Watzke über Klopps DFB-Start, Tuchel und den BVB-Anschlag

Hans-Joachim Watzke hat im zweiten Teil der 200. Jubiläumssendung "Meine Geschichte" über Jürgen Klopp als Bundestrainer, Thomas Tuchel und den BVB-Busanschlag 2017 gesprochen. Der BVB-Boss gewährte dabei seltene Einblicke in zentrale Entscheidungen und Konflikte.

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Hans-Joachim Watzke ist Präsident von Borussia Dortmund. Im Rahmen der Sky-Sendung ''Meine Geschichte - das Leben von...'', gibt der mächtige Mann von Borussia Dortmund private Einblicke in sein bewegtes Leben.

Besonders die Verpflichtung von Jürgen Klopp für den DFB, die Diskussionen um Thomas Tuchel und die Folgen des Anschlags auf Borussia Dortmund standen im Fokus.

Hans-Joachim Watzke über Bundeskanzler Friedrich Merz

Sky Sport: Du würdest Friedrich Merz wieder wählen? Warum würdest du ihn wieder wählen? Ihr seid ja auch befreundet.

Hans-Joachim Watzke: Ja, das ist aber nicht das entscheidende Thema. Das Problem bei Friedrich Merz war, dass er für ein gewisses Markenversprechen stand. Jetzt müsste man aber den Leuten klar machen, dass du ein Markenversprechen im Wahlkampf nur dann einhalten kannst, wenn du eine absolute Mehrheit kriegst. Die hast du aber nicht. (…) Aber diese Gnadenlosigkeit ... Mein Gefühl ist, dass jetzt demnächst jeder deutsche Bundeskanzler, das ging ja bei Olaf Scholz los und ist jetzt bei Merz noch mal expressiver geworden, dass jeder deutsche Bundeskanzler von der Öffentlichkeit massiv angefeindet wird. Das geht so nicht weiter.

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Sky Sport: Glaubst du, er überlebt die Amtszeit?

Hans-Joachim Watzke: Ich glaube schon. Ich muss wirklich sagen, ich bewundere, wie vital er ist. Er ist ja vier Jahre älter als ich. (…) Und für Friedrich Merz war es auch erstmal ein Lernprozess. Du musst auch erstmal Regieren lernen. Und da müssen wir auch bereit sein, den Leuten dann mal einen Lernprozess zu ermöglichen. Aber ist ja nicht möglich, in Deutschland gibt es dann nur sofort Gegenwind.

Sky Sport: Mit der Vehemenz, mit der er auch angegriffen wird - glaubst du, er kann überhaupt glücklich sein?

Hans-Joachim Watzke: Ich glaube schon, dass ihn das sehr beeinflusst. Früher war es nicht so schlimm, die sozialen Medien machen natürlich was mit der Gesellschaft. Die Gesellschaft verroht dadurch. (…) Wenn wir Deutschen auch den Respekt verlieren, den Respekt auch gegenüber Leuten verlieren, die sich dafür die Gesellschaft noch für so eine Position zur Verfügung stellen, was viele ja gar nicht mehr wollen. Das waren keine guten Bilder.

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Bei ''Meine Geschichte'' erzählt Hans-Joachim Watzke eine Anekdote über seine Erziehung. Sein Vater habe ihn mit 14 Jahren auf den Bau geschickt, um Leistung und Selbstverantwortung zu lernen.

Hans-Joachim Watzke über Bundestrainer Jürgen Klopp

Sky Sport: Wie viel Überzeugungsarbeit war bei Jürgen Klopp nötig?

Hans-Joachim Watzke: Es gab ja nur diese eine Idee, Jürgen zu holen. Aber dafür musstest du auch erstmal Überzeugungsarbeit leisten. Und du musstest auch erstmal RB überzeugen, ihn freizugeben.

Sky Sport: War es denn schwierig oder war es am Ende so einfach wie alle denken?

Hans-Joachim Watzke: Ne, ne, ne. Das war schon schwierig, weil Red Bull fühlte sich sehr wohl mit ihm. Und da ist ja nicht nur Oliver Mintzlaff, dem kann man ja garantiert noch unterstellen, dass er auch ein großes Interesse daran hat, dass es dem deutschen Fußball gut geht. Aber wenn du mal siehst, wer die Gesellschafter sind, der eine ist ein Österreicher, der andere ist ein Thailänder. Ich glaube nicht, dass die den ganzen Tag darüber nachdenken, was können wir jetzt im deutschen Fußball Gutes tun. Die Gespräche wurden jeden Tag etwas besser, aber die ersten Aufschläge waren auch schon, da gab es auch schon harte Worte.

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Die Verpflichtung von Jürgen Klopp als Bundestrainer war schwieriger, als viele Leute glauben. Das verriet Hans-Joachim Watzke exklusiv gegenüber Sky Sport und spricht über die harten Verhandlungen mit RB Leipzig.

Sky Sport: Hast du zwischenzeitlich gedacht, das klappt nicht?

Hans-Joachim Watzke: Nein, das nicht. Das nicht. Aber das habe ich öfter schon mal nicht gedacht und dann ist es trotzdem schiefgegangen. Also der Teufel steckt da auch im Detail.

Sky Sport: Wie gefällt dir die ersten Wochen mit Jürgen als Bundestrainer?

Hans-Joachim Watzke: Das ist ja genau wie in der Saisonvorbereitung, da haben wir auch immer alle gute Laune. Am Ende musst du erst mal spielen, und dann vier Spiele gleich am Anfang, das ist viel. Und Holland gleich am Anfang ist schwer, aber ich freue mich drauf.

Hans-Joachim Watzke über den BVB-Bus-Anschlag 2017 und den Schilderungen von Thomas Tuchel, dass Watzke trotz dessen auf die Austragung des CL-Spiels am gleichen Abend gedrängt hätte.

Sky Sport: War das für dich ganz persönlich die größte menschliche Enttäuschung?

Hans-Joachim Watzke: Es war jedenfalls eine große, ja.

Sky Sport: Es war Thomas Tuchel, der das so dargestellt hat. Wie lange hattest du denn persönlich damit zu knabbern, dass so ein Bild in der Öffentlichkeit dargestellt wird, was einfach nicht der Wahrheit entspricht?

Hans-Joachim Watzke: Ja gut, das ist ja dann ein Riesenproblem, weil wenn du die inneren Vorgänge nicht mehr bei dir behältst, sondern alles nach draußen geht und dann auch noch verzerrt. Ich habe aber gemerkt, dass egal was ich sagte, oder auch egal was andere sagten, es gab einfach bestimmte Kreise, die das einfach haben wollten so. Weil das einfach gut reinpasste, dass so ein seelenloser Fußballfunktionär den Spielern vorschreibt, was sie zu tun haben. Das passte einfach mal gut ins Bild. Aber die Spieler waren immer korrekt. Ich war noch nicht mal dabei, wo die abgestimmt haben. Ich habe da mit denen gesprochen, ein paar Minuten, habe ihnen erklärt, dass wir für alles, was sie entscheiden, Verständnis haben. Dass ich auf der einen Seite gut verstehen kann, dass man sich am selben Abend nicht in der Lage ist, Fußball zu spielen. Ich aber auch nicht derjenige sein möchte, oder wir alle nicht, der ihnen die Möglichkeit verwehrt, ins Halbfinale der Champions League einzuziehen.

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Der Anschlag auf dem BVB-Bus vor dem CL-Spiel gegen Monaco 2017 war für den BVB ein einschneidendes Erlebnis. Gegenüber Sky Sport gibt Hans-Joachim Watzke zu seinen Gefühlen und den Vorwürfen von Thomas Tuchel damals.

Sky Sport: Hat dich diese Zeit persönlich verändert?

Hans-Joachim Watzke: Ja, ich glaube schon ein bisschen, weil das war das erste Mal, dass ich auch intern ein bisschen misstrauisch geworden bin. Ich kannte das vorher nicht. BVB war bis zu dem Zeitpunkt, bis 2015 war Jürgen da, da war der BVB eine sehr, sehr geschlossene Einheit. Aber es war auch eine Extremsituation. Das muss man auch sagen. Und ich war auch nicht im Bus. Und das kommt auch noch dazu.

Sky Sport: Was ich bemerkenswert fand, ist, dass du Thomas Tuchel verziehen hast. Hat dich das Überwindung gekostet?

Hans-Joachim Watzke: Wir hatten in dem Moment einen massiven Dissens, das ist schon klar, aber irgendwann geht es immer weiter. Und wenn wir uns heute sehen, dann reden wir vernünftig miteinander. Und als die Engländer mich gefragt haben, was ich von Tuchel halte, habe ich denen nur gesagt: 'Könnt ihr blind machen, kriegt einen der besten Trainer.' Und Thomas Tuchels stand ja auch unter einem maximalen Druck und wer ihn als Persönlichkeit kennt, der weiß ja auch, dass er sich diesen Druck auch selbst auferlegt. Und wie gesagt, wenn du dann in dem Moment im Bus gesessen hast, fühlen sich die Dinge für dich nochmal anders an. Das muss man einfach auch respektieren. Es ist nicht optimal gelaufen, aber das darfst du nicht noch zehn Jahre mit hier herumtragen. Das ist alles okay.

Sky Sport: Hast du eigentlich mal kurz darüber nachgedacht, Thomas Tuchel als Bundestrainer zu installieren?

Hans-Joachim Watzke: Im Sommer nicht. Ist ja aber auch nicht meine Entscheidung. Das machen beim DFB ja andere, aber die Idee hätte ich schon gehabt. Wir sind ja in Katar ziemlich kläglich ausgeschieden und dann denkst du ja schon mal so in der Nacht oder zwei Nächte lang, was könnte jetzt sein?

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Bei der WM führte Thomas Tuchel die englische Nationalmannschaft ins Halbfinale. Vielleicht hätte er das auch mit der DFB-Elf gemacht. Zumindest dachte Hans-Joachim Watzke mal über den Ex-Bayern-Coach als Bundestrainer nach.

Sky Sport: Warum hast du dich dann nicht mehr dafür eingesetzt?

Hans-Joachim Watzke: Das ist ja nicht meine Entscheidung, wer Bundestrainer wird. Die Grundhaltung war einfach, wir machen mit Hansi Flick weiter. Und er ist ja ein exzellenter Trainer, das sieht man ja, was er bei Barcelona abreißt. Aber ich hatte das Gefühl, nach Katar wird es schwierig. Weil nach so einem Misserfolg wird es schwierig. Ich habe im Nachhinein wahrscheinlich recht behalten, die Spiele danach waren ja ein Desaster.

Sky Sport: Also wäre es nach dir gegangen, wäre Thomas Tuchel eventuell DFB-Trainer geworden?

Hans-Joachim Watzke: Nein, so weit war ich in meinem Denken nicht. Aber wir hatten ein großes Misserfolgserlebnis und dann denkst du darüber nach, welche Alternativen gibt es und dann kommst du natürlich automatisch auf Tuchel, weil Jürgen stand ja zu der Zeit nicht ansatzweise zur Verfügung.

Die ganze Sendung "Meine Geschichte bei Sky" gibt es am heutigen Freitag um 23:15 Uhr auf Sky Sport Bundesliga und Sky Sport Top Event zu sehen.

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