Borussia Dortmund News: Erkenntnisse des BVB-Debüts von Rose
Die ersten drei Erkenntnisse des Rose-Debüts beim BVB
14.07.2021 | 18:31 Uhr
Borussia Dortmund hat sein erstes Testspiel in der Vorbereitung zur Saison 2021/22 ohne Glanz mit 2:0 gegen den Regionalligisten FC Gießen für sich entschieden. Viele Stars standen dem neuen Coach Marco Rose noch nicht zur Verfügung, einige Erkenntnisse lieferte das Spiel aber dennoch.
Knapp zwei Wochen ist Marco Rose nun bei Borussia Dortmund im Amt. Nach zahlreichen harten Trainingstagen stand nun endlich der erste Test an - und das sogar vor Zuschauern. "Es fühlt sich ein bisschen wie Normalität an", freute sich Sebastian Kehl bereits vor Spielbeginn am Sky Mikro über die Unterstützung von den Rängen. Rose selbst sprach nach dem 2:0-Sieg gegen den Regionalligisten FC Gießen davon, dass das die "beste Nachricht heute" war.
"Ein schöner Fußballplatz, ein kleines Fußballstadion, Bratwurstgeruch und die Leute können Bierchen trinken und Fußball schauen. Das haben wir lange vermisst und deshalb ist das ein guter Tag für den Fußball", so der neue Coach zufrieden.
Einige Stars dabei
Zufrieden waren wohl auch die rund 3700 Fans in Gießen, denn sie bekamen zumindest in den ersten 45 Minuten einige Stars zu sehen. Mit Kapitän Marco Reus, Mo Dahoud, Julian Brandt und Nico Schulz stellte Rose immerhin vier deutsche (Ex-)Nationalspieler in die Startformation. Im Tor stand mit Marwin Hitz, dem Stammgoalie der vergangenen Saison, zudem ein ehemaliger Internationaler der Schweiz.
Auch Rechtsverteidiger Felix Passlack, Flügelspieler Ansgar Knauff und Stoßstürmer Steffen Tigges sammelten bereits Bundesliga-Erfahrung. Die jungen Innenverteidiger Nnamdi Collins, Albin Taqi und Spielmacher Göktan Gürpüz komplettierten die erste Elf, die in der zweiten Halbzeit komplett von der U23 des BVB abgelöst wurde.
Auch wenn die Mannschaft so in der Bundesliga wohl nie zusammenspielen wird, brachte der Test einige interessante Erkenntnisse.
1. Die Rolle von Julian Brandt
Rose ließ sein Team in den ersten 45 Minuten im 4-3-3 auflaufen, dass im Ballbesitz auch zum 4-2-3-1 werden konnte. Interessant war dabei die Positionierung von Julian Brandt. Der Ex-Nationalspieler soll nach einer enttäuschenden Vorsaison unter Rose eine neue Chance erhalten und konnte sich gegen Gießen auch präsentieren. Rose setzte den 25-Jährigen dabei aber nicht auf dem Flügel und auch nicht auf der Zehnerposition ein.
Brandt übernahm stattdessen den etwas offensiven Part der Doppel-Sechs neben dem spielfreudigen Dahoud. Dies ist zumindest interessant, da die Konkurrenz auf dieser Position mit Jude Bellingham, Emre Can, Axel Witsel, Thomas Delaney oder eben Dahoud deutlich größer ist als auf der Zehn, wo im Grunde nur noch Giovanni Reyna und Marco Reus eine Option darstellen.
Brandt spielte unauffällig, hatte aber zwei gute Momente, die auch jeweils zu Toren führten. Das 1:0 durch Knauff bereitete er direkt vor, den Treffer zum Endstand durch Tigges leitete er mit einem verzögerten Doppelpass mit Dahoud zumindest ein. Es wird dennoch spannend sein zu sehen, ob Rose Brandt auch beim Schauinsland Cup der Traditionen in Duisburg gegen den MSV und den VfL Bochum (alles live auf Sky Sport News) so einsetzen wird.
2. Mo Dahoud schon in Form
Rose war nach dem Test insgesamt sehr zufrieden, wie er im Gespräch mit Sky Reporter Jesco von Eichmann erklärte: "Kompliment an meine Mannschaft, die bisher mit zehn oder elf Spielern jeden Tag im Training außergewöhnlich hart arbeitet", lobte der Coach. Und weiter: "Auch heute früh haben wir nochmal trainiert und die Jungs haben in der ersten Halbzeit sehr sehr viel investiert, wie auch die Laufdaten zeigen." Diese Strapazen waren einigen Spielern tatsächlich anzumerken, Dahoud gehörte nicht dazu.
Der 25-Jährige spielte sich in der vergangenen Rückrunde unter Edin Terzic fest und sprühte auch im ersten Test bereits wieder vor Spielfreude. Der Deutsch-Syrer war Dreh- und Angelpunkt des Dortmunder Spiels, baute immer wieder ruhig auf und verschärfte dann mit präzisen langen Diagonalbällen im richtigen Moment das Tempo. Dahoud steht vor einer wichtigen Saison in Dortmund.
Zum Durchklicken: Die Vertragslaufzeiten der BVB-Stars
Sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus und die Konkurrenz auf seiner Position ist - wie oben beschrieben - sehr groß. Wenn Dahoud aber seine Form unter Terzic auch unter Rose konservieren kann, ist er definitiv ein Kandidat für einen neuen Vertrag. Der Auftakt gegen Gießen war vielversprechend, auch wenn der Gegner natürlich nicht auf BVB-Niveau ist.
3. Einige Rose-Elemente waren zu sehen - andere (noch) nicht
Niemand wird das Spiel gegen einen Viertligisten überbewerten, aber Rose wollte sicherlich auch gegen Gießen gerne schon einige Elemente von dem sehen, was seine Teams in Salzburg und Mönchengladbach ausgezeichnet hat. Dies gelang bei der Positionierung der beiden Außenverteidiger Passlack und Schulz beispielsweise sehr gut. Beide standen bei eigenem Ballbesitz extrem hoch und sorgten so häufig für Überzahlsituationen auf beiden Flügeln.
Dass die Dortmunder in diesen Szenen nicht mehr Kapital schlagen konnten, kann wohl den harten Trainingseinheiten im Vorfeld zugeschrieben werden, denn Unkonzentriertheiten sorgten immer wieder für leichte Ballverluste und erstickten mögliche Chancen bereits im Keim.
Diese hohe Belastung war wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass von dem hohen Pressing, das Rose-Mannschaften normalerweise auszeichnet, gegen Gießen fast nichts zu sehen war. Die Dortmunder schienen oft den berühmten Schritt zu spät zu kommen, so dass sich die Gastgeber meistens spielerisch befreien konnten.
Grund zur Sorge ist das natürlich noch nicht, denn die Feinheiten des gezielten Attackierens wird Rose seinem Team wohl ohnehin erst näher bringen, wenn das Team vollständig ist.
Fazit: Guter Start mit Luft nach oben
Was bleibt also nach dem erfolgreichen Rose-Debüt? Ein letztlich souveräner Sieg, aber auch genügend Anschauungsmaterial für die Spieler, was noch zu verbessern ist. Rose erwähnte beispielsweise eine Szene kurz vor dem 1:0, als Gießen plötzlich mit drei Angreifern gegen nur zwei Dortmunder Verteidiger auf das Tor vom beschäftigungslosen Hitz zuliefen. Solche Situationen gilt es gegen höherklassige Gegner natürlich partout zu vermeiden.
Personell wird bei den nächsten Tests sich nicht viel verändern, einzig die neue Nummer eins Gregor Kobel könnte zum Einsatz kommen, wie Rose erklärte. Eine endgültige Entscheidung wird in den kommenden Tagen gefällt werden.