Hütters Koch-Kritik greift zu kurz: Frankfurts Probleme liegen deutlich tiefer
Mit der frühen Auswechslung von Kapitän Robin Koch und deutlicher öffentlicher Kritik hat Adi Hütter nach dem Debakel gegen RB Leipzig ein Zeichen gesetzt. Doch die Defensivkrise von Eintracht Frankfurt an einem einzelnen Spieler festzumachen, greift zu kurz.
16.10.2026 | 14:30 Uhr
Der Eintracht-Coach demonstriert Härte und scheut keine unangenehmen Entscheidungen. Die Ursachen für die jüngsten Abstürze liegen jedoch nicht allein bei Robin Koch, sondern vielmehr in strukturellen Problemen, die den Klub bereits seit Monaten begleiten. Ein Kommentar von Sky Sport Reporter Dennis Bayer.
Adi Hütter hat beim 0:6 Debakel gegen RB Leipzig ein deutliches Zeichen gesetzt. Schon in der Halbzeit hat der Eintracht-Trainer seinen Kapitän Robin Koch vom Feld genommen und nach dem Spiel scharf für seine Leistung kritisiert: "Ich habe Robin Koch erlöst, weil ich erwarte mir von einem Kapitän und Führungsspieler etwas anderes. Wenn man 16 Tore bekommt und Leader der Abwehr ist, dann setze ich irgendwann auch mal ein Zeichen. Das hat mir einfach überhaupt nicht gefallen", so Hütter nach der Partie.
Schon in den vergangenen Monaten hat der Coach immer wieder betont, dass er mit Leistung und Auftreten seiner Führungsspieler nicht zufrieden war. Durch sein konsequentes Durchgreifen beweist Hütter allen, dass er keine Angst vor großen Namen und harten Entscheidungen hat.
Koch zum Sündenbock zu machen löst kein Problem
Das große Aber dabei ist jedoch: Mehr als ein Zeichen und ein mentaler Arschtritt ist das nicht. Koch zum Sündenbock der Misere zu machen ist zu kurz gegriffen und löst kein grundlegendes Problem. Vieles daran erinnert an die Sommervorbereitung.
Nach einem 0:7 im Testspiel gegen Brentford schoss Hütter öffentlich gegen den jungen Torwart Kaua Santos. In der Folge verpflichtete die Eintracht Noah Atubolu. An den Defensivproblemen geändert hat das rein gar nichts. Kaua Santos war im August genauso wenig alleine Schuld an der löchrigen Defensive, wie jetzt Koch.
Frankfurt hat ein Qualitätsproblem in der Defensive
Die Wahrheit ist: Die Probleme bei der Eintracht liegen tiefer. Frankfurt hat ein Qualitätsproblem in der Defensive, Frankfurt hat ein Führungsspielerproblem im gesamten Kader und Frankfurt hat ein Widerstandsproblem. Schon vor über einem Jahr war die Eintracht ein defensiver Hühnerhaufen und ist nach Rückschlägen im Spiel immer wieder eingebrochen.
Daran konnten auch drei verschiedene Trainer und zwei Transferperioden nichts ändern. Spätestens jetzt ist die Mannschaft unter Zugzwang, die Probleme als Kollektiv in den Griff zu bekommen und zumindest wieder Grundtugenden wie Intensität und Willen an den Tag zu legen. Klappt das nicht, spielt Eintracht Frankfurt in dieser Saison nicht um Europa, sondern eher um den Abstieg - Sündenbock hin oder her.
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