Watzke über den BVB: "FC Bayern ist der haushohe Favorit"

Hans-Joachim Watzke ist Präsident von Borussia Dortmund. Im exklusiven Interview mit RTL und Sky Sport spricht Watzke über die Saisonziele des BVB, die Übermacht des FC Bayern, seine Zukunft und FIFA-Präsident Gianni Infantino.

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BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke spricht im exklusiven Interview mit RTL und Sky Sport über die anstehende Saison in der Bundesliga.

Hans-Joachim Watzke hat die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga klar eingeordnet. Der BVB-Boss sieht den FC Bayern München aufgrund der wirtschaftlichen Unterschiede als "haushohen Favoriten". Nach der Kaderverjüngung hofft er auf spektakulären BVB-Fußball.

Hans-Joachim Watzke über ...

... die Ziele des BVB für die neue Saison: "Ja gut, man muss ehrlich sein: Wir haben im vergangenen Jahr eine gute Bundesligasaison gespielt und 73 Punkte geholt. Früher wäre man damit Meister geworden. Heute geht das nicht mehr, weil der FC Bayern alles dominiert. [...] Das können wir bei Borussia Dortmund aber auch nur bedingt ändern, weil sich der Erste und der Zweite Deutschlands ökonomisch so weit auseinanderentwickelt haben. [...] Von daher müssen wir uns nichts vormachen: Bayern München ist der haushohe Favorit."

... über den neuen Kader: "Wir haben versucht, die Mannschaft deutlich zu verjüngen und ihr mehr spielerische Akzente zu geben. Das ist, glaube ich, der sportlichen Leitung bei der Personalauswahl gut geglückt. Aber wir geben natürlich auch ein bisschen Sicherheit auf, weil den Jungs, die wir jetzt geholt haben, vor allem eines fehlt: Erfahrung. [...] Wir wollen die Leute wieder begeistern und vor allen Dingen wieder spektakulären Fußball spielen. Niko Kovac hat das in der vergangenen Saison genau richtig gemacht. Mit dem Personal, das er hatte, hat er in der Bundesliga wirklich das Optimale herausgeholt. Aber es war eben eine andere Mannschaft als die, die jetzt da ist. Da müssen wir ihnen aber auch ein bisschen mehr Geduld entgegenbringen. Das müssen wir auch in Dortmund wieder lernen."

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... über seine zurückgezogene Rolle beim BVB: "Wenn du 20 Jahre lang diese operativen Entscheidungen treffen musst, bist du auch froh, wenn du sie nicht mehr treffen musst. Ich war persönlich froh und erleichtert, dass ich sie nicht mehr treffen musste. Gleichzeitig habe ich großes Vertrauen in diejenigen, die sie jetzt treffen müssen, weil sie mit mir zum Teil schon viele Jahre gemeinsam gegangen sind. Carsten Cramer und ich sind, glaube ich, schon 16 Jahre gemeinsam unterwegs, und Lars Ricken kenne ich auch schon lange. Ole (Book, Anm. d. Red.) ist jetzt dazugekommen. Mir macht diese Rolle sehr viel Spaß. Man muss sich aber auch ein bisschen zurücknehmen können, das ist klar."

Eckdaten der Saison 2026/2027

  • Bundesliga, 1. Spieltag: 28.08.2026
  • Bundesliga, 34. Spieltag: 22.05.2027
  • 2. Bundesliga, 1. Spieltag: 07.08.2026
  • 2. Bundesliga, 34. Spieltag: 23.05.2027
  • DFB-Pokalfinale: 29.05.2027
  • Franz Beckenbauer Supercup: 22. August 2026

... über die finanzielle Differenz zum FC Bayern: "Bayern ist auch der Speckgürtel Deutschlands, das kommt hinzu. Sie machen es aber auch seit 40, 50 Jahren hervorragend. [...] Da fließt natürlich aus Bayern alles rein, weil das jeder damit rechtfertigen kann: Das tun wir ja auch für unser Land. Im Bundesland Bayern fließt vieles Richtung Bayern München. Hier hast du - nicht ganz so erfolgreich, aber trotzdem sehr veritable Traditionsklubs - rechts und links und überall: ob Schalke, Köln oder Gladbach. Das ist eine ganz andere Struktur. [...] Dortmund ist nicht mal eine Landeshauptstadt und keine Metropole. Wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben, und beklagen uns darüber auch gar nicht. Aber wir müssen feststellen: Wir können ökonomisch nicht an den FC Bayern herankommen. Keine Chance."

...über die Einzigartigkeit der Bundesliga im Vergleich: "Es gibt eben auch hier in der Bundesliga Dinge, die es woanders nicht gibt: diese Alleinstellungsmerkmale, wie gesagt, die mit Abstand beste und sozialverträglichste Preisstruktur, die Partizipationsmöglichkeiten und dass das Mitglied wirklich das Gefühl hat: 'Hier kann ich auch etwas bewegen'. Das sind Dinge, die man wertschätzen muss. Man kann nicht alles haben."

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... über Gianni Infantino, seine Nähe zu Trump und seinen Investoren-Plänen: "Meine Haltung ist die der UEFA. Das ist ja klar. Ich muss ganz ehrlich sagen: Das Thema Balogun fand ich genauso problematisch. Die Nähe zu Trump ist mir erst einmal egal. Ich würde sie nicht suchen. Aber wenn er sie sucht - mein Gott. Es kann aber nicht sein, dass ein amerikanischer Präsident ihn anruft und sagt: 'Können wir da nicht irgendwas machen?' Und dann wird das Ding wundersamerweise auf einmal zurückgenommen. Wenn man von der Integrität des Wettbewerbs spricht, ist da natürlich eine elementare Grenze überschritten worden. [...]

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Die Weltmeisterschaft ist ein Goldesel. Da braucht man keinen Investor, das finanziert sich von selbst - und dreimal. Das kann im Prinzip auch keine Einzelentscheidung sein. So etwas kann man nicht im stillen Kämmerlein mit zwei oder drei Leuten machen. Das ist einfach kein Stil. Und das zusammen hat dann diese Wucht erzeugt."

... über einen möglichen Gegenkandidaten gegen FIFA-Präsident Infantino: "Ja gut, wenn man jemanden hätte, dem die Herzen zufliegen würden - nehmen wir an, wir wären 20 Jahre zurück und hätten einen Franz Beckenbauer, den man dazu motivieren könnte - dann wäre das natürlich die Idealkonstellation gewesen. So jemand wie Aleksander Ceferin wäre für mich der ideale Kandidat gewesen. Er hat aber gesagt - und das muss man respektieren - dass seine persönliche Lebensplanung eine andere ist. Es ist jetzt kein Kandidat, bei dem ich sagen würde: Das ist ein Selbstläufer. Man muss mit den anderen Konföderationen sprechen und schauen: Wer hat die größten Chancen? Das ist kein Selbstläufer."

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BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke spricht im exklusiven Interview mit RTL und Sky Sport über die FIFA und die WM 2026.

... über seine Ämtervielfalt: "Nein, das war überhaupt nicht geplant. Das hat sich einfach so ergeben. Irgendwann ist Christian Seifert aus der Liga ausgeschieden, und dann ist man auf mich zugekommen und hat gesagt: 'Komm, du musst das jetzt machen.' Da habe ich gesagt: 'Okay, wenn da kein anderer ist, dann mache ich das.' Dadurch wirst du automatisch Erster Vizepräsident beim DFB. Und dann sagt der DFB natürlich: 'Es wäre schön, wenn neben Bernd Neuendorf noch ein Zweiter aus Deutschland da ist.' Deutschland ist das einzige Land in Europa, das in den beiden wichtigsten Gremien - UEFA-Exekutivkomitee und FIFA Council - zwei Leute hat. Alle anderen 54 haben maximal einen. Dann sagst du: 'Okay, wenn das für den deutschen Fußball gut ist, dann mache ich das auch noch.' Und auf einmal bist du mittendrin. [...]

Das Schönste für mich war die ganze Woche über, wenn ich ein- oder zweimal beim Training vorbeigeschaut, den Rasen gerochen und die Spieler gesehen habe. Dafür habe ich Fußball gemacht. Jetzt muss ich noch ein paar Jahre diese eigentlichen Funktionärsthemen machen. Es wird aber nicht mehr ewig sein. Für mich ist es immer viel schöner, einen Verein zu führen und nahe am Sport zu sein, als den ganzen Tag mit irgendwelchen Sitzungen umzugehen."

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... über seine nächsten Jahre: "Nach meiner jetzigen Planung ist 2029 mit allem anderen Schluss. [...] Wahrscheinlich kann ich 2029 ohnehin nicht mehr für das Amt des Bundesliga-Präsidenten kandidieren, weil ich bei Borussia Dortmund kein operatives Amt mehr habe. Dann sollten alle Themen erledigt sein - abgesehen davon, ob ich noch einmal für das Amt des BVB-Präsidenten kandidiere oder nicht. Das weiß ich nicht. Wenn ich das Gefühl habe, dass der ganze Verein das möchte, dann kann man sicherlich mit mir reden. An den anderen Dingen hänge ich nicht. Was dann übrig bleibt? Mein Gott, das sollen andere machen. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich versuche immer, für mich das Beste daraus zu machen. Das wird einigen Leuten gefallen, anderen weniger."

... über seine Stimmung vor dem ersten Saisonspiel: "Ja, mit positiverer Stimmung als früher. Ich genieße es jetzt schon, dass ich diese letzte Verantwortung nicht mehr habe. Du hast 20 Jahre lang das Gefühl gehabt, wirklich für alles verantwortlich gemacht zu werden und an allem schuld zu sein. [...] Diese Verantwortung hat mich extrem belastet und mir auch viel Freude genommen. Natürlich ist immer noch Druck da, aber nicht mehr so viel wie früher. Und wenn es schiefgeht, mache ich es notfalls wie alle anderen und schimpfe auf die, die die Entscheidungen treffen müssen. Nein, ein Scherz. Aber es ist einfach ein bisschen weniger Druck. Deshalb freue ich mich immer auf den ersten Spieltag."

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