Oliver Kahn und Roman Weidenfeller über Manuel Neuer, Vincent Kompany, Nico Schlotterbeck, Julian Nagelsmann und die WM
Die ehemaligen Bundesliga-Torhüter geben bei Triple – der Hagedorn-Fussballtalk ihre Einschätzung zur Zukunft von Manuel Neuer ab.
16.04.2026 | 23:50 Uhr
Außerdem äußern sich Kahn und Weidenfeller zur Klausel von Nico Schlotterbeck und Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Oliver Kahn über …
… Manuel Neuers Zukunft: Ich glaube, wenn ich in seiner Situation war oder wäre, würde ich wahrscheinlich sagen: Mehr geht nicht. Möglicherweise noch mal die Champions League gewonnen zu haben, Meisterschaft und Pokal, das ist der absolute Höhepunkt und das wäre der perfekte Moment, um zu sagen, das war's.
… Vincent Kompany: Vincent Kompany ist jemand, der eine klare Idee hat, wie Fußball gespielt werden soll, der die Spieler davon überzeugen kann, der aber auch eine Menschlichkeit besitzt, die die Spieler, die heutige Generation sehr schätzt. Das ist eine ganz feine Linie, auf der sich die Trainer bewegen. Du darfst dich nicht zum Kumpel der Spieler machen. Aber die Spieler müssen das Gefühl haben, hey, da ist ein Mensch, auf den kann ich mich verlassen, die Entscheidungen sind nachvollziehbar, all das sind diese kleinen, feinen Dinge. Wie Ottmar Hitzfeld schon immer legendär gesagt hat, du musst in München auch mit den Verantwortlichen umgehen können. Wenn das alles zusammenkommt, dann funktioniert das.
… die Situation, dass Vincent Kompany für das Spiel gegen PSG gesperrt ist: Die Jungs sind auf einer Mission und die werden es jetzt auch wegstecken, dass der Trainer nicht unten an der Bank ist, deswegen glaube ich nicht, dass das einen großen Einfluss haben wird.
… Michael Olises Chancen auf den Ballon d'Or: Wenn man die Leistungen der letzten Wochen sieht, dann ist Michael Olise auf jeden Fall auf dem Weg zum Ballon d'Or.
… ein Missverständnis, bei dem er dachte, dass er den Ballon d'Or gewonnen hat: Ich dachte, ich habe gewonnen (lacht)! Wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe, wurde ich eingeladen und dann habe ich gesagt: Okay, ich habe jetzt dieses Ding da gewonnen und bin dorthin gefahren und habe dann erfahren: Nein, ich habe gar nicht gewonnen. Und dann war ich ein bisschen verärgert.
… die Klausel von Nico Schlotterbeck: Aus wirtschaftlicher Sicht gibt es durchaus einen Punkt, so etwas zu machen. Allerdings ist dann immer die Frage, welchen Preis bezahlst du als Verein dafür, dass du alles erfüllt hast, was Schlotterbeck an Forderungen gehabt hat. Ist es das wirklich wert gewesen, kommen jetzt dann die anderen bei den nächsten Verhandlungen und jeder möchte jetzt auch noch seine Ideen durchsetzen? Für die Fans ist es eher unglaubwürdig, weil der Spieler jetzt schwer sagen kann, ich verpflichte mich jetzt für Borussia Dortmund und ich habe meinen Vertrag verlängert und dann nach der Fußball-Weltmeisterschaft sage ich: Ah, jetzt ist aber doch noch ein besserer Verein gekommen. Und ja, jetzt gehe ich halt. Das hat ein bisschen einen Beigeschmack. Das muss man schon differenzierter betrachten.
… die anstehende WM, die unter anderem in den USA stattfindet: Es gibt einfach sehr viele Dinge in den USA gerade, die mit unserem Werteverständnis nicht mehr vereinbar sind. Ein Beispiel war der Krieg, aber ich will jetzt nicht alles aufzählen, was Donald Trump, seit er wieder im Präsidentenamt ist, dort treibt. Mit einem guten Gefühl kann man da im Moment nicht hinfliegen.
… Julian Nagelsmanns Entschuldigung an Deniz Undav: Da sind wir wieder beim Thema Führung. Es wäre natürlich auch möglich, du rufst den Spieler einfach an und sagst, ich bin da über das Ziel hinausgeschossen und erklärst ihm die Situation, wie du sie siehst und fertig. Das spricht sich dann sowieso irgendwann nach außen durch. Aber das jetzt öffentlich zu machen, hat halt so ein Touch.
… Marie-Louise Eta als erste Frau auf einem Cheftrainerposten in der Bundesliga: Ich habe als erstes gedacht, warum hat es eigentlich so lange gedauert? Weil ich ja auch während meiner Zeit bei Bayern München, mich immer wieder sehr intensiv mit dem Thema Frauenfußball beschäftigt habe. Da ist sehr, sehr viel Kompetenz da, da ist Verständnis für den Fußball da. Diese Entwicklung, die den Frauenfußball anbelangt - da wird noch wahnsinnig viel auch in Zukunft passieren und mich hat das jetzt nicht groß überrascht.
… seine Absetzung als Kapitän durch Jürgen Klinsmann: Wir waren im Hotel und Jürgen Klinsmann kam dann irgendwann auf mein Zimmer und hat gesagt, was ich noch sagen wollte, Michael ist Kapitän. Wie er es begründet hat, das weiß ich jetzt nicht mehr so genau. Ich weiß noch, er kam aufs Zimmer und hat es mir dann mitgeteilt. Und dann denkst du natürlich, ja, okay, oft wird ja dann argumentiert, ja ich möchte halt einen Mittelfeldspieler haben oder einen Spieler haben, der im Zentrum des Geschehens ist, der Torwart, der steht zu weit hinten, der kann kein guter Kapitän sein. Wir alle kennen diese Argumente, die dann immer gegen den Torwart vorgebracht werden. Das war eine herausfordernde Zeit, das sind die kleinen Schläge, die man halt in diesem Geschäft hat. Da geht es eben auch mal so zu und das muss man dann auch versuchen zu verarbeiten.
Roman Weidenfeller über …
… Manuel Neuers Zukunft: Vielleicht macht er sich schon auch im Hintergrund viele Gedanken, wann ist der beste Abgang? Gibt es vielleicht doch noch mal eine Chance auf die Weltmeisterschaft? Ich habe aus dem engsten Umfeld gehört, dass er noch nicht final den Sommerurlaub geplant hat, dass er sich vielleicht doch nochmal etwas ausrechnet. Man weiß es nicht. Man hat ja selber dann doch auch in so einer Situation ein gewisses Kopfkino und überlegt sich, wie man was dann am besten umsetzt.
… die Titelchancen des FC Bayern: Sie haben das Zeug dazu, auch den Titel zu gewinnen, es wird natürlich spannend. Es wird schwer werden gegen Paris, es sind zwei absolute Top-Mannschaften, die aufeinandertreffen. Das ist das eigentliche Finale. Wobei ich sagen muss, es ist jetzt auch egal, ob Real Madrid, Paris oder Bayern: Ich finde, dass alle drei Mannschaften fast auf einem Level gespielt haben und dann auch vieles die Tagesform entscheidet.
… einen möglichen neuen Trainer von Real Madrid: Ich glaube, dass ein erfahrener Mann wie Didier Deschamps vielleicht ein Thema sein könnte, dass er dann nach der WM abtritt und dann Real Madrid übernimmt. Jürgen Klopp hätte ich mir auch gut vorstellen können. Ich glaube, das kribbelt auch noch ein bisschen bei Jürgen in den Fingern. Er hat auch ganz klar noch mal gesagt, dass er weiterhin Spaß und Freude an seinem jetzigen Job hat. Aber im Fußball geht es schnell. Wenn Real Madrid anruft, kannst du normalerweise nicht absagen.
… die Klausel von Nico Schlotterbeck: Man muss dazu sagen, dass diese Klausel nur für drei Vereine, so habe ich es gelesen in der Dortmunder Zeitung, zieht. Das heißt für Real Madrid, für Barcelona und für den FC Liverpool und dass kein anderer Verein in Betracht kommt. Aki Watzke hat vor kurzem ausführlich darüber gesprochen und ich glaube, aus Vereinsseite war es einfach wichtig, jetzt erst mal ein positives Signal zu senden.
… Julian Nagelsmanns Entschuldigung an Deniz Undav: Ich glaube, dass er sich selber damit keinen Gefallen tut, weil erst forsch nach vorne zu gehen und dann zurückzurudern, oder genauso auch bei der Aussage, dass er sich entschuldigt und dann aber seine Frau mit ins Boot reinnimmt, er stärkt sich damit nicht selbst, er schwächt sich ja eher damit.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf über …
… seinen Umgang mit öffentlicher Aufmerksamkeit: Man muss einen guten Umgang mit der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit finden, einen guten Umgang damit finden, was deiner Arbeit weiterhilft. Niemand ist perfekt. Du willst dich natürlich auch verbessern und da sind auch viele gute Ratschläge dabei. Die Öffentlichkeit muss man sich erarbeiten und dann muss man auch in die Rolle reinwachsen. Wenn du dann das erste oder zweite Mal bei Markus Lanz auf dem "Hot Seat" sitzt und dann auch mal einen Moment hast, der nicht so stark ist, dann lernst du die Öffentlichkeit kennen. Das verfolgt dich dann noch sehr lange und da musst du deinen Umgang mit finden.
… einen Boykott der anstehenden WM, die unter anderem in den USA stattfindet: Von einem Boykott halte ich persönlich nichts. Ich will auch nicht die Sportler bestrafen. Das muss auf politischer Ebene geklärt werden.
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