DFB-Team News: Nationalelf mit Flick zurück auf WM-Kurs
Flick-Elf klar auf WM-Kurs, aber eine wichtige Erkenntnis fehlt noch
09.09.2021 | 23:09 Uhr
Die DFB-Elf überzeugte in der abgelaufenen Länderspielperiode und nimmt Kurs auf die WM 2022. Flick sieht aber noch Verbesserungspotenzial.
"Safety first", twitterte die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstagmorgen. Die DFB-Entourage musste nach dem Länderspiel-Sieg gegen Island auf der Rückreise aus Sicherheitsgründen einen Zwischenstopp in Edinburgh einlegen. "Uns geht's gut", hieß es kurze Zeit nach der Landung. Einige Stunden mussten die Spieler auf dem schottischen Flughafen verweilen, bis die Spieler sich auf den Weg zurück zu ihren Vereinen machen konnten.
Die DFB-Noten gegen Island zum Durchklicken
Nicht nur bei der Rückreise konnte die Nationalmannschaft Entwarnung geben. Auch in Sachen der WM-Qualifikation tat die Mannschaft des neuen Bundestrainers Hansi Flick einiges, um die Turbulenzen unter Joachim Löw schleunigst in den Griff zu bekommen.
Die Euphorie kehrt langsam zurück
Nach drei Spielen, neun Punkten und 12:0 Toren ist die Nationalmannschaft von Platz drei und drei Punkten Rückstand auf Armenien auf Platz eins mit vier Punkten Vorsprung geklettert. Um in der Luftfahrtsprache zu bleiben: Pilot Hansi Flick hat den DFB-Flieger wieder auf Kurs gebracht. Nach leichten Startschwierigkeiten gegen Liechtenstein folgten ein schneller Flug gegen Armenien und eine solide Landung gegen Island.
Die Euphorie kehrt langsam zurück. Die Fans sangen am Sonntag beim 6:0-Sieg gegen Armenien schon wieder "Oh, wie ist das schön, sowas hat man lange nicht gesehen". Hansi Flicks Rückkehr zur Nationalmannschaft ist vorerst geglückt. "Die Mannschaft hat die Idee, wie wir spielen wollen, hervorragend interpretiert und versucht, den Gegner immer wieder unter Druck zu setzen", resümierte Flick nach dem Island-Spiel. "Alle haben eine sehr gute Visitenkarte abgegeben - auch die, die nicht gespielt haben und enttäuscht sind. Wir sind sehr, sehr happy mit der Entwicklung, die wir genommen haben."
Flick schafft direkt eine Aufbruchstimmung
Flick hat neuen Wind durch die Mannschaft wehen lassen. Die bis vor kurzem noch komplett verunsicherte Mannschaft ist dabei, sich wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Das gelingt ihnen durch souveräne und teils attraktive Spiele. Der Ex-Bayern-Coach brauchte nicht lange, um sich in das Team hineinzufinden. Mit seiner kommunikativen Art schaffte Flick eine Aufbruchstimmung. Dass er Tempo-Fußball spielen lassen will, gefällt seinen Spielern, mit denen er auch abseits der Länderspielpausen regen Kontakt hält.
"Hansi Flick hat eine ganze Reihe von Veränderungen eingeführt", analysiert Sky Reporter Uli Köhler die Entwicklung des DFB-Teams. "Das ging bei der Mentalität los." Flick vermittle den Spielern das Gefühl, dass sie selbst dann Nationalspieler seien, wenn sie mal nicht nominiert werden. Zudem fordere Flick immer das Pressing und drehte an einigen spielerischen und taktischen Stellschrauben.
Sonderlob und Standard-Erfolg
Dass die Defensive bis auf wenige Wackler die Null halten konnte, freut Flick: "Damit bin ich sehr zufrieden. Dass die Null steht, ist immer wichtig. Die Mannschaft muss einfach die Gier haben, das Tor zu verteidigen, das macht sie als Einheit relativ früh, da sind die Abläufe gut, ich muss ihr ein Kompliment machen."
Er lobte damit nicht nur Niklas Süle und Antonio Rüdiger. Er hob noch einen weiteren Spieler hervor: "Ich kann auch mal einen herausheben, der alle drei Spiele durchgespielt hat, das mache ich gerne: Thilo Kehrer. Er ist flexibel einsetzbar, topfit, sehr selbstbewusst."
Und dann wären da noch die Standardsituationen, für die sich Flick extra einen Spezialisten ins Team geholt hat. Mads Buttgereit soll das ewige Thema der Standardprobleme bei der deutschen Nationalmannschaft angehen. Seine Arbeit trug beim 2:0 durch Rüdiger Kopfball nach einem Kimmich-Freistoß erste Früchte. Flick war dementsprechend stolz: "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht so gewollt war."
Es ist nicht alles perfekt
Es ist aber noch nicht alles perfekt. Die Spiele gegen Liechtenstein (Nr. 189 der Welt), Armenien (88.) und Island (53.) waren Pflichtaufgaben für Deutschland. Alles andere als neun Punkte wäre eine Überraschung gewesen. Gerade die Partien gegen Liechtenstein und Island zeigten, dass die DFB-Elf trotz der drei Weißen Westen auch hinten nicht richtig eingespielt ist und kleinere Unsicherheiten hat. Zudem hat Deutschland besonders in der Chancenverwertung deutlich Luft nach oben. Zu häufig lassen Werner und Co. vorne noch Chancen liegen.
"In der Präzision beim letzten Pass, in der Entschlossenheit vor dem Tor, um in voller Überzeugung zum Abschluss zu kommen", dort habe man laut Flick noch Verbesserungsbedarf. Gegen höherklassige Gegner wird die Mannschaft nicht so viele Tormöglichkeiten haben und die wenigen Chancen müssen dann sitzen.
Dankbare Gegner geben Flick Zeit
Ob die bereits erwähnte Defensive auch gegen qualitativ hochwertigere Teams, die mitspielen, bestehen kann, darf nach den bisher erst wenigen Trainingseinheiten zumindest bezweifelt werden. Dass nach der kurzen Zeit nicht alles klappt, kann Flick niemandem vorwerfen. Vieles wird sich die Mannschaft durch weiteres Einspielen und steigendes Selbstbewusstsein selbst erarbeiten. Ein positiver Trend ist aber zu erkennen.
Ein abschließendes Fazit kann jedoch erst nach einem richtigen Härtetest gezogen werden. Der wird aber in diesem Jahr nicht mehr kommen. Es warten Rumänien und Nordmazedonien im Oktober und Liechtenstein sowie Armenien im November. Ob die deutsche Mannschaft auch mit Italien, Frankreich oder England im direkten Duell mithalten kann, bleibt abzuwarten.
"Es waren Mannschaften, die bei den Turnieren eher nicht in der K.o.-Runde zu sehen sind. Aber es war wichtig, wieder ein Zeichen zu setzen", sagte Kapitän Manuel Neuer nach dem 4:0 (2:0) gegen Island bei RTL zufrieden. "Wir haben nichts anbrennen lassen, wir waren dominant und stark in den Zweikämpfen. Wir sind absolut zufrieden." Der Trend sei "nun gesetzt", betonte Neuer, "so wollen wir weitermachen".
Kontinuität in den Aufstellungen
Für Flick geht es in den kommenden Monaten darum, der Mannschaft mehr von seiner Philosophie zu implementieren und die Feinheiten in dieser Zeit einzuüben. Löw bemängelte zuletzt häufig, dass ihm und seinem Team gerade während der Corona-Pandemie nur wenig Zeit blieb, um sich einzuspielen.
Dass Flick das angehen möchte, zeigten seine Aufstellungen. Er vertraute auf ein System und ließ den Bayern-Block um Süle, Kimmich und Sane, sowie mit Abstrichen Neuer, Gnabry und Goretzka viel spielen. Rüdiger, Kehrer und Werner ergänzten die Grundformation. Flick wechselte nicht wild durch.
Damit möchte Flick seiner Mannschaft die Konstanz verleihen, die Deutschland zuletzt abging. Ein ansehnlicher Anfang ist gemacht und Flick ist erfolgreich in seine Ära gestartet. Bei der Nationalmannschaft wird es nun darauf ankommen, den Trend fortzusetzen, um die langsam wieder steigende Gunst bei den deutschen Fans nicht wieder zu verspielen.
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