Rani Khedira von Union Berlin über seine Torgefahr & Tipps von Bruder Sami
Für Rani Khedira und Union Berlin läuft es in dieser Saison sehr solide. Nach einem 1:0-Sieg gegen Leverkusen stehen die Eisernen mit 28 Punkten auf Platz neun.
26.02.2026 | 15:58 Uhr
Jetzt spricht Rani Khedira im exklusiven Interview mit Sky Sport über die Saison der Unioner, seine persönliche Leistung sowie Steffen Baumgart. Zudem schielt er auf die europäischen Plätze und die WM-Teilnahme.
Rani Khedira über...
...den Sieg gegen Leverkusen: "Ich glaube, alle Unioner waren sehr, sehr glücklich darüber, nach so einer langen Durststrecke endlich mal wieder drei Punkte eingefahren zu haben. Von dem her tut es sicherlich sehr gut, war sicher Balsam für die Seele. Und auch mit Blick auf die Tabelle war es natürlich schon sehr wichtig für uns."
...Druck und Formkrise: "Das hat eigentlich gar nichts mit dem Gegner zu tun gehabt, sondern ich glaube, im Fußball, wenn du in so einer Abwärtsspirale drin bist, ist vielleicht dein Glauben in die eigenen Fähigkeiten nicht mehr ganz so groß. Aber ich finde, das habe ich schon nach dem Spiel gesagt, haben wir nach Hamburg am Sonntag eine sehr sachliche Analyse von dem Spiel gemacht, von den letzten Wochen gemacht, haben uns dann in der Woche so auf Leverkusen vorbereiten können, dass wir ihre Stärken eigentlich aus dem Spiel nehmen konnten und unsere Stärke ein bisschen mehr aufdecken konnten. Und das war dann wahrscheinlich der Schlüssel zum Erfolg am Wochenende. Und von dem her ist es wichtig, emotional in der Mitte zu bleiben und die Sachlichkeit in den Vordergrund zu stellen."
...Erfolge gegen Top-5-Teams: "Vielleicht gefällt uns einfach die Underdog‑Rolle so sehr, dass wir uns da wohlfühlen, dass wir aufblühen können. Die Spiele sind immer davon geprägt, dass die Mannschaften den Ball gerne am Fuß haben wollen, dass sie von hinten aggressiv draufpressen können und wir dann auch unsere Umschaltmomente haben. Das fällt uns vielleicht ein Ticken leichter gerade, aber wir haben auch gezeigt, dass wir gegen andere Mannschaften bestehen können und Punkte holen können. Aber gegen wirkliche Top‑Mannschaften haben wir uns eigentlich ganz gut geschlagen."
...seine gesteigerte Torgefahr:
"Gute Frage. Schon gegen Ende der vergangenen Saison hatte ich ein Stück weit eine offensivere Rolle. Das hat aber auch immer wieder mit dem Partner im Mittelfeld zu tun. Da versuche ich, mich anzupassen, dass die Stärken vom jeweiligen Partner besser auf den Platz kommen, dass es für das große Ganze besser passt. Joshi ist ein Spieler, der den Ball gerne aus der Tiefe am Fuß haben will, das Spiel vor sich haben möchte, und ich habe damit kein Problem, auch ein Stück weit vorne zu agieren. Habe mir dann ein paar Videos von Spitzenspielern auf der Position angeschaut, die das gut machen, weil es verdammt schwierig ist, aus der Tiefe kommend zu verteidigen, weil die Aufnahme von einem Verteidiger schwer ist. Ich habe versucht, im Training an der Effizienz zu arbeiten, und wurde ganz gut belohnt."
Das gesamte Interview im Video:
...seine Vorbilder: "Speziell in den letzten Jahren hat es Enzo Fernández sehr gut gemacht. In Deutschland war es Leon Goretzka sehr lange. Im Hause Khedira gibt es noch einen Bruder, Sami, der das früher auch sehr gut machte. Er hat gesagt, wenn du von hinten kommst, ist es schwierig, dich zu verteidigen und dich aufzunehmen. Das habe ich versucht umzusetzen."
...sein wichtigstes Tor: "Jedes Tor ist irgendwo wichtig, es ist eine Floskel, aber es ist spielentscheidend, das Momentum auf deine Seite zu bekommen. Gegen Leverkusen haben wir viel gelitten, mussten viel aushalten, sie hatten viel Ballbesitz, und dann kommt so ein Tor dir zugute. Das Stadion wird lauter, das Energielevel erhöht sich. Natürlich war Bremen mit dem Ergebnis Champions League für mich und Union besonders. Aber nur darauf runterzubrechen, wäre zu wenig. Es fühlt sich brutal an. Ich bin etwas überfordert beim Torjubel, sieht nicht filigran aus, aber es ist eine Emotion und ein schönes Gefühl."
...die Saison von Union: "Ich finde, wir spielen eine ordentliche Saison, eine ordentliche Runde. Dass es im Fußball auf und ab geht, ist normal. Jede Mannschaft hat mal vier, fünf, sechs Spiele, die schwieriger sind. Wir müssen klar bleiben. Wir spielen eine ordentliche Runde. Wir stehen im Soll. Die Entwicklung einzelner Spieler ist gut, die Entwicklung als Mannschaft ist gut. Wenn ich sehe, wie wir in der Vorbereitung agiert haben, wie wir uns Schritt für Schritt reingearbeitet haben, mit einem schwierigen Auftaktprogramm, finde ich, wir machen es unterm Strich gut."
...Steffen Baumgart: "Ein Stück weit kam er mit seiner Idee, auf Viererkette umzustellen, hat dann aber aufgrund unseres Kaders und der Spielertypen zurückgeswitcht zur Dreier- respektive Fünferkette. Er hat gemerkt, die Mannschaft fühlt sich wohl, hat versucht, die Tugenden, die Union ausgemacht haben, wieder umzusetzen, vorzuleben, uns einzuimpfen. Wir besinnen uns auf unser Spiel und lassen uns nicht einreden, dass unser Fußball nicht der schönste ist. Am Ende geht es um Resultate. Wenn die Zuschauer hier über 90 Minuten so einen Fußball sehen, wofür sie stehen, dann sind wir auf einem guten Weg."
...Europapokal-Ambitionen: "Es wäre gelogen, wenn man sagt, ich hätte keine Lust auf internationales Geschäft. Aber es wäre vermessen zu sagen, weil die Mannschaften von eins bis acht brutale Qualität haben. Wir müssen versuchen, den Abstand nach unten groß zu halten. Wir müssen mit dem Gedanken reingehen, nächstes Jahr wieder Bundesliga zu spielen. Alles, was darüber hinausgeht, ist Bonus."
...das, was zu den Top 8 fehlt: "Ich finde, die Konstanz fehlt. Du musst Woche für Woche den Maßstab oben halten, dass man schwer zu bespielen ist. Ausreißer dürfen nicht passieren. Dann ist im Verein immer etwas möglich, speziell zu Hause, mit den Fans im Rücken."
...das Spiel gegen Gladbach: "Die Mannschaft ist auf Augenhöhe. Gladbach hat individuell gute Spieler, vielleicht nicht immer die beste Abstimmung gehabt. Sie verlieren ein Spiel in Frankfurt 0:3, was sie nicht verlieren durften. Sie haben hohe Qualität. Wenn sie die geschlossen auf den Platz bekommen, sind sie gut. Wir müssen gewarnt sein, kompakt arbeiten und können dort bestehen. Man darf nicht denken, weil man gegen Leverkusen gewonnen hat, dass es ein Selbstläufer wird."
...seine Zukunft: "Am Ende spielt die größte Rolle, wenn der Verein mich haben will, mich in der Mannschaft sieht. Ich fühle mich sehr wohl hier. Bin jetzt fünf Jahre hier, habe viel erlebt, privat und sportlich. Es ist ein cooler Verein, eine intakte Mannschaft. Ich habe eine tragende Rolle. Ich habe mir noch nicht viele Gedanken über meine Zukunft gemacht. Ich habe das Karriereende nicht vor Augen, sondern genieße es, Fußball auf höchstem Niveau zu spielen, und möchte es so lange wie möglich ausüben."
...die Nationalmannschaftskontaktaufnahme: "Dass eine Kontaktaufnahme da war, ist bekannt. Ich hatte ein sehr charmantes Gespräch mit dem Trainer und alles Weitere wird man in den nächsten Wochen erfahren."
...eine mögliche WM-Teilnahme: "Natürlich war ich während der EM vor zwei Jahren in Stuttgart auf der Tribüne zwischen Deutschland und Ungarn und habe meinen Bruder gefragt, welche Energie da durchs Stadion geht. Ich war bei Champions-League-Spielen meines Bruders. Das war besonders. Aber diese Energie bei so einem großen Turnier war spezieller. Es ist ein Traum, bei einer WM auf dem Platz zu stehen, und schauen wir mal."
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