"Schneckenrennen": Eberl bei Transfers zum Reagieren gezwungen
27.07.2021 | 18:48 Uhr
Bei vielen Top-Teams überschlagen sich die Transfermeldungen. Bei Borussia Mönchengladbach herrscht weitestgehend Funkstille. Woran liegt das?
Max Eberl hat momentan eine sehr undankbare Aufgabe. Der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach muss einen konkurrenzfähigen Kader für die kommende Saison zusammenstellen und ist dabei nur bedingt handlungsfähig.
Knapp zweieinhalb Wochen vor dem Saisonauftakt gegen den FC Bayern kann der 47-Jährige nur sehr vage Wasserstandsmeldungen an den neuen Trainer Adi Hütter weitergeben, was dessen Personal angeht.
Rund um die Fohlen gibt es viele Gerüchte, aber wenig Konkretes zu vermelden. "Das ist momentan ein Schneckenrennen. Es gibt Vereine, die Interesse an unseren Spielern haben, genauso bereiten wir Themen vor, wenn uns jemand verlassen sollte", erklärte Sportdirektor Max Eberl im Rahmen einer Medienrunde zum Ende des Trainingslagers in Marienfeld.
Eberl wäre wohl schon gerne viel weiter mit der Kaderplanung, doch ihm sind die Hände gebunden. Gladbach hat den Europapokal in der letzten Saison verpasst. Diese Einnahmen fehlen und auch die Verluste der Corona-Zeit gehen an den Fohlen nicht spurlos vorbei. "Bayer (Leverkusen) hat in der Corona-Zeit gerade 20, 25 Millionen Euro - ich weiß es nicht - für einen Top-Mann ausgegeben. Das können wir nicht", verdeutlicht der Sportdirektor die Lage seines Klubs.
"Es gibt unfassbar viele Konstellationen, die sich darstellen könnten", meint Eberl. Diese Konstellationen greifen aber wohl nur dann, wenn sich auf der Abgangsseite etwas tut. Gerüchte um potenzielle Verkäufe gibt es en masse - wie zum Beispiel um Alassane Plea.
Der Stürmer, der sich im Testspiel gegen den FC Metz eine Kapselverletzung im Knie rechten zuzog und damit "bis auf Weiteres" ausfällt, soll laut L'Equipe von der Borussia auf den Markt gebracht worden sein, um die Transfers von Faitout Maouassa (Linksverteidiger von Stade Rennes) und Romain Faivre (Mittelfeldspieler von Stade Brest) zu finanzieren.
Sky Sport berichtete bereits vor rund anderthalb Wochen über das Interesse von Gladbach an Maouassa. Man hat sich ausgetauscht, verhandelt und ist sich grundsätzlich einig. Allerdings hängt diese Personalie an Ramy Bensebaini, der die Linksverteidigerposition aktuell bekleidet. Dieser wurde zuletzt vom AS Rom umworben. Maouassa würde somit wohl nur kommen, wenn Bensebaini geht, denn für den 23-Jährigen müsste Gladbach wohl eine zweistellige Millionensumme an Rennes überweisen.
Auch über das Interesse an Faivre hatte Sky Sport bereits berichtet. Mit Khvicha Kvaratskhelia von Rubin Kasan hat Gladbach neben Faivre noch einen weiteren Flügelstürmer im Visier, für den Fall, dass es in der Offensive zu Abgängen kommt. Womöglich schnappt sich Eberl einen dieser beiden Offensivspieler, wenn Plea für Summe X gehen sollte.
Der Stürmer hat noch bis 2023 Vertrag, wodurch Gladbach nicht zum Verkauf gezwungen ist. Anders sieht die Situation bei Matthias Ginter - zuletzt unter anderem mit spanischen Top-Klubs in Verbindung gebracht - und Denis Zakaria aus. Der Kontrakt der beiden Spieler läuft 2022 aus. Die Borussia könnte somit nur noch in diesem Sommer- oder im kommenden Wintertransferfenster eine Ablöse kassieren. Ansonsten droht das Modell David Alaba. Beide könnten ablösefrei gehen.
"Mit Matze würden wir gerne verlängern, aber vielleicht haben wir auch nicht die finanziellen Möglichkeiten, um einem Spieler wie ihm gerecht zu werden. Auch darüber wurde schon gesprochen. Matze kommt jetzt erst einmal aus dem Urlaub zurück. Dann wird man sich in Ruhe zusammensetzen und ausloten, was man tun kann, wir als Verein und er als Spieler. Anschließend schauen wir, wie es weitergeht", kommentierte Eberl die Personalie Ginter.
In der Causa Zakaria äußert sich der Sportdirektor ebenfalls recht deutlich. "Bei Denis haben wir seit Oktober versucht, mit ihm zu verlängern. Denis und sein Management haben uns relativ klar gesagt, dass sie in diesem Sommer einen Transfer favorisieren, wenn sich etwas ergibt. Warten wir ab, was passiert."
Die Verhandlungen mit interessierten Klubs könnten allerdings davon erschwert werden, dass sich Zakaria aufgrund einer Coronainfektion aktuell in Quarantäne befindet. Das hatte der Klub am Montag mitgeteilt.
Gerüchte gab es zudem auch zuletzt um Marcus Thuram, der laut L'Equipe ein Kandidat bei Borussia Dortmund sein soll. Die Chancen, dass Marco Rose seinen einstigen Schützling zum BVB lotst, sind durch den sich anbahnenden Transfer von Donyell Malen aber wohl äußerst gering.
Klar ist: Der Klub von Niederrhein ist auf Verkäufe angewiesen, um selbst auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Von einem Ausverkauf bei seiner Borussia will Eberl aber nichts wissen. "Wenn wir Spieler abgeben, dann im kleinen Rahmen. Und wenn nicht, haben wir auch wieder einen starken Kader zur Verfügung. Wir müssen gute Entscheidungen treffen für unseren sportlichen Erfolg, aber immer auch unter Berücksichtigung der Corona-Zeit."
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