Revierderby BVB gegen Schalke - darum kann S04 überraschen
Drei Hoffnungsschimmer für Königsblau
27.04.2019 | 15:27 Uhr
Schalke geht als krasser Außenseiter ins Revierderby beim BVB. Dennoch gibt es drei Gründe, wieso die Knappen beim Erzrivalen überraschen könnten.
Geografisch trennen Dortmund und Schalke nur etwa 30 Kilometer, sportlich sind es in dieser Saison Welten. Der BVB hat mit 69 Zähler stolze 42 Punkte mehr auf dem Konto als die Knappen, die nur auf 27 kommen. Noch nie (!) lagen die Erzrivalen weiter auseinander. Den bisher größten Abstand zwischen beiden Teams gab es nach dem 34. Spieltag in Dortmunds Meistersaison 2010/11 als Schwarz-Gelb 35 Zähler mehr hatte als Königsblau.
Dennoch ist ein Dortmunder Sieg am Samstag (ab 15:15 Uhr live auf Sky Sport Bundesliga 2 HD) keinesfalls garantiert, denn drei Sachen machen Schalke Hoffnung:
1. Alexander Nübel
Schalkes junger Torhüter ist einer der ganz wenigen Lichtblicke in dieser Spielzeit. Der 22-Jährige sicherte S04 mit zum Teil unfassbaren Paraden in Hannover (1:0) und beim 1. FC Nürnberg (1:1) quasi im Alleingang vier wichtige Punkte im Abstiegskampf und wurde sogar vom Gegner in höchsten Tönen gelobt. Auch in den restlichen Spielen konnte der Schlussmann überzeugen.
Erwischt Nübel auch in Dortmund einen Sahnetag, könnte Schalke durchaus Punkte aus dem Signal-Iduna-Park entführen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Schalke dank eines überragenden Schlussmanns beim BVB besteht.
Am 25. März 2014 trieb Nübels Vorgänger Ralf Fährmann unter anderem Marco Reus und Robert Lewandowski in Dortmund mit unzähligen Glanzparaden zur Verzweiflung und sicherte seinen Farben ein schmeichelhaftes 0:0. Das gleiche Resultat erzwang auch Manuel Neuer in der Saison 2010/11 beim BVB.
Am 4. Februar 2011 trafen Mario Götze und Lucas Barrios nur Aluminium und scheiterten darüberhinaus etliche Male am herausragenden Nationaltorhüter in dessen letztem Revierderby. Wiederholt sich die Geschichte am Samstag? Schalke könnte mit einem torlosen Remis sicherlich sehr gut leben...
2. Jüngere Derby-Bilanz
Die jüngere Derbygeschichte spricht für Schalke, auch wenn der BVB das Hinspiel in Gelsenkirchen für sich entschieden hatte. Seit der Jahrtausendwende tut sich Dortmund vor allem vor heimischem Publikum schwer - und das nicht nur, wenn der gegnerische Torhüter einen guten Tag erwischt. Von 19 Heimspielen gewann der BVB nur vier. Achtmal holte Schalke zumindest einen Punkt und verließ sogar sieben Mal den Rasen als Sieger.
Insgesamt holte S04 nur in Bremen (50) und Hamburg (49) mehr Punkte als beim großen Rivalen (48). In gewisser Hinsicht ist Dortmund also sogar ein Lieblingsgegner, denn auch mit dem Toreschießen klappt es für gewöhnlich ganz gut. Lediglich gegen den HSV erzielten die Knappen mehr Bundesliga-Treffer (143) als gegen den BVB (133).
Und auch Huub Stevens spielt gerne gegen Dortmund. In 22 Bundesliga-Duellen gegen den BVB holte er acht Siege bei sieben Remis und sieben Niederlagen. Nur gegen Hansa Rostock gewann Stevens häufiger (Zwölf Siege). In Revierderbys ist die Bilanz des "Knurrers von Kerkrade" ordentlich: Von 15 Partien gewann er vier und holte immerhin noch sechs Remis.
3. Eigene Gesetze im Derby
Im Revierderby passieren oft nicht erklärbare Dinge. Bestes Beispiel dafür ist das 4:4 in der vergangenen Saison, als Schalke nach einem 0:4 zur Pause in Dortmund noch zurückkam. Im September 2009 das genaue Gegenteil: Damals holte Dortmund nach einem 0:3-Rückstand noch ein 3:3. Generell wird oft die Phrase bemüht, dass es im Derby gar keinen Favoriten gibt und die Leistungen bis dahin keine große Rolle spielen.
Die Statistik macht dem Außenseiter auch durchaus Hoffnung. Zwar setzte sich 41 Mal der vermeintliche Favorit im Revierderby durchsetzen, aber 52 Mal konnte das schlechter platzierte Team punkten (23 Siege, 29 Unentschieden).
Das Derby am vorletzten Spieltag der Saison 2006/07 ist ein perfektes Beispiel dafür. Der BVB spielte eine Saison zum Vergessen, Schalke grüßte von der Tabellenspitze und stand kurz vor der langersehnten Meisterschaft. Das Ende ist bekannt: Dortmund siegte 2:0 und so der VfB Stuttgart zog noch vorbei und hielt eine Woche später die Schale in den Händen.
Schalke könnte sich nun revanchieren, denn ein Punktverlust gegen S04 wäre ein empfindlicher Dämpfer im Meisterkampf für den BVB. Die Knappen wiederum würden damit zwar die verkorkste Saison nicht retten, aber zumindest die enttäuschten Anhänger etwas versöhnen. Ob es wirklich so kommt? Am Samstag um etwa 17:20 Uhr wissen wir mehr...