Nagelsmann sieht Undav nur als Joker - was sagen die Statistiken
Deniz Undav ist gegen Ghana nach seiner Einwechslung der Matchwinner für die Deutsche Nationalmannschaft.
31.03.2026 | 10:40 Uhr
In dieser Rolle sieht Julian Nagelsmann den besten deutschen Torjäger auch bei der Weltmeisterschaft im Sommer und begründet das. Hat der Bundestrainer recht? Trifft der Stuttgarter tatsächlich öfter, wenn der Gegner schon müde ist?
Wohl niemand kann behaupten, dass Julian Nagelsmann und Deniz Undav in der Kommunikation nach außen auf einer Wellenlänge sind. Als der Bundestrainer in der ARD nach dem Sieg gegen Ghana auf die Leistung des Torschützen zum 2:1-Endstand angesprochen wurde, begann er seine Ausführung nicht mit einem Lob für den Stürmer, sondern konstatierte - und das gleich zwei Mal - dass Undav "jetzt nicht viele Aktionen" hatte, bis zum Treffer sogar "keine" und generell habe der 29-Jährige "wenig am Spiel zu tun". Erst dann erklärte Nagelsmann, dass er das Tor "schon gut" mache und "dafür auf dem Feld" sei, bevor er explizit die Vorlage von Leroy Sane lobte.
Ändert sich Undavs Rolle noch?
Undav selbst sprach dagegen von einem - aus seiner Sicht - perfekten Abend: "Sieg geholt, Tor gemacht, top". Die Frage bleibt, ob es solche Abende auch bei der WM im Sommer in den USA, Kanada und Mexiko geben wird. Klar ist: Nagelsmann sieht Undav in der Nationalmannschaft bestenfalls als Joker und präferiert Kai Havertz oder Nick Woltemade in der Startelf. Der Stuttgarter kennt seine Rolle, sagt aber: "Aber durch solche Tore kann sich meine Rolle vielleicht auch verändern."
Nagelsmann schienen die Aussagen nicht besonders zu gefallen und sprach davon, dass dieser Fall "eher unwahrscheinlich" sei. Auf der Pressekonferenz legte er nach und erklärte: "Er setzt sich mit seinen Aussagen selber unter Druck. Wenn er damit umgehen kann, ist das sehr gut. Ich fand seine Leistung bis zum Tor nicht gut." Er wisse zudem nicht, ob der siebenfache Nationalspieler sein Tor auch gemacht hätte "wenn er vorher 70 Minuten marschiert".
Besser als Joker?
Die Frage bleibt: Hat Nagelsmann recht und Undav ist tatsächlich effektiver, wenn der Gegner schon etwas müdegespielt ist? Die Zahlen scheinen die These des Bundestrainers auf den ersten Blick zu stützen. Undav erzielte in der laufenden Spielzeit für den VfB Stuttgart bisher 23 Pflichtspieltore. Nur sieben davon markierte er in der ersten Halbzeit, aber immerhin beachtliche 16 nach der Pause. Undav ist auch kein Frühstarter: In den ersten 20 Minuten jubelte er für die Schwaben nur zwei Mal, in den letzten 20 Minuten dagegen schon neun Mal.
Auch bei seinen 13 Vorlagen ist Undav nach dem Wechsel effektiver, wenn auch nicht so deutlich wie bei den Toren. Sechs Assists in Halbzeit eins stehen sieben Vorlagen in Halbzeit zwei gegenüber. Vier davon waren in den ersten 20 Minuten, fünf in den letzten 20 Minuten.
Zahlen geben Nagelsmann nur auf den ersten Blick recht
Es scheint also tatsächlich so, dass Undav mit zunehmender Spieldauer gefährlicher und effektiver wird. Allerdings ist der Torjäger beim Pokalsieger absolut gesetzt, spielt meistens über die volle Distanz. Das "marschieren", wie Nagelsmann es nennt, scheint Undav also - zumindest beim VfB - nichts auszumachen. Dennoch dürfte er beim DFB-Team von der Bank kommen und soll da seine Stärken ausspielen.
Oder um es mit Nagelsmanns Worten zu sagen: "Ich glaube zu wissen, dass wir im Sommer Joker brauchen, um Spiele zu entscheiden". Und da scheint er tatsächlich derzeit keinen besseren als Undav zu haben - völlig unabhängig ob die Kommunikation nach außen auf einer Wellenlänge mit dem Stürmer selbst ist...
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