Ein Kommentar zur DFB-Antritts-PK von Jürgen Klopp

Jürgen Klopp ist zurück auf der Trainerbank. Am Freitag wurde der 59-Jährige in Frankfurt auf einer mehr als einstündigen Pressekonferenz offiziell als Bundestrainer vorgestellt.

Jürgen Klopp.
Image: Der Auftritt von Jürgen Klopp hat laut Sky Sport Reporter Patrick Berger Mut gemacht.  © Imago

Es war ein Auftritt, der den deutschen Fußballfans wieder Hoffnung machen kann, kommentiert Sky Sport Reporter Patrick Berger. Ein großes Aber gibt es jedoch …

Zugegeben: Ganz ohne Anlaufschwierigkeiten ging es nicht. Klopp wirkte anfangs ungewohnt angespannt und fast ein wenig nervös. Doch je länger die Pressekonferenz dauerte, desto mehr kam der Klopp zum Vorschein, den alle kennen: Locker, schlagfertig, ehrlich und voller Energie. Ob er am DFB-Campus denn auch "so einen schönen Parkplatz wie der Rudi" bekomme, fragte er Präsident Bernd Neuendorf augenzwinkernd. "Mit Schild?!" Die Lacher hatte Klopp sofort auf seiner Seite.

Er begrüßte alte Weggefährten mit einem schelmischen Grinsen, nickte vertrauten Journalisten zu und gestikulierte so lebhaft, dass er zwischendurch sogar ans Mikrofon stieß. Vor allem aber vermittelte er eines: Da sitzt wieder einer auf dem Trainerstuhl, der für eine am Boden liegende Fußball-Nation brennt.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Jürgen Klopp will als Bundestrainer den Spagat zwischen Entwicklung und Performance schaffen. Bei den kommenden vier Länderspielen will er den Spielern die Möglichkeit geben, sich zu beweisen.

"Der Höhepunkt meiner Karriere"

Seine Botschaften waren eindeutig:

"Ich mache das nicht für mich, sondern für euch!"
"Ich fühle die Größe und Verantwortung dieses Amtes. Es ist eine große Ehre."
"Ich fühle mich den Fans in Deutschland verpflichtet und nehme mich selbst nicht zu wichtig."
"Jürgen Klopp hat keine Karriere nach der Nationalmannschaft. Das ist im Idealfall der Höhepunkt meiner Karriere."
"Sagt mir, wenn ich scheiße bin. Dann bin ich weg - ohne Abfindung. Kritisiert mich. Aber lasst meine Familie raus!"
"Ich werde in jedem Land Spiele gucken, in denen unsere Jungs unterwegs sind."
"Es werden einige Spieler Möglichkeiten bekommen, mit denen sie jetzt noch gar nicht rechnen. Weil ich mutig sein will."
"Ich will, dass die Jungs einen Fußball spielen, der allen gefällt. Ich will, dass die Leute nach dem Spiel sagen: Wow, das war cool!"
"Wer Gas gibt, wird mit mir viel Spaß haben. Wir werden einen intensiven Fußball spielen."

Schon diese kleine Auswahl an Klopp-Zitaten zeigt, warum der frühere Dortmund- und Liverpool-Coach den Menschen wieder Zuversicht gibt. Nach den zuletzt enttäuschenden Turnieren hat der DFB endlich wieder einen Trainer, der Begeisterung entfacht.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Die komplette Vorstellung von Jürgen Klopp als neuer Bundestrainer hier im VIDEO.

Deutscher Fußball steht am Scheideweg

Trotzdem wäre es ein Fehler, Klopp als DEN DFB-Messias und alleinigen Heilsbringer zu sehen. Der deutsche Fußball steht an einem Scheideweg. In vielen Bereichen besteht erheblicher Nachholbedarf - von der Talentförderung über die Spielphilosophie bis hin zu den Strukturen im Verband. Themen, die ein Top-Team rund um Direktor Hannes Wolf, den Klopp aus Dortmunder Zeiten kennt und schätzt, längst erkannt haben. Klopp alleine kann das alles nicht im Alleingang lösen.

Mehr dazu

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Wie tief will Jürgen Klopp in die Strukturen reingehen? Zudem spricht er über den Unterschied zwischen dem Bundestrainer-Amt und dem Vereinstrainer-Amt.

Doch Klopps Verpflichtung als 13. Bundestrainer der Verbandsgeschichte ist eine historische Chance. Eine, die der DFB jetzt konsequent nutzen muss. Klopp hat die Probleme erkannt. Gemeinsam mit dem neuen Sport-Geschäftsführer Per Mertesacker, Rudi Völler, Hannes Wolf, seinem langjährigen Vertrauten Marc Kosicke, der als Schnittstelle zwischen Verband und Trainerstab fungieren wird, und seinem Assistenzteam will er Grundlegendes verändern.

Klopps Auftritt macht Mut

Es geht um eine ganzheitliche Spielidee, um die Weiterentwicklung der Nachwuchsarbeit, um moderne Strukturen und eine Kultur, die Leistung, Mut und Identifikation wieder in den Mittelpunkt stellt. Es geht darum, den deutschen Fußball neu zu denken - und ihn wieder zu dem zu machen, wofür er einmal stand.

Der erste Auftritt macht jedenfalls Mut. Nicht, weil Jürgen Klopp Wunder versprochen hat. Sondern weil er den Eindruck vermittelt, dass endlich wieder jemand Verantwortung übernimmt, Klartext spricht, mutig sein will und den festen Willen hat, etwas zu verändern.

Mehr zum Autor Patrick Berger

Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.

Mehr Geschichten