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Schnatterer setzt gegen den VfB auf Mentalität und Leidenschaft

Heidenheim-Profi im EXKLUSIV-Interview mit skysport.de

Thomas Goldmann

06.08.2019 | 11:05 Uhr

Marc Schnatterer spielt seit elf Jahren für den 1. FC Heidenheim
Image: Marc Schnatterer fühlt sich in Heidenheim pudelwohl © Imago

Marc Schnatterer vom 1. FC Heidenheim gilt als einer der besten Zweitligaspieler. Im Interview mit skysport.de spricht er über das anstehende Derby gegen den VfB Stuttgart, seine Vereinstreue, seinen Kult-Status, die Saisonziele mit Heidenheim und den DFB-Pokal.

skysport.de: Herr Schnatterer, Sie stehen seit elf Jahren in Heidenheim unter Vertrag, haben aber noch nie in der Bundesliga gespielt. Wie schätzen Sie die Chancen ein, mit dem FCH noch in die Bundesliga aufzusteigen?

Marc Schnatterer: Gute Frage: Im letzten Jahr war die Chance aufzusteigen unerwartet groß wie noch nie. Wir waren nahe dran. Die 2. Bundesliga ist jetzt wieder einen Tick stärker, wieder einen Tick enger geworden. Deshalb wird es in der Zeit, in der ich noch spiele, nicht so einfach, den Sprung zu schaffen - vor allem, weil wir vor dieser Saison drei wichtige Spieler verloren haben. Wenn man dann wieder eine neue Mannschaft aufbauen muss, weiß man natürlich auch nicht gleich, wie alles laufen wird. Es ist schwierig, eine Wahrscheinlichkeit zu beziffern, ob es dazu irgendwann einmal kommen wird.

skysport.de: Sie sprechen es an: Mit Robert Glatzel hat Heidenheim erst in dieser Woche einen der Leistungsträger an Cardiff City abgegeben. Wie schwer wiegt dieser Abgang und wie wollen Sie ihn auffangen?

Schnatterer: Wir haben mit Robert Andrich, Nikola Dovedan und Robert Glatzel sehr wichtige Spieler verloren. Wenn Spieler gehen, müssen andere, die letzte Saison nicht so zum Zug kamen, diese Rolle einnehmen oder Spieler, die neu hinzukommen, ihre Chance nutzen. Wir können nicht immer sagen, dass wir oben mitspielen. Wir sind, was das angeht, vielleicht noch ein bisschen ein Sprungbrett oder ein Ausbildungsverein. Wenn man solch eine Chance bekommt, sich sportlich nochmals zu verbessern, dann ist es legitim sie zu nutzen. Für uns ist das sportlich gesehen natürlich ein Verlust.

Wir sind vielleicht spielerisch etwas unterlegen. Aber das wollen wir durch Mentalität und Leidenschaft wettmachen.
Marc Schnatterer über die Chancen gegen den VfB Stuttgart

skysport.de: Sie sind mit einem Sieg in die Saison gestartet. Am Sonntag spielen Sie gegen Stuttgart - einen der Top-Favoriten auf den Aufstieg. Wie wollen Sie den VfB schlagen?

Schnatterer: Am zweiten Spieltag steht gleich das Derby vor der Tür. Wir wollen zuhause unsere Chance suchen und nutzen. Deshalb wird es darauf ankommen, wie man als Mannschaft auf dem Platz agiert - wer die bessere Mentalität hat, wer bereit ist, an die Grenze zu gehen. Wir sind vielleicht spielerisch etwas unterlegen. Aber das wollen wir durch Mentalität und Leidenschaft wettmachen. Wenn wir das am Sonntag auf den Platz bringen, haben wir eine Chance, das Spiel zu gewinnen.

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skysport.de: In der vergangenen Saison hat nur ein Sieg zum Aufstieg gefehlt. Kann Heidenheim es diese Saison angesichts der Konkurrenz aus Hamburg, Hannover, Nürnberg und Stuttgart packen? Was ist Ihr Saisonziel?

Schnatterer: Man muss ja nur die letzten beiden Saisons betrachten: Einmal knapp am Abstieg vorbei, einmal knapp am Aufstieg vorbei. Ich denke, das sagt eigentlich alles. Wir wollen gut in die Saison reinkommen und Punkte sammeln, um uns ein Polster zu erarbeiten. Das ist das kurzfristige Ziel. Langfristig wollen wir natürlich erstmal den Klassenerhalt sichern. Und dann muss man sehen, wie viele Spiele noch übrig sind. Letzte Saison waren es noch viele Spiele. Natürlich konnten wir danach noch andere Ziele anpeilen, aber im Jahr davor konnten wir unser Ziel erst am letzten Spieltag erreichen. Es ist für den Verein enorm wichtig, immer den Klassenerhalt zu schaffen. Das ist das Hauptziel.

skysport.de: Welche Rolle spielt für Sie die Treue zu Ihrem Verein?

Schnatterer: Ich bin ja eigentlich ein Spätstarter und habe mit 28 mein erstes Zweitligaspiel bestritten. Von daher habe ich nicht unbedingt die Notwendigkeit gesehen, mich verändern zu müssen. Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Weg hier gehen konnte. Ich habe mich dazu entschieden, den Weg mit Heidenheim zu gehen - egal wie lange. Ich bin sehr froh, dass es sportlich für mich immer neue Aufgaben gegeben hat.

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skysport.de: Gab es Angebote größerer Klubs? Wenn ja, warum sind Sie nicht gegangen?

Schnatterer: Zu meinen Drittligazeiten hätte es die Möglichkeit gegeben, vielleicht in die 2. Bundesliga zu wechseln. Wenn man aber ganz nach oben möchte, gucken die Klubs auch auf die Erfahrung und ich hatte vor 2014 noch keine Zweit- und Erstligaspiele und die Tendenz geht immer weiter dahin, sehr junge Spieler zu verpflichten. Dessen war ich mir auch bewusst. Aber das ist überhaupt kein Problem. Ich bin sehr glücklich, dass ich hier in Heidenheim im Profi-Bereich angekommen bin.

skysport.de: Was bieten Ihnen der Klub und die Stadt Heidenheim, was andere Vereine und Städte nicht haben?

Schnatterer: Die Ruhe. Das ist der größte Unterschied zu vielen anderen Vereinen. Wenn es gut läuft, ist es ruhig und wenn es schlecht läuft, ist es trotzdem relativ ruhig hier. Das kann schon vorteilhaft sein für die jeweilige Situation. Ich fühle mich hier sehr wohl in Heidenheim, bin gut aufgenommen worden und habe auch viele Freunde außerhalb des Fußballs. Nach elf Jahren habe ich immer noch Lust, zum Training zu gehen und weiter Gas zu geben. Das macht Heidenheim aus, dass ich mich extrem wohlfühle. Das gesamte Paket stimmt - auch außerhalb des Platzes.

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skysport.de: Ihr Trainer Frank Schmidt ist sogar noch länger in Heidenheim als Sie (Frank Schmidt kam 2003 als Spieler nach Heidenheim und wurde 2007 Trainer). Wie wichtig ist Ihr Coach für Sie und den Verein?

Schnatterer: Er kennt die Stadt, er kennt die Menschen, weiß, auf was es hier ankommt. Am Werdegang des Vereins, der Mannschaft und des sportlichen Erfolgs hat er wahrscheinlich mit unserem Vorstandsvorsitzenden Holger Sanwald gemeinsam den größten Anteil. Ich persönlich habe als junger Spieler die Chance von ihm bekommen, sportlich viel Erfahrung zu sammeln, und konnte Erfolge feiern. Er hat mich zum Führungsspieler entwickelt und mich zum Kapitän gemacht. Das sind alles Dinge, die meiner Person sehr gut getan haben. Ich glaube, dass er schon die Person ist, die es mir ermöglicht hat, den Weg zu gehen, den ich gegangen bin.

Von daher darf einem das durchaus schmeicheln und auch etwas stolz machen - vor allem auch die Geschichte damals mit Mats Hummels.
Marc Schnatterer über seinen Kult-Status

skysport.de: Es heißt häufig, Sie seien mit der beste Zweitligaspieler, der nie in der Bundesliga gespielt hat. Mats Hummels hat sich quasi als "Fan" von Ihnen geoutet. Schmeichelt Ihnen das? Oder ist Ihnen dieser Kult um Ihre Person eher unangenehm?

Schnatterer: Das hat sich mit Sicherheit in gewisser Weise entwickelt. Das kann einem schon schmeicheln. Es gibt Leute, die feiern dich dafür, dass du so lange bei einem Verein spielst. Aber natürlich gibt es auch die andere Seite, die möchte, dass du dich anderswo beweist. Darum geht es aber gar nicht. Der Status, den ich mir erarbeitet habe, wurde mir nicht geschenkt. Von daher darf einem das durchaus schmeicheln und auch etwas stolz machen - vor allem auch die Geschichte damals mit Mats Hummels.

skysport.de: In der vergangenen Saison haben Sie im DFB-Pokal für Furore gesorgt und unter anderem Leverkusen geschlagen und beim FC Bayern nur knapp 4:5 verloren. War das Ihr persönliches Karriere-Highlight?

Schnatterer: Das war schon das absolute Highlight meiner Laufbahn. Es gibt vielleicht noch zwei oder drei andere Partien, die da herankommen. Das Spiel in München wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es war unbeschreiblich. Es kommt nicht so oft vor, dass man bei Bayern spielt, verliert und trotzdem viele Fans gewinnt. Das war etwas ganz Besonderes für uns, für mich, die Mannschaft, unsere Fans und für den Verein. Da haben wir denke ich viele Sympathien gewonnen.

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skysport.de: Was sind Ihre Ziele in dieser Pokalsaison und wie schätzen Sie Ihren Erstrundengegner Ulm ein, der in der letzten Saison Frankfurt aus dem Pokal warf?

Schnatterer: Ich habe hier damals schon in der Regionalliga-Derby gegen Ulm gespielt. Das geht immer heiß her. Auch wenn wir die Favoritenrolle haben, wird das kein einfaches Spiel. Ulm hat im letzten Jahr diesen Coup gegen Frankfurt gelandet. Wir wissen, wie schön das ist im Pokal und wir wollen weiterkommen. In den letzten Jahren haben wir es immer ganz gut gemacht in den ersten Runden, aber das heißt nicht, dass es dieses Jahr automatisch funktioniert. Dem müssen wir uns bewusst sein. Wenn wir es schaffen, Ulm unser Spiel aufzudrängen, haben wir gute Chancen. Sollten wir ein paar Prozente unter dem Limit bleiben, werden wir Probleme bekommen.

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