TSG Hoffenheim überragt in der Bundesliga und träumt von der Champions League
Der Kraichgau-Klub kämpfte dabei im vergangenen Jahr noch um den Klassenerhalt.
08.02.2026 | 10:00 Uhr
Die TSG Hoffenheim ist die Überraschung der Saison! Ein etwas genauerer Blick zeigt dabei, dass der Erfolg alles andere als ein Zufall ist und einer ganz klaren Idee folgt.
Dunkle Wolken hingen im Mai 2025 über dem Kraichgau. Mit mageren 32 Punkten auf dem Konto rangierte die TSG Hoffenheim vor dem finalen 34. Spieltag auf dem 15. Tabellenplatz - und Abstiegsangst machte sich im Sinsheimer Raum breit.
Trotz einer weiteren ernüchternden 0:4-Pleite gegen die Bayern kam die TSG letztlich noch einmal mit einem dunkelblauen Auge davon und schaffte den Klassenerhalt, doch die Stimmung war auf dem Tiefpunkt und ein wilder Sommer sollte folgen...
Knapp achteinhalb Monate später weht im Kraichgau nun ein ganz anderer Wind, der die dunklen Wolken in weite Ferne geblasen hat und Platz für strahlenden Sonnenschein gemacht hat. Nach dem goldenen Hoffenheimer Januar mit fünf Siegen aus fünf Spielen steht die TSG auf Rang drei Tabelle und träumt von der Champions League! Nun steht am kommenden Sonntag auch noch das Topspiel gegen die Bayern (17:30 Uhr) auf dem Programm, von welchen man bereits in den vergangenen Tagen teilweise mit Lob geradezu überschüttet wurde.
Doch wie konnte aus dem Abstiegskandidaten der Vorsaison in so kurzer Zeit ein Anwärter auf die Königsklasse werden?
Hoffenheim verabschiedete 25 Spieler
Ausschlaggebend für den Aufschwung dürfte zunächst einmal maßgeblich das Sommer-Transferfenster 2025 gewesen sein. Als Cheftrainer Christian Ilzer die gebeutelten Hoffenheimer im November 2024 übernahm, wirkte er zunächst wie ein Feuerwehrmann ohne Wasser. Der 48-Jährige wollte laufintensiven, aktiven Fußball spielen und sprach davon, dass er "Hoffenheim in drei Jahren zurück ins internationale Geschäft bringen will", doch der Österreicher hatte "nicht die Fußballer für seine Spielidee" in den eigenen Reihen, wie Geschäftsführer Andreas Schicker anmerkte.
In der Folge sortierte die TSG kräftig aus! 25 Spieler verließen den Verein, während zehn neue Profis beim BL-Klub anheuerten und beinahe allesamt direkt einschlugen. Innenverteidiger Albian Hajdari, die Außenverteidiger Vladimir Coufal und Bernardo, im Mittelfeld Leon Avdullahu und Wouter Burger sowie vorne Tim Lemperle kamen teils ablösefrei oder für kleines Geld zur TSG und sind nun bereits absolute Leistungsträger! Zu diesen Säulen zählen auch der im Sommer von seiner Elversberg-Leihe zurückgekehrte Stürmer Fisnik Asllani und Flügelflitzer Bazoumana Toure, der im Februar 2025 für zehn Millionen von Hammarby IF aus Schweden gekommen war.
TSG dominiert die Bundesliga im Laufen
Ilzer hat das nötige "Wasser" bekommen und scheint nun den perfekten Kader für seine Spielidee zu haben, wie ein Blick auf die Statistiken zeigt. Mit 3596 Sprints und 15.202 intensiven Läufen (Quelle: Bundesliga.com) liegt der Verein ligaweit jeweils auf Platz eins, bei abgespulten Kilometern (2467,4) auf Platz zwei knapp hinter den Bayern. Gemessen an Pressing-Aktionen pro Minute ohne Ballbesitz liegt Ilzers Team in den fünf europäischen Top-Ligen außerdem sogar auf Platz eins - vor dem FC Barcelona und PSG!
Hoffenheim rennt seine Gegner förmlich nieder, aber noch eine weitere Statistik ist sehr auffällig: Hoffenheim begeht als Mannschaft die meisten Fouls der Liga (273). Lemperle führt dabei die Foul-Tabelle der Bundesliga als Stürmer (!) an - gefolgt von seinen Teamkollegen Wouter Burger und Bernardo. Das unterstreicht noch einmal, dass Hoffenheim mit sämtlichen Mannschaftsanteilen - auch ganz vorne - seine Gegner anrennt.
Österreich-Kombination bringt den Erfolg
Hinter dem Erfolg der TSG steckt darüber hinaus eine große Portion Österreich, die der Bundesligist mit Trainer Ilzer, Geschäftsführer Sport Schicker, Paul Pajduch (Technischer Direktor), den beiden Co-Trainern Dominik Deutschl und Uwe Hölzl sowie Profi Alexander Prass von Sturm Graz bekommen hat.
Von dunklen Wolken über dem Kraichgauer Himmel ist nichts mehr zu sehen. Mit der Idee, extrem laufintensiven, aktiven und aggressiven Fußball zu spielen, haben ein paar Österreicher stattdessen den Sonnenschein zurück nach Sinsheim gebracht.
Die Bayern werden sich auf eine intensive Partie gegen die Hoffenheimer einstellen müssen, die sich auch bei einer Niederlage in München mehr als berechtigte Hoffnungen machen dürfen, in der kommenden Saison als einer der funkelnden deutschen Fußball-Sterne in der Königsklasse anzutreten.
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