BVB News: Bauchschmerzen trotz Platz zwei: Der BVB kann nur bedingt zufrieden sein
Bauchschmerzen trotz Platz zwei: Der BVB kann nur bedingt zufrieden sein
19.12.2021 | 15:05 Uhr
So hat sich der BVB seinen Jahresausklang nicht vorgestellt. Seit dem Bayern-Spiel scheint die Luft raus. Platz zwei ist gut, der Anspruch war aber ein anderer. Was sind die Gründe?
"Nicht vergessen", sagte BVB-Trainer Marco Rose nach der 2:3-Pleite gegen Hertha auf der Pressekonferenz Samstagabend, "wir sind Tabellenzweiter". Rose war sich bewusst, dass der Sturm der Kritik an der Performance seines Teams noch kommen würde. Wie schon in den vergangenen Wochen bot seine Mannschaft auch gegen die Berliner wieder viel Angriffsfläche zur Beanstandung. Ob seine Erinnerung deshalb fruchtet, werden die kommenden Tage zeigen, darf aber bezweifelt werden.
Punktetechnisch eine sehr gute Hinrunde
Ja, Borussia Dortmund hat in der Bundesliga eine gute Hinrunde gespielt. 34 Punkte nach 17 Spieltagen hätte man in Dortmund in vier der vergangenen fünf Spielzeiten sofort unterschrieben. In diesem Zeitraum holte der BVB nur 2018/19 (42) bis zu diesem Zeitpunkt mehr Punkte.
Gerade zu Hause ist der BVB eine Bank und gewann acht der neun Heimspiele. Lediglich gegen den FC Bayern klappte es bekanntermaßen auf durchaus enge Art und Weise nicht. Seitdem wirkt es so, als wäre beim BVB zumindest in der Liga der Wurm drin. Remis gegen Bochum, eine durchwachsene Leistung gegen Fürth, jetzt die Niederlage in Berlin. Aus möglichen neun Punkten zum Saisonfinale blieben fünf auf der Strecke.
Matthäus gratuliert Bayern
Ohne diese Punkte scheint sich Dortmund aus dem Titelrennen so gut wie verabschiedet zu haben. Sky Experte Lothar Matthäus sagte nach dem Top-Spiel: "Man kann den Bayern ‚Glückwunsch zur Meisterschaft' sagen." Das möchten die Anhänger einer spannenden Bundesliga und erst recht die Anhänger des BVB gar nicht hören. Die Dortmunder haben sich in den vergangenen Tagen selbst um eine gute Ausgangsposition für die Rückrunde gebracht.
Das mag an vielen verschiedenen Faktoren liegen. Manche von ihnen sind aber ganz offensichtlich. Da wären zum Beispiel die gegnerischen Stadien, die in den Dortmundern nicht zu selten eine Blockade auszulösen scheinen. Drei Siege in neun Spielen und nur ein Erfolg in den vergangenen vier Auswärtspartien sind für einen Titelaspiranten einfach zu wenig. Das weiß auch Torwart Marwin Hitz: "Es ist klar, dass du, wenn du angreifen willst, auswärts Punkte holen musst." Dass sie das nicht können, mache sie unzufrieden, was man den Auswärtsspielen auch anmerke, so Hitz.
Individuelle Fehler und Haaland-Abhängigkeit
In den letzten Wochen kamen dann auch noch einige individuelle Fehler, wie Hummels Querschläger gegen die Bayern, Kobels Elfer-Foul gegen Bochum oder Brandts Querpass vor der Abwehr gegen die Hertha dazu. Die Dortmunder machen sich das Leben dadurch zu häufig selbst schwer. Auf dem Niveau, auf dem der BVB spielen möchte, sind das zu viele vermeidbare Schnitzer. Das bemängelte auch Trainer Rose nach dem Spiel: "Wir führen bei schwierigen Bedingungen mit 1:0 und schenken dann Tore her."
Diese Fehler kann auch ein Erling Haaland nicht immer kompensieren. Bekommt der Norweger seine PS nicht auf den Platz, dann sieht es für den BVB düster aus. Gegen Berlin fehlte es in seinem Spiel an vielem, was er sonst zu bieten hat. Allem voran seine Torgefahr und die Möglichkeit seine Mitspieler zu pushen. Haaland gab nur einen Torschuss ab.
"Das war nicht Erling Haaland", analysierte Matthäus nach dem Spiel. Er habe alles gezeigt, was der Sky Experte nicht von ihm sehen wolle: "Unzufriedenheit, er hat nicht leidenschaftlich gekämpft, er hat sich provozieren lassen, hat dann provozieren wollen. Ich hoffe, dass das eine Eintagsfliege war." Was man schon während Haalands Verletzung beobachten konnte: eine adäquate Alternative gibt es - trotz Tigges' Anschlusstreffer - beim BVB nicht.
Abwehr-Sorgen durch Personalengpässe
Nun gehen die Dortmunder mit Bauchschmerzen in die kurze Winterpause. Möglicherweise reichen die Feiertage, um den einen oder anderen Spieler aus dem Lazarett zu holen. Immer wieder hat Dortmund mit Verletzungen zu kämpfen. Haaland, Reyna, Akanji, Guerreiro, Hummels. Die Liste derer, die einige Spiele verletzt ausfielen oder schon länger mit Blessuren zu kämpfen haben ist lang und prominent. Gerade die Defensive kann ein Lied davon singen. Das resultiert schließlich in 26 Gegentoren. Zu viele in nur 17 Spielen. Dass die Dortmunder versuchen, das nicht als Ausrede gelten zu lassen, ist ehrenwert. Trotzdem kämpft Rose immer wieder mit dem fehlenden Personal.
Man wollte sich mit einem guten Gefühl auf die Rückrunde vorbereiten. Das ist nun dahin. In der Champions League lief es "scheiße" (O-Ton Michael Zorc), in der Bundesliga ist die Titelchance mittlerweile verschwindend gering. Droht der Mannschaft, dessen Haltung Rose am Samstag kritisierte, möglicherweise ein Motivationsproblem? Zwei Ziele sind bereits verfehlt. Die Augen richten sich nun auf die Europa League und den DFB-Pokal. In der Bundesliga wird wohl kein Team den Dortmundern den zweiten Platz streitig machen. Damit kann man zufrieden sein, das ist auch sicherlich keine schlechte Leistung. Doch am Ende hat man sich das beim BVB doch ganz anders vorgestellt.
Mehr zu den Autoren und Autorinnen auf skysport.de
Alles zur Bundesliga auf skysport.de:
Alle News & Infos zur Bundesliga
Spielplan zur Bundesliga
Ergebnisse zur Bundesliga
Tabelle zur Bundesliga
Videos zur Bundesliga
Liveticker zur Bundesliga
Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.