Klopps Botschaft: Alles anders als Nagelsmann!
Mit seinem Auftritt auf der Pressekonferenz zur Kaderbekanntgabe begeistert Bundestrainer Jürgen Klopp viele Fußball-Fans - und macht dabei alles anders als sein Vorgänger, findet Sky Sport Reporter Patrick Berger.
17.09.2026 | 18:40 Uhr
Schon mit seiner Basecap, die Jürgen Klopp auf dem Pressekonferenz-Podium im DFB-Campus trug, sendete er eine klare Botschaft.
"Einer von 83 Millionen!" stand auf dem Schild. Für den neuen Bundestrainer geht es um das WIR! "Jeder, der sich hier eine Kappe nimmt, ist jetzt auch Bundestrainer", sagte er grinsend. "Kappe verpflichtet." Damit sendet Klopp bei seinem Start die Botschaft: Alle sitzen in einem Boot.
"Ich möchte die Fahne zurückholen. Ich hätte schon ganz gerne, dass man glücklich ist, dass man in diesem wunderbaren Land lebt. Ich möchte Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen. Positiver Patriotismus - gerne."
Klopp setzt auf Mut und Mentalität
Aus sportlicher Sicht hatte Klopps Kaderbekanntgabe etwas Revolutionäres. Zwei Kader, 44 Spieler, 16 Profis ohne Länderspieleinsatz und gleich elf Neulinge - dazu der Bettenwechsel nach dem zweiten Spiel: So etwas hatte es zuvor noch nie gegeben.
Bei der Auswahl der beiden Mannschaften geht es nicht nur um die Qualität der einzelnen Spieler, sondern vielmehr um die Botschaft dahinter. Dass man über die Nominierung von Max Rosenfelder, der für Freiburg in dieser Saison erst 21 Bundesliga-Minuten gespielt hat, über den ordentlich in Augsburg gestarteten Hennes Behrens oder über den wenig bekannten Felix Keidel aus Elversberg streiten kann, ist klar.
Klopp hat Wort gehalten
Klopp will damit aber vor allem zeigen: Jeder, der Gas gibt und rennt, bekommt seine Chance. Dafür bleiben "alte" Kräfte wie Pascal Groß oder Deniz Undav zuhause, mit Leroy Sané und Leon Goretzka, der verletzt ist, hat Klopp noch gar nicht gesprochen. Ein Fingerzeig!
Der neue Bundestrainer sucht Mentalitätsspieler, die die richtige Einstellung und Vollgas mitbringen. Gewiss: Nicht jeder der 44 Spieler wird eine große Zukunft beim DFB haben. Aber das ist zunächst zweitrangig.
Klopp hat Wort gehalten. Zu seinem Dienstbeginn hatte er angekündigt, mutig sein zu wollen und gefühlt jeden auf dem Zettel zu haben, der einen deutschen Pass besitzt und laufen mag.
Er weiß, wovon er spricht. Schließlich wurde er in Dortmund mit Spielern wie Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz, die nicht unbedingt für die feine Klinge bekannt waren, Doublesieger.
Kommunikativ macht Klopp vieles anders
Klopp geht in vielen Dingen einen anderen Weg als sein Vorgänger. "Ich bin 25 Jahre im Geschäft, da war Julian noch 13", sagte Klopp über Nagelsmann. Das kann durchaus als versteckter Seitenhieb verstanden werden.
Auch in der Auswahl der Spieler macht Klopp fast alles anders als sein Vorgänger. Nagelsmann hatte Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger aufgeboten. Klopp sagte dazu: "In keinem Gespräch mit meinen Kollegen haben wir ihn als Rechtsverteidiger gesehen! Wir sehen ihn im Mittelfeld!"
Anschließend fügte er an, wie sich Philipp Treu oder Josha Vagnoman wohl gefühlt haben müssen, als im WM-Sommer die Debatte geführt wurde, dass es auf dieser Position keinen geeigneten Spieler gebe. Ein Ausrufezeichen in Richtung Nagelsmann!
Klopp will alle mitnehmen
Klopp ist auch kommunikativ top. Er bezieht alle mit ein. Im Verband waren die Mitarbeiter bereits vor einigen Tagen von seiner Vorstellung begeistert. Mit den Juniorentrainern ging er in Klausur. Bei den Vereinen sprach er sich vor Ort über mehrere Stunden hinweg auch mit Staff-Mitgliedern aus, um Eindrücke über mögliche DFB-Kandidaten zu gewinnen.
Klopp ist zudem in den Stadien zu sehen. Auch mit den Spielern suchte die Liverpool-Legende den direkten Austausch - per Telefon, Nachricht oder direktem Treffen.
Klar ist bei aller Aufbruchstimmung, die es nach einem Trainerwechsel häufig gibt, aber auch: Klopp braucht Ergebnisse.
Wohl auch deshalb setzt er bei der Auswahl der "ersten" Mannschaft, die im schwierigen Auftaktspiel in Amsterdam gegen die Niederlande antreten wird, auf erfahrene Stützen wie Rückkehrer Marc-André ter Stegen, Nico Schlotterbeck, Jonathan Tah, Kimmich, Felix Nmecha oder Kai Havertz.
Ein gewisses Risiko bleibt bei diesem XXL-Casting aber. Mit neuen Gesichtern und einem neuen Wir-Gefühl will der Bundestrainer die 83 Millionen hinter sich kriegen. Angst vorm Scheitern hat der mutige Kappenträger Klopp nicht…
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