Weiser-Märchen nach 518 Tagen: Vom Kreuzbandriss zum Matchwinner
Mitchell Weiser hat wohl die emotionalste Geschichte des Bundesliga-Starts geschrieben. Nach mehr als einem Jahr Zwangspause wegen eines Kreuzbandrisses erzielte der Werder-Profi beim 3:2 gegen Augsburg den viel umjubelten Siegtreffer.
19.09.2026 | 21:26 Uhr
518 Tage nach seinem letzten Werder-Tor wurde Mitchell Weiser wieder zum Helden. Sein spätes Siegtor gegen Augsburg krönte ein bemerkenswertes Comeback.
518 Tage, in Worten ein Jahr und fünf Monate oder auch 74 Wochen: Für Mitchell Weiser beschreibt diese Zeitspanne eine Leidenszeit, eine Durststrecke. Sie beschreibt die Zeit seit seinem letzten Treffer für Werder Bremen am 19.04.2025 gegen den VfL Bochum und seinen endgültigen Befreiungsschlag am 19.09.2026 - mit seinem Siegtreffer im späten Spektakel gegen den FC Augsburg.
Auch für Sky Sport Experte Didi Hamann ist diese Geschichte ganz besonders. "Da krieg ich Gänsehaut", so der 53-Jährige bei Alle Spiele - Alle Tore. Weiser hatte nämlich nicht nur seit langem nicht getroffen: Nach einem Kreuzbandriss war der Rechtsverteidiger ab Juli 2025 zu einer Zwangspause verdammt, die insgesamt knapp 14 Monate dauerte.
Erst Einwechslung unter Tränen, dann per Siegtor zur Ekstase
Die emotionale Rückkehr des Mitchell Weisers begann eigentlich am dritten Spieltag dieser jungen Saison, beim 1:1-Unentschieden in Köln. Hier feierte der 32-Jährige sein Comeback nach Einwechslung. Weiser betrat den Platz mit Tränen in den Augen, der in Troisdorf geborene Deutsch-Algerier war so nah an seiner Heimat wieder zurück im Profifußball. "Wo alles angefangen hat für mich in dem Stadion, ist irgendwas hochgekommen", erklärte er nach dem Spiel.
Doch es sollte Weisers zweiter Einsatz nach dem langen Kampf zurück sein, der diese Geschichte zu einem Märchen machte: Gegen den FC Augsburg lag Werder zuhause mit 0:2 zurück, bevor Marco Grüll (62.) und Niclas Füllkrug (86.) die Bremer sensationell zurückbrachten. In der 68. Minute eingewechselt, wurde jedoch Weiser zum Last-Minute-Superhelden. In der zweiten Minute der Nachspielzeit überwand er Finn Dahmen. Sowohl an der Weser als auch bei Weiser selbst brachen alle Dämme.
"Es ist schon eine sehr lange Zeit gewesen. Seitdem ich angefangen habe mit Fußball, war es die längste Zeit. Jeden Tag die Ungewissheit, wann ich wieder auf den Platz kommen kann. Das war einfach hart für mich", erklärte der Siegtorschütze am Mikrofon von Sky Sport, nachdem er mit den Fans ausgiebig auf dem Zaun gefeiert hatte.
Hamann findet große Worte
Auch Hamann kenne das Gefühl: "Das sind einsame Zeiten", so der ehemalige Nationalspieler. "Auf diese Momente arbeitest du dann hin".
"Das macht den Mannschaftssport aus. Er ist ein unglaublich sympathischer Mann. Ich kenne ihn nicht persönlich, aber er macht einen wunderbaren Eindruck. Ein toller Spieler, hätte ja mal weggehen können und sagte aber: 'Nein, ich bleibe bei Werder'. Was für ein Comeback. Und dann das Siegtor zu schießen - schöner geht es nicht!", lobte der Ex-Bayern-Star weiter.
Auch Ex-Profi und Leiter Profifußball bei Bremen, Peter Niemayer, kam am Sky Sport Mikrofon aus dem Loben nicht mehr hinaus: "Ich bin froh, dass Mitchell wieder zurück ist nach einer unheimlich langen Leidenszeit. Er hat immer Gas gegeben, immer dran geglaubt, zurückzukommen. So zurückzukommen, ist Wahnsinn."
Mehr zum Autor Malte Göttlinger
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