Zwei Jahre nach Serie A-Aufstieg: Como schreibt Champions-League-Märchen
Como 1907 schreibt sein eigenes Märchen: Mit Trainer Cesc Fabregas qualifizierte sich der Verein für die Champions League - nur zwei Jahre nach dem Aufstieg in die Serie A - auch dank eines Deutschen.
17.07.2026 | 14:46 Uhr
Links ein Yacht-Club, rechts ein Wasser-Flugplatz und dazwischen: das Stadio Giuseppe Sinigaglia, die Heimat des Como 1907. Der Serie A-Verein schrieb in den vergangenen Jahren eine Cinderella-Story. Vor zwei Jahren noch in der Serie B gespielt, greift der Verein nun in der Champions League an.
Von Anja Wöhrer
Märchen-Fans dürfte die Geschichte von Cinderella - oder analog dem Weihnachtsklassiker "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" bestens bekannt sein: Mittels dreier magischer Haselnüsse erfüllt sich das arme Aschenbrödel drei Wünsche, kann so endlich auf den königlichen Ball gehen und heiratet schlussendlich den Traumprinzen. Auch die "Comorella"-Story hat ein Happy End: die Qualifikation für die Champions League. Die drei magischen Haselnüsse des italienischen Fußballvereins: Geld, defensive Stabilität und Traumprinz Fabregas.
Haselnuss Nr. 1: Geld
In der Saison 2023/24 spielte Como noch in der Serie B, kommende Saison geht es für das Team rund um Star-Trainer Cesc Fabregas in die Champions League. Mit dabei: der deutsche Ex-Bundesliga-Profi Marc Oliver Kempf. "Es ist ein Traum von jedem Fußballer, irgendwann mal in der Champions League auflaufen zu dürfen. Bei mir hat es jetzt ein paar Jahre gedauert, aber dementsprechend bin ich umso glücklicher, dass es dann doch Realität werden kann", so der 31-Jährige, der 2024 von Hertha BSC an den Comer See wechselte, exklusiv zu Sky Sport.
Den Traum von der Champions League machte das milliardenschwere indonesische Brüderpaar Robert Budi Hartono und Michael Bambang Hartono möglich. 2019 stiegen die beiden Tabak-Giganten ein - Como war mit einem Mal der reichste Klub Italiens. In der Saison 2018/19 spielte der Verein noch in der viertklassigen Serie D. Fünf Jahre später stieg der Club aus dem 83.000-Einwohner-Städtchen in die Serie A auf. Auch Fußball-Stars wie Thierry Henry oder Cesc Fabregas, der das Team mittlerweile als Cheftrainer übernommen hat, stiegen ein.
Laut Kempf ist Geld allein aber nicht alles: "Am Ende redet jeder immer über das Geld, das Como zur Verfügung hat, aber es haben viele Klubs schon viel Geld zur Verfügung gehabt, bei denen es am Ende nicht so funktioniert hat. Deswegen ist es immer ein Zusammenspiel, aus klugen Entscheidungen, klugen Investments in Infrastrukturen und der Kader-Zusammenstellung. Und da machen hier viele Leute sehr viel richtig."
Haselnuss Nr. 2: Defensive Stabilität
Der Verein besticht atmosphärisch durch seine atemberaubende Kulisse: Das kleine, aber feine Stadio Giuseppe Sinigaglia liegt direkt am Fuße des malerischen Comer Sees - zieht immer wieder Hollywood-Stars wie Hugh Grant oder Keira Knightley an. Fußballerisch punktet der Serie-A-Klub durch defensive Stabilität: In 38 Liga-Spielen kassierte Como lediglich 29 Gegentore. In Europas Top-5-Ligen ließ nur Premier-League-Meister Arsenal mit 27 Toren in 38 Spielen weniger zu. Bei Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain standen ebenfalls 29 Gegentreffer zu Buche - allerdings mit vier Liga-Spielen weniger als Como und die Gunners.
Für Defensiv-Anker Kempf eine Statistik, die stolz macht: "Der Fokus liegt natürlich immer erst auf der Offensive. Da ist es einfach mal schön, wenn man diese Anerkennung auch als Defensivspieler bekommt und so eine Bilanz am Ende hat. Das ist nicht selbstverständlich." Der ehemalige Freiburger ergänzt: "Du bist immer auf deine Mannschaft angewiesen, dass alle mitmachen. Dass alle in die gleiche Richtung gehen, dass alle nach einem Ballverlust hinterherjagen, alle verteidigen wollen und das zeigt sich natürlich dann auch in den Zahlen."
Haselnuss Nr. 3: Cesc Fabregas
Der Traumprinz der "Comorella"-Story: Trainer Fabregas. Mit Arsenal, Chelsea und Barcelona hat der heute 39-Jährige in seiner Spieler-Karriere fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Der spanische Weltmeister von 2010 wechselte 2022 als Spieler von Monaco nach Como. Er blieb dem Verein nach seinem Karriereende zunächst als U20-Trainer, später als Interims- und Co-Trainer treu und übernahm schließlich 2024 als Cheftrainer. Kempf schwärmt vom Spanier: "Er hat diese eigene Initiative, Erfolg zu haben, Erfolg vorzuleben und versucht uns damit auch immer wieder anzustecken und immer weiter nach vorne zu pushen, um einfach den maximalen Erfolg zu erreichen."
Das Team rund um Kempf und die offensive Prominenz in Gestalt von Alvaro Morata und Nico Paz steht hinter Fabregas. "Er ist sehr angenehm, natürlich hat er auch den Drang dazu, mal ein bisschen lauter zu werden oder mal ein wenig aggressiver zu werden in den Ansprachen, wenn es nicht so läuft, wie er sich das vorstellt", so der ehemalige VfB-Stuttgart-Kapitän Kempf. Grund dazu hatte Fabregas vergangene Saison kaum: Como beendete die Saison auf Rang vier, zwei Punkte hinter der drittplatzierten Roma.
Kempf erklärt wie der spanische Ballbesitz-Stratege so tickt: "Unser Training sieht eigentlich von Anfang bis Ende aus, dass wir den Ball dabei haben. Klar, das Aufwärmen dauert vielleicht mal fünf Minuten ohne Ball. Aber sonst kann ich mich nicht groß erinnern, dass wir mal keinen Ball dabei hatten. Das sieht man dann auch auf dem Feld, dass viel im Detail gearbeitet wird."
Como erstmals in der Champions League
Die drei magischen Haselnüsse haben Como geholfen, seine eigene Märchen-Geschichte zu schreiben. Und wie das eben in jedem guten Märchen so ist, wartet auf das glückliche Paar Prinzessin "Comorella" und Prinz Fabregas das Happy End - oder anders gesagt: die Königsklasse...
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