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SC Freiburg News: Wer ersetzt Nationalspieler Luca Waldschmidt?

Streich nun ohne Waldschmidt: Duo bietet sich unverhoffte Chance

Vincent Heim

03.09.2020 | 19:17 Uhr

Christian Streich muss einmal mehr kreative Lösungen finden.
Image: Christian Streich muss einmal mehr kreative Lösungen finden.  © Imago

Luca Waldschmidt wechselte vom beschaulichen Freiburg in die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Der Wechsel des Nationalspielers hinterlässt eine große Lücke in der Elf von Trainer Christian Streich. Dieser bastelt an einer internen Lösung, um den Abgang zu kompensieren.

Es ist ein altbekanntes Szenario im Breisgau: Ein Leistungsträger wechselt, ein hübsches Millionensümmchen wird eingenommen und dennoch steht nur ein Bruchteil des erwirtschafteten Kapitals für Neuverpflichtungen zur Verfügung. Die finanziellen Einbußen durch die Corona-Pandemie in Verbindung mit dem immer noch nicht abgeschlossenen Bau des neuen Stadions machen es dieses Jahr nicht einfacher.

Nach dem Abgang des langjährigen Stammtorhüters Alexander Schwolow verabschiedete sich jüngst Luca Waldschmidt vom SC Freiburg. Die Ablösesumme beläuft sich auf 15 Millionen Euro. Mit 23 Torbeteiligungen in 56 Pflichtspielen hatte der Torschützenkönig der U21-EM von 2019 großen Anteil an den souveränen Klassenerhalten der vergangenen zwei Saisons. Dies blieb auch Benfica nicht verborgen, die dem technisch versierten Linksfuß eine Austiegsklausel von sagenhaften 88 Millionen Euro in den Fünfjahresvertrag verankerten.

Gibt es überhaupt einen Ersatz?

Eines ist klar: Für den Sport-Club aus Freiburg ist es nahezu unmöglich, einen Ersatz zu verpflichten, der Waldschmidt sofort ersetzen kann. „Wir können Luca aufgrund seiner offensiven Qualität nicht eins zu eins ersetzen" stellte Streich gegenüber dem SWR klar. „Er kann in wenigen Szenen den Unterschied machen. Deswegen ist er auch nach Lissabon", führt der studierte Lehrer für Germanistik, Sport und Geschichte aus.

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Luca Waldschmidt spricht über die Beweggründe für seinen Wechsel zu Benfica

Dass Offensivspieler dieses Formates den Verein in nahezu jedem Fall verlassen, zeigt die Vergangenheit: In den vergangenen vier Jahren verließen unter anderem Admir Mehmedi (Bayer Leverkusen), Vladimir Darida (Hertha BSC) sowie Maximilian Philipp (Borussia Dortmund) den Klub aus Südbaden. Allein für diese drei Abgänge nahm der Verein über 30 Millionen Euro ein. Wurde das Geld komplett in neue Spieler reinvestiert? Fehlanzeige.

Stattdessen wurden im Gegenzug Akteure geholt wie Luca Waldschmidt, der bei seinem damaligen Verein, dem Hamburger SV, von Fans bereits als Flop und Chancentod abgestempelt wurde. Der Wechsel in das ruhige Umfeld im Schwarzwald in Kombination mit einem geduldigen und dennoch fordernden Mentor Streich war dann genau der richtige Schritt für den damals 22-Jährigen.

Neuzugang Demirovic völlig anderer Spielertyp

Freiburgs bisher einziger Offensiv-Neuzugang ist der bosnische Nationalspieler Ermedin Demirovic (22) vom spanischen Erstligisten Deportivo Alaves. Der gebürtige Hamburger spielte vergangene Saison leihweise für den Schweizer Vizemeister FC St. Gallen und kam dort in 28 Spielen auf 21 Torbeteiligungen (14 Tore, sieben Assists). Die Ablöse des 1,85 Meter großen Rechtsfußes beläuft sich übereinstimmenden Medienberichten zufolge auf 3,7 Millionen Euro.

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Doch mit Waldschmidt kann der bei RB Leipzig ausgebildete Stürmer nicht verglichen werden. Demirovic ist ein klassischer Mittelstürmer und kommt sehr über seine physische Präsenz sowie Kämpfer-Mentalität.

Waldschmidts Qualitäten sind dagegen andere: Der quirlige Offensivspieler lässt sich gerne fallen, um das Offensivspiel seiner Mannschaft aus der Tiefe anzukurbeln. Den direkten Kontakt zur gegnerischen Innenverteidigung vermeidet der Lockenkopf gerne.

Südkoreanisch-australischer Ersatz?

In der Vorbereitung experimentierte Streich daher mit verschiedenen Startelf-Ansätzen. Gegen den KSC (1:1) ließ er zunächst den Südkoreaner Woo-yeong Jeong (20) auf Waldschmidts alter Position an der Seite von Stoßstürmer Nils Petersen auflaufen.

Der in der vergangenen Rückrunde an die Zweitvertretung des FC Bayern ausgeliehene Jeong zeigte in diesem Test in Form von klugen Pässen zwar ansprechende Ansätze, dennoch sagte Trainer Streich gegenüber dem kicker, der U23-Nationalspieler müsse "an seiner Körperlichkeit arbeiten". Zudem habe "das letzte Durchsetzen gefehlt", dies sei zum jetzigen Zeitpunkt allerdings "noch nicht entscheidend".

1:17
Christian Streich verlängert seinen Vertrag beim SC Freiburg. Auf der Pressekonferenz wird er emotional - und hofft auf viele weitere Jahre im Breisgau (Videolänge: 1:17 Uhr).

In den zweiten 45 Minuten durfte sich dann der Australier Brandon Borrello (25) beweisen. Der australische Nationalspieler überzeugte und erzielte mit einem schönen Schlenzer den Ausgleichtreffer zum 1:1. Streich gab sich nicht überrascht, da der eigentliche Außenbahnspieler in der Testpielwoche "gut trainiert" habe.

Duo reiste doch ins Trainingslager - Geplante Leihen vom Tisch

Borello sowie Jeong, die beide lange als Leih-Kandidaten galten, reisten nun auch mit ins alljährliche Trainingslager nach Schruns (Österreich). Dort fand am Samstag der zweite Test gegen den österreichischen Zweitligisten FC Dornbirn statt. In der 120-minütigen Partie gegen die Vorarlberger liefen erneut beide Spieler abwechselnd für je eine Halbzeit auf. Während Neuzugang Demirovic beim 8:1-Sieg doppelt traf, blieb das südkoreanisch-australische Duo unauffällig.

Wer beim Saisonauftakt gegen den VfB Stuttgart die Waldschmidt-Position einnehmen wird, ist noch nicht absehbar. Fakt ist: Streich muss einmal mehr kreative Lösungen finden.

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