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Jubilar Müller schluckt "bittere Pille" statt Weizenbier

Ausgerechnet in seinem 100. Länderspiel wurde mehr als deutlich, dass Thomas Müller keine Hauptrolle mehr in der Nationalmannschaft spielt. Die Turbo-Generation hat ihm den Rang abgelaufen.

Gelsenkirchen (SID) Direkt nach dem Aufstieg in den Klub der Hunderter hatte Jubilar Thomas Müller einfach keine Lust auf seine Belohnung. Das Weizenbier, das ihm Bundestrainer Joachim Löw für sein 100. Länderspiel versprochen hatte, war dem Torjäger a.D. völlig egal. "Dafür war die Stimmung jetzt nicht so super", sagte Müller: "Dass wir nur unentschieden spielen, das ist eine bittere Pille, die ich schlucken muss. So fühlt es sich nicht ganz so toll an."

Beim 2:2 (2:0) der Nationalmannschaft im letzten Länderspiel des historisch schlechten WM-Jahres erreichte Müller zwar als erst 14. Fußballer in der DFB-Geschichte die magische 100-Spiele-Marke. Doch ausgerechnet bei diesem Meilenstein bekam der Profi von Bayern München deutlich vor Augen geführt, dass er nur noch die zweite Geige spielt.

Von der Bank aus hatte Müller die beste Sicht auf das Turbo-Trio Leroy Sane, Serge Gnabry und Timo Werner, das in der ersten Halbzeit die niederländische Abwehr auseinandernahm. Nach der Einwechslung (67.) des erneut glücklos agierenden Müller verspielte Deutschland die 2:0-Führung. Er fühle sich "ein bisschen wie im schlechten Film", sagte der Weltmeister von 2014 hinterher.

Eigentlich passte das Spiel aber perfekt ins Bild: Es müllert nicht mehr. Auch Bundestrainer Löw erkannte die Symbolik und schien sogar etwas Mitleid zu haben: "Das ganze Jahr war nicht das Jahr des Thomas Müller." Ein mickriges Tor hat der einstige Weltklasse-Angreifer 2018 im DFB-Trikot erzielt. Als "Energiegeber" hat Löw ihn zwar noch immer gerne im Kader, auf dem Platz vertraut er aber den drei "Mopeds" Sane, Gnabry und Werner. Müller zeigt dafür Verständnis: "Wenn wir die drei ins Umschaltspiel bekommen, können wir dem Gegner wehtun."

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Die Spielmacher haben an dem Generationswechsel im Angriff ihre helle Freude. "Sie geben dir durch ihre Geschwindigkeit die Option, vermehrt in die Tiefe zu spielen", sagte Toni Kross, der mit einem Traumpass von der Mittellinie das 2:0 des durchgestarteten Sane vorbereitete. Auch Gnabry habe "sehr schlau" gespielt und sei vom Gegner "kaum zu greifen" gewesen, lobte Kroos. Werner belohnte sich für seinen enormen Aufwand mit dem 1:0-Führungstreffer.

Und Müller? Mit einer starken Aktion leitete er eine Sane-Chance ein, ansonsten blieben von seinem Jubiläumsspiel vor allem Fehlpässe, falsche Laufwege und fehlendes Selbstvertrauen in Erinnerung. Der Spieler, der einst Räume finden konnte wie kein Zweiter, läuft sinnbildlich ins Abseits.

Sollte sich Müller tatsächlich mit der "Ich-hab'-Spaß-und-geb'-Gas"-Rolle anfreunden, die vor ihm jahrelang Lukas Podolski inne hatte, wird er in der ewigen Rangliste noch Spieler wie Thomas Häßler (101), Franz Beckenbauer (103) und Jürgen Klinsmann (108) überholen. Die Hauptrolle spielen ab sofort aber wohl andere.

100 Länderspiele zu bestreiten, sei schon "eine tolle Sache für eine Fußballerkarriere", sagte Müller: "Aber ich wollte eigentlich das Glücksgefühl des Sieges erfahren." Dann hätte vielleicht auch das Weizenbier geschmeckt.

SID js om dk

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