Fußball News: Die Probleme bei Manchester United
United im Check: Wer ist schuld an der Krise der Red Devils?
19.11.2021 | 23:40 Uhr
Manchester United steckt in der Krise. Trainer Ole Gunnar Solskjaer steht weiter mächtig unter Druck. In der Länderspielpause ist jetzt erst mal durchatmen angesagt. Zeit, um sich United mal genauer anzuschauen.
Die Bilanz ist ernüchternd: elf Spiele, 17 Punkte, Platz sechs in der Premier-League-Tabelle. Neun Punkte Rückstand haben die Red Devils auf Spitzenreiter Chelsea. So gut wie verflogen sind die Hoffnungen auf den ersten Meistertitel seit 2013. Da stellt sich die Frage: Wer ist schuld an der Krise bei Manchester United?
Schlechteste Phase in der Liga seit 2019
Wenn Mannschaften schlechte Leistungen bringen, wird das meistens am Trainer festgemacht. United-Coach Solskjaer steht heftig in der Kritik. Sky UK hat einige Statistiken genau analysiert. Solkjaers Elf ist im Ligabetrieb so schlecht wie seit Mai 2019 unter seiner Führung nicht mehr. Überhaupt hat der Norweger noch keine nennenswerten Erfolge feiern können. In insgesamt 167 Spielen bei United hat er eine Siegquote von nur 54 Prozent. Einen Titel hat er als United-Coach noch nicht gewonnen.
Auch die Bilanz des ehemaligen Torjägers gegen die "Big Six" ist ernüchternd. Von 28 Spielen gegen den FC Liverpool, Manchester City, Chelsea, den FC Arsenal und Tottenham Hotspur gewann er nur neun. Nur die Gunners und die Spurs sind im gesamten Vergleich schlechter. Gründe genug, um Solskjaer zu entlassen sind das aber nicht. Zumindest noch nicht.
Ist das defensive Mittelfeld zu schwach?
Für Sky Experte Roy Keane nicht wirklich verständlich. Nach der Pleite im Manchester-Derby gegen City hätte er sich Solskjaer zur Brust genommen und gefragt, warum Fred spielen darf. Gerade das defensive Mittelfeld scheint ein zentrales Problem bei United zu sein. Vor allem Fred steht dabei im Mittelpunkt, da Solskjaer den Brasilianer meistens links auf der Doppel-Sechs spielen lässt.
Seit seinem Transfer vor drei Jahren steht der 28-Jährige für Licht und Schatten. Im Vergleich ist seine Zweikampfquote mit 40,4 Prozent eine der niedrigsten für defensive Mittelfeldspieler in der Premier League. Allerdings wird er am zweitwenigsten ausgedribbelt und steht im Vergleich aller United-Spieler bei Pressing-Aktionen sogar auf Platz eins - vor seinen Mittelfeld-Kollegen Scott McTominay und Nemanja Matic.
Aber auch zusammen schaffen es die drei nicht, das Zentrum kompakt zu halten. Es bräuchte mehr Stabilität im Mittelfeld, um die Zentrale zu stärken und um Umstellungen zu verhindern.
Defensiver Einsatz und Laufbereitschaft mangelhaft
Da dies allerdings momentan kaum klappt, können sich die Gegner leicht durch Uniteds Mittelfeld kombinieren. Das kann die Abwehr dann nur selten kompensieren - denn auch sie ist unsicher. Mit insgesamt sieben Fehlern, die unmittelbar zu Torschüssen führten, ist United auf Platz 19 im Liga-Vergleich. Auf Abwehrspieler und Torwart entfallen dabei fünf Fehler.
Bezeichnend war Harry Maguires fehlender Einsatz beim 0:2-Treffer von Bernardo Silva für Manchester City. Auch Außenverteidiger Luke Shaw und Torwart David de Gea sahen dabei alles andere als gut aus. Immer wieder gibt es haarsträubende Fehler im Stellungsspiel der Abwehr.
Überhaupt scheint der Einsatz generell nicht ausreichend. Wenn man die bisherigen Laufstrecken der Premier-League-Vereine anschaut, liegen die Red Devils mit 1.154,1 km nur auf dem 15 Platz. Stadtrivale City hat da mit 1193,8 km zum Beispiel deutlich mehr Laufbereitschaft gezeigt.
Hamann kritisiert Solskjaer wegen Sancho
Auch wenn die erste Elf momentan nicht in Tritt kommt, scheint Solskjaer nur wenig von umfassenderen Umstellungen zu halten. Neuzugang Jadon Sancho, Donny van de Beek oder Leihrückkehrer Jesse Lingard schmoren häufig auf der Bank. Und das, obwohl Sancho und van de Beek für insgesamt fast 130 Millionen Euro verpflichtet wurden.
Solskjaer hat seit Dienstantritt im Jahr 2018 mehr als eine halbe Milliarde Euro ausgegeben, um sich sein Wunschteam zu bauen. Gelohnt hat sich das bisher überhaupt nicht. Ein weiterer Punkt, der seine Kritiker beflügelt.
"Solskjaer hat viele gute Spieler im Kader, aber er hat es nicht geschafft, das Beste aus ihnen herauszuholen", meinte Sky Experte Didi Hamann schon vor dem Derby: "Pogba läuft den Erwartungen weit hinterher, Sancho spielt gar keine Rolle. Wenn ich einen Spieler wie Sancho hole und von dem ist gar nichts zu sehen, weiß ich nicht, was der Trainer dort macht."
Carragher sieht "keinen Plan"
Die Fachleute sind sich einig, dass sich dringend etwas ändern muss. Gary Neville sagte nach dem Spiel gegen City unter anderem: "Es war so demoralisierend, dass man an einen Punkt kommt, an dem man vom Zuschauen Kopfschmerzen bekommt:"
Für Jamie Carragher ist sogar klar, das Solskjaer nie Erfolg bei United haben wird. "Ich sehe da keinen Plan. Er wird weder die Premier, noch Champions League als Trainer von Manchester United gewinnen." Jamie Redknapp sieht sogar Probleme im Durchsetzungsvermögen des Trainers. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Solskjaer dort mit dem Finger auf die Spieler zeigt und ihnen sagt, was sie zu tun haben."
Ob der Norweger es tatsächlich noch schafft, das Ruder bei den Red Devils herumzureißen, bleibt äußerst fraglich. Schuld haben viele, verantwortlich ist aber er. Solskjaer ist momentan noch im Amt. Auf Bewährung. Bleibt die Frage: Wie lange noch? Gerüchten zufolge bemüht man sich in Manchester nämlich schon um Ex-Real-Trainer Zinedine Zidane als seinen Nachfolger.
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