2. Bundesliga: Darmstadt 98 und das Fußballwunder 2.0
Glückliche Fügung: Darmstadts und das Fußballwunder 2.0
06.02.2022 | 15:34 Uhr
Darmstadt 98 ist in der 2. Bundesliga vor dem Spitzenspiel gegen den Hamburger SV am Sonntag auf Aufstiegskurs. Das hätte wohl vor einiger Zeit kaum jemand für möglich gehalten.
Es ist noch gar nicht so lange her, da standen die Lilien mit dem Rücken zur Wand: 6.8.2021 - Pokal-Aus beim Drittligisten 1860 München. Ein weiterer Tiefpunkt eines verpatzten Saisonstarts, verursacht nicht zuletzt durch unzählige Corona-Fälle. Schon in den ersten beiden Ligaspielen gegen Regensburg und Karlsruhe pfiffen die Hessen mit einer Rumpfmannschaft aus dem letzten Loch.
Erst drei Pflichtspiele und schon war die Krise da, obwohl niemand so wirklich was dafür konnte. Dazu die unterschwellige Angst, vielleicht nicht mehr aus der Negativspirale herauszukommen.
Befreiungsschlag gegen Ingolstadt
Kurz darauf, die Infizierten kehrten nach und nach zurück, folgte ein beeindruckender Befreiungsschlag in Form eines 6:1 gegen Ingolstadt mit der die Lilien-Erfolgsgeschichte ihren Lauf nehmen sollte. Für den sportlichen Leiter Carsten Wehlmann war dagegen schon das knappe Pokal-Aus bei den Sechzigern der Wendepunkt. Unterm Strich habe seine Mannschaft in einer schwierigen Situation ein starkes Spiel abgeliefert, sagte er Monate später. Das sei wichtig für die gesamte Gruppe gewesen.
Schon vor dem Corona-Wahnsinn zum Saisonstart war es für Wehlmann ein enorm schwerer Sommer. Ein Umbruch wider Willen: Dass Top-Torjäger Serdar Dursun den Verein verlassen würde, war klar. Führungsspieler Victor Palsson hätten sie jedoch auch gerne behalten, mussten ihn aber zu S04 ziehen lassen.
Anfang-Abgang
Doch spätestens nachdem Werder Bremen den Lilien Cheftrainer Markus Anfang ausgespannt hatte, musste Wehlmann einen richtigen Umbruch gestalten. Die Tragik dabei: Darmstadt 98 unter Markus Anfang hatte in den Monaten zuvor, nach holpriger Hinrunde, endlich versprochen, zu funktionieren.
Das scheinbare Auseinanderfallen war im Nachhinein glückliche Fügung: Ohne den Abgang von Anfang hätte es in Darmstadt keinen Torsten Lieberknecht gegeben. Ein Trainertyp, der auf den bodenständigen hessischen Verein passt wie Arsch auf Eimer. Der passionierte Musik-Liebhaber (Rock, Blues, Soul neben vielem anderen) ist stets authentisch, der Kontakt zu den Fans ist ihm enorm wichtig. Der pfälzische Dialekt, mit dem Hessischen verwandt, tut sein Übriges: Mit "Gude" als Begrüßung kommt man von Bad Dürkheim bis Darmstadt überall durch.
Sturm-Duo brilliert
Ähnliches Muster: Ohne den Abgang von Serdar Dursun hätte es kein Sturm-Duo Tietz/Pfeiffer in Darmstadt gegeben. Mit jeweils zwölf Buden bilden sie das Herz der besten Offensive der Liga.
Selbst die Corona-Katastrophe zu Beginn der Saison hatte was Gutes. Alle Beteiligten bestätigen unisono, dass diese Situation die Mannschaft so eng zusammengeschweißt habe, wie es ohne die Krise nicht möglich gewesen wäre.
Nicht selten wird man in schwierigen Momenten mit Lebensweisheiten konfrontiert, die besagen, dass sich mit jeder Tür, die sich schließt, neue Türen öffnen können. Oder dass Verluste oft auch neue Chancen bedeuten. Darmstadt 98 taugt durchaus als Beleg, dass da was dran sein könnte.
Stadion-Premiere in der Bundesliga?
Die Fertigstellung des Stadions ist übrigens nach etlichen Verzögerungen für den Herbst 2022 geplant. Ärgerlich, böte aber gleichzeitig die Chance auf eine Stadioneröffnung als Erstligist.
In einem völlig ausverkauften Stadion und ohne Corona-Beschränkungen. Zugegeben, das klingt aktuell sehr theoretisch, würde aber bei Darmstadt 98 sehr gut ins Bild passen.
Mehr zum Autor Alexander Bonengel
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