohl nicht alle Spieler Klinsmann nachtrauern. Einer, der unter Klinsmann keine Chance mehr hatte, ist zum Beispiel Salomon Kalou. "Jetzt werden die Karten neu gemischt", erklärt Sky Reporter Jakobi.

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Auch für die Torhüter gibt es eine neue alte Situation. Zsolt Petry kehrt mit sofortiger Wirkung als Torwarttrainer zurück. Den Posten hatte Petry bis Ende November innegehabt, ehe ihn der neue Cheftrainer Jürgen Klinsmann "ohne Not ausbootete", wie Jakobi erinnert.

Interessant dürfte auch sein, wie Lucas Tousart die aktuellen Ereignisse bei der Hertha aufnimmt. Der 22-Jährige wird im Sommer von Olympique Lyon zur Hertha stoßen, hatte aber bereits angekündigt, im Falle eine Abstiegs nicht nach Berlin komme zu wollen.

Was bedeutet das Klinsmann aus sportlich für die Hertha?

Die Berliner befinden sich im Abstiegskampf, liegen aktuell auf dem 14. Rang und haben sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Unter Klinsmann konnte sich die Mannschaft nicht wirklich stabilisieren. Seine Bilanz: 9 Spiele, 3 Siege, 3 Remis, 3 Niederlagen.

Nun warten vier wichtige Duelle gegen direkte Konkurrenten im Abstiegskampf (Paderborn, Köln, Düsseldorf und Bremen). Alexander Nouri muss die Mannschaft nun trotz der Unruhe im Klub auf das Duell am Sonntag in Paderborn (Sa., ab 15:15 Uhr LIVE auf Sky Sport Bundesliga 4 HD) fokussieren.

Wie geht das Windhorst-Projekt weiter?

Auch für Hertha-Investor und dessen ambitionierten Pläne mit dem Hauptstadtklub ist Klinsmanns Rücktritt ein Rückschlag. Jakobi ist sich jedoch sicher: "Dieses Projekt wird damit nicht stoppen." Allerdings sei "der Faktor Jürgen Klinsmann, der ja das Gesicht des neuen Big-City-Club war", erstmal weg. Dies könnte vor allem die Vertragsverhandlungen mit potenziellen Neuzugängen erschweren.

Klinsmann betonte aber, dass er der sportliche Berater von Windhorts Firma Tennor bleiben werde.

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Bleibt Klinsmann im Aufsichtsrat?

Klinsmann hatte in seiner Rücktrittserklärung angekündigt, sich nun wieder auf seine "ursprüngliche langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied" zurückziehen zu wollen. Windhorst hatte den 55-Jährigen Anfang November 2019 im Aufsichtsrat der Berliner installiert.

Eine weitere Zusammenarbeit könnte aber "erstmal schwierig werden", vermutet Jakobi: "Er hat ja selbst gesagt, dass das Verhältnis zwischen ihm und den handelnden Personen stark beschädigt ist. Ob das eine gute Grundlage ist, um in Zukunft wieder im Herthaner Aufsichtsrat zu arbeiten, das muss erstmal entschieden werden. Vielleicht muss auch noch ein bisschen Gras über die Sache wachsen."

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