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Peter Neururer im Sky Interview vor dem Duell zwischen Bochum und dem HSV

Neururer vor Spitzenspiel überzeugt: "VfL und HSV steigen direkt auf"

Sky Sport

16.03.2021 | 11:51 Uhr

Peter Neururer spricht im Sky Interview über das Spitzenspiel zwischen dem VfL Bochum und dem Hamburger SV (Bildquellen: Imago/dpa)
Image: Peter Neururer spricht im Sky Interview über das Spitzenspiel zwischen dem VfL Bochum und dem Hamburger SV (Bildquellen: Imago/dpa)

Vor dem richtungsweisenden Spitzenspiel in der 2. Bundesliga zwischen dem VfL Bochum und dem Hamburger SV spricht Ex-VfL-Coach Peter Neururer im Sky Interview über das direkte Duell der beiden Aufstiegsaspiranten, den Druck beim HSV und die Zukunft der Bochumer.

skysport.de: Herr Neururer, in unserem letzten Interview mit Ihnen haben Sie gesagt, dass der VfL Bochum und der Hamburger SV Ihre Favoriten auf den Aufstieg sind. Der HSV geriet zuletzt allerdings ins Straucheln. Bleiben Sie bei Ihrer Aussage?

Peter Neururer: Dabei bleibe ich. Der VfL Bochum ist für mich aber inzwischen Aufstiegskandidat Nummer eins, das war zuvor der HSV. Aber ich bin davon überzeugt, dass der HSV zusammen mit Bochum aufsteigen wird - und zwar nicht über die Relegation. Ich glaube, dass sie es direkt schaffen werden. Aber Fußball in der 2. Liga ist nicht ganz normal. Deswegen glaube ich auch, dass die Mannschaften bis Karlsruhe [Platz 5 in der Tabelle, Anm. d. Red.] die Möglichkeit haben, mit einer Serie da oben mit reinzustoßen.

skysport.de: Der HSV kam am Montag im Spitzenspiel gegen Kiel nur zu einem Remis. Wie wichtig wäre daher ein Sieg im Duell gegen den VfL Bochum (Fr., ab 18:00 Uhr LIVE auf Sky Sport Bundesliga 2), um im Aufstiegsrennen die Karten in der eigenen Hand zu behalten?

Neuruer: Um den Aufstieg in der eigenen Hand zu haben, brauchen die Hamburger definitiv einen Sieg. Dem VfL Bochum reicht dagegen ein Unentschieden, dann hätte man ja den Vorsprung auf einen großen Konkurrenten bewahrt und man muss gegen den selbigen nicht mehr spielen. Das wäre ein riesen Vorteil für den VfL Bochum. Aber der VfL ist keine Mannschaft, die auf einen Punkt spielt. Das werden sie auch nicht, genauso wenig wie der HSV.

Es wird mit Sicherheit ein grandioses Spiel
Neururer über Bochum vs. HSV

skysport.de: Das heißt wir sehen einen offenen Schlagabtausch?

Neururer: Der HSV darf nicht verlieren, muss eigentlich mindestens punkten, am besten dreifach. Und so wird die Spielanlage auch aussehen. Es wird mit Sicherheit ein grandioses Spiel. Es sind zwei Mannschaft, die gezwungen sind, nach vorne zu spielen, zwei Mannschaften, die sehr gut taktisch operieren, offensiv wie defensiv und zwei Mannschaften, die ohne irgendwelche Fessel auftreten.

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skysport.de: Für wen ist der Druck größer in diesem Spiel?

Neururer: Der Druck liegt ganz klar auf der Seite des HSV. Die Bochumer wissen zwar, dass sie jetzt eine Chance haben, die sie so schnell in den nächsten Jahren nicht mehr bekommen. Das ist ein Druck von innen, einen Traum zu verwirklichen. Aber der ist oft nicht behindernd, sondern beflügelnd. Der Druck, den die Hamburger haben, könnte dagegen belastend sein. Aber Daniel Thioune moderiert die Sache sehr gelassen und sehr gut. Die Wahrnehmung ist ja so: Der HSV wird von allen Teams gejagt, der Fokus liegt nicht auf dem VfL Bochum. Den HSV zu schlagen, ist für jeden Zweitligisten das Maß aller Dinge.

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skysport.de: Was muss der HSV denn besser machen, als in den letzten Spielen?

Neururer: Ich habe kürzlich mit Simon Terodde gesprochen, der ja am Montag endlich mal wieder getroffen hat. Er sagte: "Wir müssen wieder etwas vom Bewusstsein ändern. Wir müssen wieder mehr in die Box kommen, um Gefahr zu erzeugen." Das haben sie jetzt gemacht gegen Kiel, das war ein kleiner Schritt nach vorne. Jetzt gilt es aber, da weiterzumachen.

skysport.de: Seit ziemlich genau einem Jahr sind nun keine Zuschauer mehr im Stadion. Wie sehr schmerzt es genau bei diesem Spiel, dass keine Fans im Ruhrstadion dabei sein können?

Neururer: Wenn Zuschauer zugelassen wären, wäre das Stadion restlos ausverkauft. In so einem Spiel in der jetzigen Phase, da würde das ganze Stadion komplett hinter dem VfL stehen. Interessant ist die Entwicklung bei Bochum. Der VfL ist eigentlich in der Pandemie erfolgreich geworden. Der Druck, der in schlechten Phasen von den Fans ausgeht, wird unglaublich groß. Diese Belastung hatten die Bochumer in der Pandemie nicht und konnten sich dadurch stabilisieren. Sie spielen tollen Fußball, im Spiel stimmt die Balance. Aber sie brauchen natürlich die Unterstützung der Fans auch wieder, wenn es eng wird.

Das Leiden, die Unterstützung, aber auch die Pfiffe fehlen absolut.
Neururer über ein Jahr Geisterspiele

Grundsätzlich finde ich es natürlich traurig, dass wir mittlerweile ein Jahr ohne Zuschauer spielen. Vor allem für die ganzen Zweitligisten, die natürlich auch nicht so sehr von den TV-Geldern profitieren. Die Atmosphäre leidet. Manchmal hat man das Gefühl, es werden irgendwelche hochinteressanten Trainingsspiele gefilmt. Das Leiden, die Unterstützung, aber auch die Pfiffe fehlen absolut.

skysport.de: Wäre ein Sieg gegen den HSV für die Bochumer bereits eine Vorentscheidung in Sachen Aufstieg?

Neururer: Das würde natürlich viel Ruhe reinbringen. Das wäre ein riesen Vorteil, wenn man gegen den direkten Konkurrenten drei Punkte macht, zumal ich gegen den dann ja nicht mehr spielen muss. Aber ich kenne die Protagonisten beim VfL Bochum und die werden weiter sagen: "Wir denken von Spiel zu Spiel." Aber es gibt natürlich eine gewisse Sicherheit.

Für die Hamburger würde sich die Lage dagegen zuspitzen. Was würde es für den HSV bedeuten, wenn tatsächlich auch im dritten Anlauf die Rückkehr in die Bundesliga nicht gelingt?

Neururer: Wenn der HSV wieder nicht aufsteigt, wird es wirtschaftlich immer schwerer, auch wenn ich natürlich die Hintergründe nicht kenne. Es werden mit Sicherheit im vereinspolitischen Bereich Veränderungen vorgenommen werden. Man muss ja irgendwas ändern, wenn es drei Jahre lang nicht funktioniert hat. Und der HSV würde auch Gefahr laufen, ähnlich wie der VfL Bochum, eine lange Zeit graues Mittelmaß zu werden. Dann müsste der HSV seine Konzepte neu überdenken, um zum Beispiel mit Jugendarbeit wieder oben ranzukommen.

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skysport: Wie man nach einer langen Zeit in der 2. Liga doch wieder den Aufstieg schafft, könnte der VfL Bochum nun vormachen. Bei einem gleichzeitigen Abstieg von Schalke 04, könnte der VfL sogar zur zweiten Kraft im Ruhrpott avancieren. Sind die Bochumer bereit für diese Rolle bzw. generell für die Bundesliga?

Neururer: Die Mannschaft, die der VfL Bochum aktuell hat, ist im Stande, in der Bundesliga mitzuspielen. Natürlich geht es da brutalst gegen den Abstieg, aber man hat Chancen, die Liga zu halten. Man wird sich womöglich punktuell verstärken, viel ist da aufgrund der finanziellen Möglichkeiten aber auch nicht drin. Ich glaube, dass der VfL von seiner Qualität nicht so weit weg ist von den Teams, mit denen er womöglich aufsteigt, aber auch von denen, die in der Bundesliga unten drin sind. Ich hoffe vor allem, dass Bochum im Stande ist, nachhaltig etwas aufzubauen, was auf die Bundesliga ausgerichtet ist.

Zwischen Schalke und Dortmund ist noch Platz genug - und den wird der VfL einnehmen.
Neururer über die Kräfteverhältnisse im Ruhrpott

Schalke 04 wird auch im Falle eines Abstiegs weiterhin die zweite Größe im Ruhrpott bleiben. Sie werden auch alles tun, um wieder zurückzukommen. Der VfL Bochum springt in eine Nische, von der ich schon immer gesprochen habe. Zwischen Schalke und Dortmund ist noch Platz genug - und den wird der VfL einnehmen.

skysport.de: Wie wichtig war in Hinblick auf die Ausrichtung für die Bundesliga auch die Verlängerung mit Trainer Thomas Reis bis 2023?

Neururer: Ich hoffe natürlich, dass der Trainer in die Planung mit einbezogen wird. Die Verlängerung war genau das richtige Signal. Warum sollte mit demjenigen, der mit am meisten dazu beigetragen hat, dass es jetzt wohl nach oben geht, nicht verlängert werden? Die ganze Mischung beim VfL Bochum stimmt im Moment.

Hans-Peter Villis [Aufsichtsratsvorsitzender des VfL Bochum, Anm. d. Red.] hat immer davon gesprochen, dass der VfL wieder dahin kommen muss, wo er schon einmal war. Und dahin kommen sie mit Leuten wie Ilja Keanzig [Vorstand Finanzen], der überragende Arbeit macht und Ruhe in den Verein gebracht hat, Sebastian Schindzielorz [Vorstand Sport], der den Verein gut kennt und den sportlichen Bereich leitet, und jetzt eben Thomas Reis. Diese Kräfte wurden gebündelt und ein Konzept auf einer gesunden finanziellen Basis entwickelt, dass darauf ausgerichtet ist, sich wieder in der Bundesliga zu etablieren. Nicht drei Schritte nach vorne, sondern einer nach dem anderen. Die Chancen sind groß, dass es gelingt.

Das Interview führte Lucia Wythe

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