BVB News: Sancho-Ersatz Reyna und uneigennütziger Haaland

Dank ganz neuer Qualitäten: Starker BVB wieder in der Spur

Nach den jüngsten Niederlagen in Augsburg und im Supercup bei den Bayern hat der BVB sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Der 4:0-Sieg gegen den SC Freiburg liefert einige interessante Erkenntnisse.

Der Druck war vor der Partie spürbar. Nach bitteren Pleiten beim FCA in der Liga und die Münchner unter der Woche im Prestigeduell wäre der schwarz-gelbe Fehlstart mit einer weiteren Niederlage gegen Freiburg perfekt gewesen. Doch die Dortmunder hielten dem Druck stand und gaben sich keine Blöße. Im Gegenteil.

Feingeister zeigen Körpereinsatz

Trotz aggressivstem Pressing der Breisgauer ließen sich die Borussen nicht beirren und hielten voll dagegen. Die oft wiederkehrende Mentalitätsfrage muss sich nach dieser Vorstellung am Samstag erstmal niemand stellen. Nach der Partie zog sogar Freiburg-Coach Streich seinen Hut vor dem Engagement der Westfalen, die sonst eher durch feine Technik, denn körperliche Präsenz zu überzeugen wissen.

Sein Gegenüber erfreute sich dagegen am Spiel seiner Mannschaft: "In den ersten 20 Minuten waren die Freiburger sehr aggressiv und haben gut gepresst. Sie sind physisch sehr stark. Wenn sie sagen, wir waren in dem Punkt besser, dann haben wir es gut gemacht", so BVB-Trainer Lucien Favre über die Anerkennung am Sky Mikrofon. Stolze 64 Prozent der Zweikämpfe entschied das Team aus dem Pott für sich. Alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

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Reyna zaubert und bringt den Spaß zurück

Gegen die defensiv-cleveren Augsburger herrschte in der Vorwoche noch die schiere Chancenarmut. Bei den bayrischen Schwaben fiel der Favre-Elf kaum etwas im Spiel nach vorne ein. Es mangelte an Kreativität und Esprit. Die Nachricht, dass Jadon Sancho gegen Freiburg fehlen würde, kam entsprechend ungelegen.

Doch der Ausfall des Ausnahme-Künstlers fiel nicht schwer ins Gewicht. Ein anderer Youngster füllte die Fußstapfen des Engländers voll umfänglich aus. Giovanni Reyna war an beinahe jedem Angriff der Borussen beteiligt und bereitete das 1:0, 2:0 und das 3:0 vor. Mit zwei scharfen Pässen, dabei einem nach starkem Solo, sowie einem perfekten Standard, ließ der 17-jährige US-Amerikaner keine Wünsche offen.

Gerade der präzise Eckball dürfte den Dortmundern, die seit Jahren mit ihrer Schwäche bei ruhenden Bällen kämpfen, gefallen haben. "Er muss einfach so weiterarbeiten. Ehrgeizig bleiben", meinte Coach Favre, der trotz der nächsten Top-Leistung vor zu hohen Erwartungen warnte: "Natürlich muss man bei einem 17-Jährigen aufpassen und darf ihn nicht verbrennen."

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BVB-Trainer Lucien Favre hat auf der Pressekonferenz nach dem 4:0 gegen Freiburg über Giovanni Reyna gesprochen (Dauer: 56 Sekunden).

Haaland erst eiskalt, dann überraschend uneigennützig

Ein weiterer Youngster der ganz groß aufspielte: Erling Haaland. Der 20 Jahre alte Norweger stellte einmal mehr seine Knipser-Qualitäten unter Beweis. Mit seinen Bundesliga-Treffern 16 und 17 im erst 18. Spiel stellte der Stürmer die Weichen auf Sieg. Angesprochen auf diese Tor-Quote antwortete Haaland nach der Partie bei Sky gewohnt trocken: "Nicht schlecht. Könnten mehr sein, aber nicht schlecht."

Nicht schlecht war auch der vierte Treffer der Dortmunder. Haaland sprintete ohne Hindernisse vor sich allein auf Keeper Florian Müller zu. Entgegen seines Torjäger-Gens entschied sich der Angreifer nicht zum Abschluss. Der 20-Jährige legte auf den mitlaufenden Felix Passlack quer, der dann keine Mühe mehr hatte, den Ball über die Linie zu drücken.

"Er war in einer besseren Position. Dann finde ich das normal", kommentierte Haaland selbst die Aktion. Für Trainer Favre eine Szene, die alles andere als "normal" ist. Der Schweizer: "Daran sieht man seinen Charakter. Er wollte und konnte schießen, aber nur weil er es nicht macht, war es ein so schönes Tor."

Passlack ist mehr als ein One-Hit-Wonder

Der Torschütze zum 4:0-Endstand steht in dieser Saison nicht zum ersten Mal im Fokus. Eigentlich aussortiert, musste der gelernte Rechtsverteidiger Passlack schon am 1. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach einspringen und hinterließ Eindruck. Nach guten Trainingseinheiten ist der 22-Jährige plötzlich wieder eine ernste Option für Favre.

Als Dortmunder Jung, der alle Stationen der Jugend durchlief, gibt der Defensiv-Mann alles für den Verein. Sein Sprint in der Schlussphase nach vorne und die aufopfernde Vorlage durch Haaland auf ihn zeigen: Passlack ist Teil des Teams. Sollte kein Top-Angebot mehr reinfliegen, dürfte der ehemalige Junioren-Nationalspieler in dieser Saison noch öfter in schwarz und gelb auflaufen.

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Reus ist noch nicht bei 100 Prozent

Unter all den glänzenden Offensiv-Waffen fehlte ein großer Name im Nachklang des Spiels. Kapitän Marco Reus ging in der 70. Minute ohne Torbeteiligung vom Platz. Unabhängig davon waren die Bewegungen des 31-Jährigen, gerade gegen Ende seines Einsatzes, noch nicht alle rund.

"Es war vorher schon abgesprochen: Einfach so lange alles raushauen, wie es geht", erklärte Reus zu seiner Auswechslung. Durch regelmäßige Einsätze, ob über 90 Minuten oder weniger, hofft der Spielmacher wieder zu alter Stärke zurückzufinden: "Es war gut für mich, heute wieder auf dem Platz zu stehen und ein wenig Rhythmus zu kriegen. Es macht aber keinen Sinn, schon am Anfang der Saison über den roten Bereich hinauszugehen."

Hartes Programm? Form konservieren, sinnvoll rotieren

Dass noch nicht alle BVB-Profis ans Limit gehen können, ist dem Trainer bewusst. Der hat allerdings ein klares Ziel vor Augen: "Bis Ende Oktober sollen alle bei 100 Prozent sein. Wir haben noch verletzte Spieler und hoffen, dass sie schnell zurückkommen."

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Lucien Favre hofft, dass alle BVB-Spieler bis Ende Oktober fit sind (Dauer: 1:21 Min.).

Wie wichtig ein gut aufgestelltes Team ist, werden die Dortmunder wohl noch zu spüren bekommen. Nach der Länderspielpause stehen durch die Champions League gleich sechs Pflichtspiele in 18 Tagen für die Borussen auf dem Plan. Hält die Favre-Elf an den neuen Tugenden fest und rotiert in gesundem Maß, könnte nach dem Stolper-Start allerdings noch eine große Saison auf den BVB warten.

Mehr zum Autor Lars Pricken