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Nach Trennung von Thierry Henry

AS Monaco holt alten neuen Trainer Leonardo Jardim

26.01.2019 | 07:49 Uhr

Zurück an alter Wirkungsstätte: Trainer Leonardo Jardim.
Image: Zurück an alter Wirkungsstätte: Trainer Leonardo Jardim. © Getty

Gestern hatte die AS Monaco die Zusammenarbeit mit Trainer Thierry Henry nach nicht einmal dreieinhalb Monaten beendet. Am Freitag präsentierte der Ligue-1-Club seinen Nachfolger, der gleichzeitig sein Vorgänger war: Leonardo Jardim.

Für Thierry Henry war nach nur 104 Tagen als Monaco-Trainer Schluss. Zwei Jahre nach dem Einzug ins Champions-League-Halbfinals steht der Klub vor einem Scherbenhaufen und verpflichtete ausgerechnet wiede Henry-Vorgänger Leonardo Jardim als Coach.

Das unwürdige Aus für "König Henry" passte ins Bild. Thierry Henry sei nicht etwa entlassen, sondern "suspendiert, bis eine Entscheidung gefallen ist", teilte der tief gefallene französische Vizemeister AS Monaco in knappen Worten mit. Ganz so, als ob der Weltmeister von 1998 noch eine Zukunft bei seinem Ex-Klub hätte.

Henry hatte da längst die Stadt verlassen, nach nur 104 Tagen auf dem Trainerstuhl. Kurioserweise verpflichteten die Monegassen nur wenige Stunden später Henrys Vorgänger Leonardo Jardim, der einen Vertrag bis 2021 erhielt. Der Portugiese hatte vor dreieinhalb Monaten seinen Stuhl geräumt.

Henry nur 104 Tage im Amt

Zuvor war auf den Klub reichlich Kritik eingeprasselt. Es sei "demütigend und respektlos, eine absolute Legende so zu behandeln", schrieb Englands Fußball-Ikone Gary Lineker bei Twitter: "Wenn ihr ihn feuern wollt, dann feuert ihn." Am Ende waren es wohl finanzielle Fragen, die zu der vorsichtigen Formulierung führten. Monaco droht eine Abfindungszahlung von bis zu acht Millionen Euro an Henry, dessen Vertrag bis 2021 läuft.

Dabei sollte gerade Monaco das nötige Kleingeld haben. Im Sommer 2018 war der einstige Serienmeister der erste Klub der Geschichte, der bei seinen Transfereinnahmen die 300-Millionen-Euro-Marke knackte. Allein für Jungstar Kylian Mbappe gab es aus Paris die noch fehlenden 135 Millionen, auch Thomas Lemar (70 Mio.), Fabinho (45 Mio.) und Kongolo (20 Mio.) spülten Geld in die Kasse. Das Problem: Alle Einnahmen halfen nicht dabei, eine funktionierende Mannschaft zu erstellen. Monaco, vor zwei Jahren noch Champions-League-Halbfinalist, steht auf dem vorletzten Tabellenplatz.

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Auch Henry konnte in seinen nur dreieinhalb Monaten die Talfahrt nicht stoppen. Mit der Mannschaft um die ehemaligen Bundesligaprofis Diego Benaglio und Benjamin Henrichs sowie den jüngst aus Schalke geholten Naldo verbuchte er ganze zwei Siege aus zwölf Ligaspielen. "Wie oft mag Henry den Drang verspürt haben, seine Shorts anzuziehen, um ein Spiel zu drehen?", schrieb die Zeitung Le Monde. Die L'Equipe titelte nach der Trennung schlicht: "Wie ein Orkan!"

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Viele Sorgen in Monaco

Dabei hat Henry auch Fehler gemacht. Beim jüngsten 1:5 gegen Racing Straßburg beleidigte er einen Spieler des Gegners auf unterstem Niveau. Als er am Donnerstag dann mehrere Spieler in die zweite Mannschaft verbannte, ohne seine Vorgesetzten zu informieren, hatte der Klub offenbar genug.

Für den ehemalige Weltklassestürmer war Monaco die erste Station seiner Trainerkarriere. Zuvor hatte er als Assistent der belgischen Nationalmannschaft gearbeitet und bei der WM in Russland Platz drei belegt. In Monaco hatte einst auch die Spielerkarriere des 41-Jährigen begonnen, die ihn später unter anderem zum FC Arsenal und zum FC Barcelona führte.

Ohnehin befindet sich Monaco in einer völlig verkorksten Saison. Klubpräsident Dmitri Rybolowlew wurde im vergangenen November in Zusammenhang mit einem Justizskandal vorübergehend in Gewahrsam genommen. Zudem geriet der Klub wegen angeblicher illegaler Handgeld-Zahlungen bei der Verpflichtung von Jugendspielern ins Zwielicht.

Henry selbst muss hoffen, nach seinem 104-Tage-Abenteuer nicht verbrannt zu sein. "Es stellt sich die Frage, wer bereit ist, ihm noch eine Chance zu geben", schrieb Le Monde. (sid)

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