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DFB-Team News: Nationalelf mit Flick zurück auf WM-Kurs

Flick-Elf klar auf WM-Kurs, aber eine wichtige Erkenntnis fehlt noch

Max Georg Brand

09.09.2021 | 23:09 Uhr

Die deutschen Nationalspieler hatten in der vergangenen Woche häufig Grund zu jubeln.
Image: Die deutschen Nationalspieler hatten in der vergangenen Woche häufig Grund zu jubeln.  © DPA pa

Die DFB-Elf überzeugte in der abgelaufenen Länderspielperiode und nimmt Kurs auf die WM 2022. Flick sieht aber noch Verbesserungspotenzial.

"Safety first", twitterte die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstagmorgen. Die DFB-Entourage musste nach dem Länderspiel-Sieg gegen Island auf der Rückreise aus Sicherheitsgründen einen Zwischenstopp in Edinburgh einlegen. "Uns geht's gut", hieß es kurze Zeit nach der Landung. Einige Stunden mussten die Spieler auf dem schottischen Flughafen verweilen, bis die Spieler sich auf den Weg zurück zu ihren Vereinen machen konnten.

Die DFB-Noten gegen Island zum Durchklicken

  1. MANUEL NEUER:
    Image: MANUEL NEUER: Klärte nach einer Viertelstunde unkonventionell mit den Fäusten gegen Johannesson, auch danach stets aufmerksam und auf dem Posten. NOTE: 3 © Imago
  2. JONAS HOFMANN:
    Image: JONAS HOFMANN: Ohne die offensiven Akzente, die ihn noch gegen Armenien ausgezeichnet hatten. Auch defensiv mit ein paar Problemen. Musste zur Halbzeit raus. NOTE: 4 © Imago
  3. NIKLAS SÜLE:
    Image: NIKLAS SÜLE: Anfangs fast wie ein Spielmacher. Oft am Ball, seine langen Bälle erreichten meistens den Adressaten - so wie vor dem 1:0 durch Gnabry. Defensiv in der Regel souverän. NOTE: 3 © DPA pa
  4. ANTONIO RÜDIGER:
    Image: ANTONIO RÜDIGER: Erzielte sein erstes Länderspieltor seit vier Jahren - wieder per Kopf, wieder nach einem Standard von Kimmich. Lief hinten immer wieder Bälle ab und gewann den Großteil seiner Zweikämpfe. NOTE: 2 © DPA pa
  5. THILO KEHRER:
    Image: THILO KEHRER: Der Aushilfs-Linksverteidiger machte auf der ungewohnten Position erneut ein ordentliches Spiel. Konzentrierte sich vornehmlich auf die Defensive. NOTE: 3 © DPA pa
  6. Joshua Kimmich:
    Image: JOSHUA KIMMICH: Seine Chipbälle sind eine Augenweide! Bereitete so Rüdigers Tor zum 2:0 vor, auch sonst immer um schnelle Spielverlagerung bemüht. NOTE: 2 © DPA pa
  7. LEON GORETZKA:
    Image: LEON GORETZKA: Aufmerksam, laufstark, passsicher - der Bayern-Profi überzeugte einmal mehr im zentralen Mittelfeld. Traumpass auf Sane vor dem 3:0. Auch dank Goretzka wird Toni Kroos nicht vermisst. NOTE: 2 © DPA pa
  8. SERGE GNABRY:
    Image: SERGE GNABRY: Der Bayern-Star trifft und trifft und trifft. War aber nicht nur wegen seines 19. Länderspieltores einer der besten im DFB-Trikot. Seine Auswechslung zur zweiten Halbzeit war einzig in der Belastungssteuerung begründet. NOTE: 2 © DPA pa
  9. ILKAY GÜNDOGAN:
    Image: ILKAY GÜNDOGAN: Bemüht, aber nicht immer glücklich. Konnte nicht nachhaltig beweisen, dass er auf der Zehn besser ist als Müller, Reus oder Havertz. NOTE: 4 © DPA pa
  10. LEROY SANE:
    Image: LEROY SANE: Kassierte in der ersten Halbzeit einen Rüffel von Flick ("Leroy, Leroy! Pass spielen!"), weil er zu lasch agierte. Steigerte sich danach und belohnte sich dafür mit dem 3:0. NOTE: 2 © DPA pa
  11. TIMO WERNER:
    Image: TIMO WERNER: Auch im dritten Spiel unter Flick als Mittelstürmer aufgeboten - doch das Toreschießen in dieser Rolle fällt ihm schwer. Wich oft aus und vergab zwei Großchancen (55. & 61.) kläglich. Bei seinem Treffer zum 4:0 war Glück dabei. NOTE: 4  © DPA pa
  12. LUKAS KLOSTERMANN:
    Image: LUKAS KLOSTERMANN (ab der 46. Minute): Kam in der zweiten Hälfte für Hofmann, spielte weitgehend unauffällig solide. Gute Hereingabe auf Werner, die dieser nicht nutzte. NOTE: 3 © DPA pa
  13. KAI HAVERTZ (ab der 46. Minute):
    Image: KAI HAVERTZ (ab der 46. Minute): Ersetzte nach dem Seitenwechsel Gnabry - und vergab zehn Minuten später eine Riesenchance. NOTE: 4 © DPA pa
  14. ROBIN GOSENS (ab der 60. Minute):
    Image: ROBIN GOSENS (ab der 60. Minute): Durfte nach überstandener Fußverletzung eine halbe Stunde für Süle ran. Stach nicht heraus. NOTE: 3 © DPA pa
  15. JAMAL MUSIALA (ab der 60. Minute):
    Image: JAMAL MUSIALA (ab der 60. Minute): Für Sane eingewechselt. Stand bei seiner auffälligsten Aktion im Weg, als Goretzka das vermeintliche 4:0 erzielte. Das Tor zählte deshalb nicht. NOTE: 4 © DPA pa
  16. FLORIAN WIRTZ (ab der 80. Minute):
    Image: FLORIAN WIRTZ (ab der 80. Minute): Löste in der Schlussphase Goretzka ab. KEINE BEWERTUNG © DPA pa

Nicht nur bei der Rückreise konnte die Nationalmannschaft Entwarnung geben. Auch in Sachen der WM-Qualifikation tat die Mannschaft des neuen Bundestrainers Hansi Flick einiges, um die Turbulenzen unter Joachim Löw schleunigst in den Griff zu bekommen.

Die Euphorie kehrt langsam zurück

Nach drei Spielen, neun Punkten und 12:0 Toren ist die Nationalmannschaft von Platz drei und drei Punkten Rückstand auf Armenien auf Platz eins mit vier Punkten Vorsprung geklettert. Um in der Luftfahrtsprache zu bleiben: Pilot Hansi Flick hat den DFB-Flieger wieder auf Kurs gebracht. Nach leichten Startschwierigkeiten gegen Liechtenstein folgten ein schneller Flug gegen Armenien und eine solide Landung gegen Island.

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Die Euphorie kehrt langsam zurück. Die Fans sangen am Sonntag beim 6:0-Sieg gegen Armenien schon wieder "Oh, wie ist das schön, sowas hat man lange nicht gesehen". Hansi Flicks Rückkehr zur Nationalmannschaft ist vorerst geglückt. "Die Mannschaft hat die Idee, wie wir spielen wollen, hervorragend interpretiert und versucht, den Gegner immer wieder unter Druck zu setzen", resümierte Flick nach dem Island-Spiel. "Alle haben eine sehr gute Visitenkarte abgegeben - auch die, die nicht gespielt haben und enttäuscht sind. Wir sind sehr, sehr happy mit der Entwicklung, die wir genommen haben."

Flick schafft direkt eine Aufbruchstimmung

Flick hat neuen Wind durch die Mannschaft wehen lassen. Die bis vor kurzem noch komplett verunsicherte Mannschaft ist dabei, sich wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Das gelingt ihnen durch souveräne und teils attraktive Spiele. Der Ex-Bayern-Coach brauchte nicht lange, um sich in das Team hineinzufinden. Mit seiner kommunikativen Art schaffte Flick eine Aufbruchstimmung. Dass er Tempo-Fußball spielen lassen will, gefällt seinen Spielern, mit denen er auch abseits der Länderspielpausen regen Kontakt hält.

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Sky Reporter und DFB-Experte Uli Köhler spricht über die Notlandung des DFB-Teams. (Videolänge: 2:18 Min)

"Hansi Flick hat eine ganze Reihe von Veränderungen eingeführt", analysiert Sky Reporter Uli Köhler die Entwicklung des DFB-Teams. "Das ging bei der Mentalität los." Flick vermittle den Spielern das Gefühl, dass sie selbst dann Nationalspieler seien, wenn sie mal nicht nominiert werden. Zudem fordere Flick immer das Pressing und drehte an einigen spielerischen und taktischen Stellschrauben.

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Sonderlob und Standard-Erfolg

Dass die Defensive bis auf wenige Wackler die Null halten konnte, freut Flick: "Damit bin ich sehr zufrieden. Dass die Null steht, ist immer wichtig. Die Mannschaft muss einfach die Gier haben, das Tor zu verteidigen, das macht sie als Einheit relativ früh, da sind die Abläufe gut, ich muss ihr ein Kompliment machen."

Er lobte damit nicht nur Niklas Süle und Antonio Rüdiger. Er hob noch einen weiteren Spieler hervor: "Ich kann auch mal einen herausheben, der alle drei Spiele durchgespielt hat, das mache ich gerne: Thilo Kehrer. Er ist flexibel einsetzbar, topfit, sehr selbstbewusst."

Und dann wären da noch die Standardsituationen, für die sich Flick extra einen Spezialisten ins Team geholt hat. Mads Buttgereit soll das ewige Thema der Standardprobleme bei der deutschen Nationalmannschaft angehen. Seine Arbeit trug beim 2:0 durch Rüdiger Kopfball nach einem Kimmich-Freistoß erste Früchte. Flick war dementsprechend stolz: "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht so gewollt war."

Es ist nicht alles perfekt

Es ist aber noch nicht alles perfekt. Die Spiele gegen Liechtenstein (Nr. 189 der Welt), Armenien (88.) und Island (53.) waren Pflichtaufgaben für Deutschland. Alles andere als neun Punkte wäre eine Überraschung gewesen. Gerade die Partien gegen Liechtenstein und Island zeigten, dass die DFB-Elf trotz der drei Weißen Westen auch hinten nicht richtig eingespielt ist und kleinere Unsicherheiten hat. Zudem hat Deutschland besonders in der Chancenverwertung deutlich Luft nach oben. Zu häufig lassen Werner und Co. vorne noch Chancen liegen.

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"In der Präzision beim letzten Pass, in der Entschlossenheit vor dem Tor, um in voller Überzeugung zum Abschluss zu kommen", dort habe man laut Flick noch Verbesserungsbedarf. Gegen höherklassige Gegner wird die Mannschaft nicht so viele Tormöglichkeiten haben und die wenigen Chancen müssen dann sitzen.

Dankbare Gegner geben Flick Zeit

Ob die bereits erwähnte Defensive auch gegen qualitativ hochwertigere Teams, die mitspielen, bestehen kann, darf nach den bisher erst wenigen Trainingseinheiten zumindest bezweifelt werden. Dass nach der kurzen Zeit nicht alles klappt, kann Flick niemandem vorwerfen. Vieles wird sich die Mannschaft durch weiteres Einspielen und steigendes Selbstbewusstsein selbst erarbeiten. Ein positiver Trend ist aber zu erkennen.

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Ein abschließendes Fazit kann jedoch erst nach einem richtigen Härtetest gezogen werden. Der wird aber in diesem Jahr nicht mehr kommen. Es warten Rumänien und Nordmazedonien im Oktober und Liechtenstein sowie Armenien im November. Ob die deutsche Mannschaft auch mit Italien, Frankreich oder England im direkten Duell mithalten kann, bleibt abzuwarten.

"Es waren Mannschaften, die bei den Turnieren eher nicht in der K.o.-Runde zu sehen sind. Aber es war wichtig, wieder ein Zeichen zu setzen", sagte Kapitän Manuel Neuer nach dem 4:0 (2:0) gegen Island bei RTL zufrieden. "Wir haben nichts anbrennen lassen, wir waren dominant und stark in den Zweikämpfen. Wir sind absolut zufrieden." Der Trend sei "nun gesetzt", betonte Neuer, "so wollen wir weitermachen".

Kontinuität in den Aufstellungen

Für Flick geht es in den kommenden Monaten darum, der Mannschaft mehr von seiner Philosophie zu implementieren und die Feinheiten in dieser Zeit einzuüben. Löw bemängelte zuletzt häufig, dass ihm und seinem Team gerade während der Corona-Pandemie nur wenig Zeit blieb, um sich einzuspielen.

Dass Flick das angehen möchte, zeigten seine Aufstellungen. Er vertraute auf ein System und ließ den Bayern-Block um Süle, Kimmich und Sane, sowie mit Abstrichen Neuer, Gnabry und Goretzka viel spielen. Rüdiger, Kehrer und Werner ergänzten die Grundformation. Flick wechselte nicht wild durch.

Damit möchte Flick seiner Mannschaft die Konstanz verleihen, die Deutschland zuletzt abging. Ein ansehnlicher Anfang ist gemacht und Flick ist erfolgreich in seine Ära gestartet. Bei der Nationalmannschaft wird es nun darauf ankommen, den Trend fortzusetzen, um die langsam wieder steigende Gunst bei den deutschen Fans nicht wieder zu verspielen.

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