Rainer Bonhof bricht bei Jahreshauptversammlung angesichts der Lage von Borussia Mönchengladbach in Tränen aus
Zum zweiten Mal nacheinander weist Borussia Mönchengladbach einen Verlust aus. Der Umsatz wurde dagegen gesteigert. Vereinspräsident Rainer Bonhof weint bei der Jahreshauptversammlung.
27.04.2026 | 19:54 Uhr
Borussia Mönchengladbachs Präsident Rainer Bonhof ist auf der Jahreshauptversammlung des abstiegsbedrohten Bundesligisten in Tränen ausgebrochen.
Zu Beginn seines Jahresberichtes wurde der Weltmeister von 1974 emotional und begann seinen Ausflug in seine "Gefühlswelt als Präsident" deutlich: "Scheißjahr!". Die 1.612 zu dem Zeitpunkt anwesenden Mitgliedern applaudierten, doch der 74-Jährige fing an zu weinen und sagte mit brüchiger Stimme: "Ich dachte, wir wären stabiler."
Die Vereins-Ikone der Borussia erwähnte insbesondere das vergangene Derby beim 1. FC Köln vor einem Monat, als die Gladbacher aus einem 1:2 ein 3:2 machten und am Ende nur 3:3 spielten. "Das tut weh", sagte Bonhof, der einst auch für den FC aktiv war.
"Wenn du dann bei Auswärtsspielen die Fans siehst - für die lohnt es sich nicht abzusteigen", sagte Bonhof unter Tränen und fügte pathetisch hinzu: "Aber wir haben ein Faustpfand und das ist die Raute. Und die lasse ich nicht aus den Händen". Anschließend fing sich Bonhof und brachte seinen Bericht in normaler Tonlage zu Ende.
Fanszene fordert Rücktritt
Bonhof und der Rest des Präsidiums sahen sich am Montag auch Rücktrittsforderungen ausgesetzt. Auf Flugblättern drückte die aktive Fanszene ihre Sorge aus. "Borussia Mönchengladbach hat keine Zeit mehr zu verschwenden, auch nicht bis zum Ende der aktuellen Präsidiumslegislatur 2027", war dort zu lesen. Unterschrieben war der Text vom FPMG Supporters Club, der Interessenvertretung für alle Fans von Borussia Mönchengladbach, und den Ultras.
Bonhof erklärte auf die Frage, ob er 2027 noch einmal antritt: "Es ist so, dass ich bis jetzt im Kopf habe, noch einmal den Finger zu heben. Ich denke aber, dass ich die 250-Jahr-Feier von Borussia Mönchengladbach nicht mehr erleben werde."
Bonhof führt die Borussia seit 2024 an, Wahlen standen auf der Versammlung nicht an. "Es ist uns kein Anliegen, verdiente Vereinslegenden wie Ex-Weltmeister Bonhof hier irgendwie zu demontieren", hieß es weiter. Es bestehe aber der "Eindruck, dass wir aktuell an oberster Stelle nicht so aufgestellt sind, wie es die schwierigen Zeiten erfordern werden."
Sportlicher Rückschritt setzt sich fort und sorgt für erneuten Verlust
Borussia Mönchengladbach, früherer Champions-League-Teilnehmer, befindet sich seit Jahren im Umbruch und spielt in dieser Saison gegen den Abstieg. Im vergangenen Herbst hatten sich die Gladbacher von Trainer Gerardo Seoane und Sportchef Roland Virkus getrennt. Auch um Seoane-Nachfolger Eugen Polanski gibt es seit Wochen bereits wieder Diskussionen. Drei Spieltage vor dem Saisonende haben die Gladbacher sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsrang.
Bedingt durch den sportlichen Rückschritt der vergangenen Jahre gab es auch im abgelaufenen Geschäftsjahr wieder einen Verlust in Höhe von knapp vier Millionen Euro nach Steuern. Im Vergleich zum Jahr 2024 stieg der Vor-Steuer-Verlust zwar nur um gut 600.000 Euro, jedoch wurde eine Steuernachzahlung von rund 700.000 Euro für vier Jahre fällig.
Es war das zweite Jahr am Stück, in dem ein Verlust erwirtschaftet wurde. Dies lag insbesondere auch an deutlich gesunkenen TV-Erträgen. 2024 hatte der Verlust 2,5 Millionen Euro betragen. Den Umsatz steigerte der Fußball-Bundesligist im vergangenen Jahr um knapp fünf Millionen Euro auf 189,31 Millionen Euro.
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