Borussia Mönchengladbach: Jonas Hofmann im Sky Sport Interview
Hofmann-Interview vor BVB-Knaller: "Wahnsinn, was Haaland leistet"
06.03.2020 | 16:07 Uhr
Jonas Hofmann spricht vor dem Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem BVB (am Samstag ab 17:30 Uhr LIVE auf Sky Sport 1 HD) im Sky Interview über das spannende Duell, Erling Haaland und die Debatte um mögliche Spielabbrüche.
Sky Sport: Wer ist im Moment die beste deutsche Mannschaft?
Jonas Hofmann: "Im Moment ist das schon der FC Bayern, weil sie gerade an der Tabellenspitze stehen und sehr sicher und souverän in ihren Spielen wirken."
Sky Sport: Das heißt, Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund sind beide in der Verfolgerrolle?
Hofmann: "Nicht nur wir. Auch Leverkusen und Leipzig darf man da nicht rausnehmen. Ich denke schon, dass diese fünf Vereine sich alle ein wenig absetzen von den anderen. Zumindest, wenn man sich die Tabelle anschaut."
Sky Sport: Max Eberl hat bei Sky90 erklärt: "Wir haben Lust auf mehr!" Wie viel Lust auf mehr haben Sie?
Hofmann: "Ich habe extrem viel Lust! Ich glaube, solche Siege wie am Wochenende gegen Augsburg, wo wir endlich den Haken hinter machen konnten, dort gewonnen zu haben, zeigt das. Die Mannschaft ist sehr, sehr gierig auf Erfolg. Wir wollen etwas Großes erreichen und mit Borussia Mönchengladbach wieder international zu spielen, wäre schon etwas Besonderes."
Sky Sport: Was ist der Unterschied in dieser Saison? Sind es diese engen Spiele, die jetzt auch mal gewonnen werden?
Hofmann: "Klar, aber nicht nur das. Mit den Neuzugängen im Sommer haben wir uns weiterentwickelt und sind auch als Mannschaft noch näher zusammengerückt. Auch fußballerisch. Wir spielen einen imposanten Fußball dieses Jahr, der zum Glück sehr schnell erfolgreich geworden ist. Das zeichnet uns dieses Jahr aus."
Sky Sport: Was wird das also für ein Fußballspiel gegen Borussia Dortmund? Ein Verfolgerduell oder vielleicht doch noch einmal ein Vorstoß nach ganz oben?
Hofmann: "In erster Linie wird es ein ganz brisantes Duell. Es treffen zwei spielstarke Mannschaften aufeinander, die beide wirklich Fußball spielen wollen. Beide wollen die drei Punkte unbedingt behalten. Dementsprechend gespannt bin ich selber auch und hoffe, dass wir endlich mal wieder gegen den BVB gewinnen können."
Sky Sport: Gibt es bei dem Spiel einen Favoriten?
Hofmann: "Ich denke schon, dass der BVB Favorit ist. Auch wenn wir zu Hause spielen und da schon seit längerem ungeschlagen sind."
Sky Sport: Sie haben selbst für den BVB gespielt. Gibt es noch Verbindungen zum Verein oder Personen dort?
Hofmann: "Mit der Zeit reißt natürlich der ein oder andere Kontakt ab. Es finden Wechsel innerhalb der Vereine statt und dementsprechend verliert sich das auch ein wenig. Aber es gibt noch Kontakt zum ein oder anderen Spieler und zu Leuten vom Staff, auch Freundschaften."
Sky Sport: Wie wird hier in Gladbach das Phänomen Haaland wahrgenommen?
Hofmann: "Es ist natürlich Wahnsinn, was der Junge in seinem Alter schon leistet, um solche Rekorde aufzustellen. Es ist beeindruckend, mit welcher Dynamik er spielt und was für eine Torgefahr er ausstrahlt. Da muss man einfach sagen, dass Dortmund einen extrem guten Spieler verpflichtet hat."
Sky Sport: Kann Haaland ein Weltstar werden? Oder ist es noch viel zu früh, das einzuschätzen?
Hofmann: "Dass er das Talent und Potenzial dazu hat, sieht glaube ich jeder. Natürlich gehört noch eine ganze Menge dazu, ein Weltstar zu werden. Ich gönne es ihm aber und freue mich, wenn er es wird - aber am Samstag soll er das Mal kurz bei Seite legen."
Sky Sport: Wie sehen sie die Entwicklung bei Borussia Dortmund insgesamt, wenn sie das mal mit Mönchengladbach vergleichen? Lucien Favre ist ja jetzt Trainer beim BVB. Erkennen sie da auch ein wenig Gladbach im Spiel der Dortmunder wieder?
Hofmann: "Man sieht schon Teile, die er damals auch in Gladbach eingebracht hat. Viel Ballbesitz-Fußball zum Beispiel. Ich selbst war unter Favre nicht hier, aber das ein oder andere Detail erkennt man dann doch. Ich glaube, der BVB hat vor allem in den Jahren nach den Meisterschaften 2011 und 2012 gehofft hat, den Bayern mehr Paroli bieten zu können und nicht so lange auf eine Meisterschaft warten zu müssen. Aber die Bayern haben es auch einfach sehr gut gemacht in den ganzen letzten Jahren. Das interessiert mich aber eher weniger. Mich interessiert, was wir mit Borussia leisten."
Sky Sport: Dann sprechen wir über das, was Sie leisten. Was macht Sie in dieser Saison so stark?
Hofmann: "Man darf da nie einzelne herausnehmen. Das ist die Arbeit von der gesamten Mannschaft und allen, die dazu gehören. Ich nehme als Beispiel das Spiel in Leipzig. Da haben wir als Mannschaft extrem gut funktioniert und das färbt dann auch auf Einzelne ab. Deshalb würde ich nie von mir alleine behaupten, dass ich das Gesicht des Erfolgs bin. Wir machen es als Mannschaft einfach extrem gut."
Sky Sport: Sie haben in dieser Saison schon einige Positionen bespielt. Zuletzt waren Sie gut auf der Zehn unterwegs. Was ist Ihre ideale Position?
Hofmann: "Das ist ganz unterschiedlich. Man muss vorher auch schauen, gegen wen man spielt und wie man da die Fähigkeiten jedes Spielers perfekt einsetzen kann. Das bekommen wir derzeit ganz gut hin, uns auf den Gegner einzustellen. Welches System könnte passen, welcher Spieler passt wie gut in welche Formation? Da sind wir glücklich, dass wir es gerade gut hinkriegen."
Sky Sport: Wenn es weiter so gut für Sie läuft, ist dann auch die Nationalmannschaft ein Thema?
Hofmann: "Darüber mache ich mir ehrlich gesagt gar keine Gedanken. Wie gesagt: Wenn die Mannschaft Erfolg hat, hat auch der Einzelne Erfolg. Das ist ein Traum für jeden Spieler, mal für sein Land zu spielen, aber ich beschäftige mich da wenig mit."
Sky Sport: Wir haben ja schon über die Tabellensituation gesprochen - wer ist denn Ihr persönlicher Meisterschaftsfavorit?
Hofmann: "Da kann man schon zwei, drei Mannschaften nennen. Dadurch, dass es dieses Jahr so spannend ist und fünf Mannschaften nahe beieinander stehen, gibt es keinen klaren Favoriten. Bayern hat jetzt gerade einen Vorteil, mit drei Punkten Vorsprung vor Leipzig und das bessere Torverhältnis - aber die Fans wollen ja auch, dass es spannend bleibt und das will ich auch."
Sky Sport: Es wurde zuletzt viel über die Fan-Aktionen diskutiert. Es gab ja auch in Gladbach eine, zu der sich der Verein mit einem klaren Statement geäußert hat. Wie haben Sie selbst das ganze am Wochenende wahrgenommen?
Hofmann: "Das ist jetzt ein sehr, sehr großes Thema geworden. Dass es auch in Spielen, wo Hoffenheim und Herr Hopp nicht involviert sind, trotzdem so zu Werke geht, erschüttert einen. Wir haben es selber auf dem Platz erlebt, es war traurig. Eine Stunde vorher wird noch eine Schweigeminute abgehalten und danach passiert sowas. Da fragt sich glaube ich jeder mit einem gesunden Menschenverstand, was sich solche Leute dabei denken. Wir sprechen oft darüber, dass wir Vorbilder sein und über den Tellerrand schauen müssen. Ich glaube, da ist Dietmar Hopp ein gutes Beispiel für. Der Mann hat seitdem seine Stiftung 1995 ins Leben gerufen wurde, über 600 Millionen Euro zur Verfügung gestellt - da muss man den Hut vor ziehen."
Sky Sport: Es gibt vom Verein die klare Ansage, dass die Spieler den Platz verlassen, wenn so etwas passiert. Wie stehen Sie dazu und gehen als jemand, der Fußball spielen will, damit um?
Hofmann: "Das ist ein heikles Thema. Ob es der richtige Weg ist, den Platz zu verlassen, und damit den Spielabbruch zu erzeugen, weil ein paar Leute ein Plakat hochhalten? Natürlich ist das schlimm, aber soll man den paar Menschen diese Macht und Plattform geben, ein Spiel zum Abbruch zu bringen? Es steht außer Frage, dass man etwas dagegen tun muss. Bei uns werden sich Trainer, Manager und Kapitän absprechen und den beschlossenen Weg werden wir dann gemeinsam gehen."
Sky Sport: Was erwarten oder erhoffen Sie sich am Wochenende?
Hofmann: "Ich hoffe natürlich, dass das Fußballspiel im Vordergrund steht. Das sollte einfach so sein. Ich hoffe, dass wir unterstützt werden von den Rängen. Insbesondere bezüglich dieses Themas. Und dass die Mannschaft angefeuert wird und wir so auch gemeinsam Dortmund schlagen."
Das Interview führte Christopher Lymberopoulus.