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Fabian Hürzeler über Brighton, Arsenal und die Mission, das Establishment herauszufordern

Fabian Hürzeler spricht im exklusiven Sky Sport Interview über den Comeback-Sieg im Old Trafford, Brightons Entwicklung in der Premier League und seine langfristige Mission, die etablierten Topklubs herauszufordern.

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Fabian Hürzeler steht vor dem 6. Spieltag der Premier League mit Brighton auf Tabellenplatz sechs. Der Ex-Paulianer sieht sein Team allerdings bestens aufgestellt und erklärt, warum er es als ''beste Mannschaft im Lande'' sieht.

Der Sieg bei Manchester United hat Fabian Hürzeler in seiner Arbeit bestätigt. Vor dem Duell mit Meister Arsenal spricht der Brighton-Coach bei Sky Sport über Glauben, Charakter und die Entwicklung seiner Mannschaft. Außerdem erklärt der 33-Jährige, warum seine Mission längst nicht beendet ist und weshalb er in Luka Vuskovic einen außergewöhnlichen Spieler sieht.

Sky Sport: Fabian, man sagt ja, man ist immer nur so gut wie sein letztes Spiel. Deshalb beginnen wir mit eurem jüngsten Auftritt: Was sagt es über eine Mannschaft aus, wenn sie im Old Trafford einen 0:2-Rückstand aufholt und am Ende gewinnt? Unabhängig davon, dass im Carabao Cup manchmal eigene Gesetze gelten.

Fabian Hürzeler: Wir haben vor dem Spiel viel über Glauben gesprochen. Wenn du ins Old Trafford fährst, brauchst du den Glauben an dich selbst, an deine Mitspieler, an deine eigene Qualität, an unser System, unsere Prinzipien und unsere Werte. Und wenn du dann mit zwei Toren zurückliegst, ist das Wichtigste, diesen Glauben nicht zu verlieren. Der zweite Punkt ist Charakter. In solchen Situationen gibt es zwei Wege: Entweder du wirst komplett wild und jeder macht sein eigenes Ding. Oder du bleibst bei deinem Matchplan, bleibst ruhig und gelassen und vertraust dir selbst. Diese beiden Dinge waren für uns unglaublich wichtig. Als Mannschaft profitieren wir zudem davon, dass die Verbindung zwischen den Spielern immer besser wird. Sie lernen sich auf und neben dem Platz zunehmend kennen und vertrauen einander. Diese Verbindung ist extrem wichtig.

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Carabao Cup, 3. Runde: Kapitän Pascal Groß hat Brighton zu einem wichtigen Sieg im Old Trafford geführt. Das Team von Fabian Hürzeler gewinnt bei Manchester United mit 3:2 und wirft Englands Rekordmeister aus dem Wettbewerb.

Sky Sport: Bereitest du deine Mannschaft vor einer Partie ausdrücklich auf solche Szenarien vor? Eigentlich möchte man ja gar nicht darüber sprechen, dass man möglicherweise in Rückstand geraten könnte.

Hürzeler: Nein, die Idee ist definitiv nicht, mit zwei Toren zurückzuliegen! Aber unabhängig davon, ob du führst oder zurückliegst, brauchst du immer den Glauben daran, dass du das Spiel gewinnen kannst. Gerade gegen individuell hervorragend besetzte Mannschaften, gegen ein Top-3-Team der Premier League, ist das entscheidend. Unabhängig von System und Taktik musst du an dich selbst und an deine Mannschaft glauben. Deshalb wird das immer ein Thema sein, wenn wir gegen die Großen spielen.

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Premier League, 4. Spieltag: Brighton gewinnt gegen Coventry City mit 5:0. Nationalspieler Pascal Groß trifft zum zwischenzeitlichen 3:0 per Elfmeter und bereitet zwei weitere Tore seiner Mitspieler vor.

Sky Sport: Einer meiner Lieblingssätze von dir lautet: "Das Establishment herausfordern." Das klingt wunderbar nach Revolution. Wie weit bist du mit deiner Mission? Wie fällt die Zwischenbilanz nach gut zwei Jahren aus?

Hürzeler: Ich glaube, dass diese Mission niemals wirklich abgeschlossen sein wird. Es ist ein ständiger Prozess. Es wird immer Entwicklungsbedarf geben, immer Phasen, in denen es gut läuft, und Phasen, in denen es weniger gut läuft. Entscheidend ist für uns, Konstanz in unsere Leistungen zu bekommen. Und Konstanz bedeutet nicht nur, gegen die Topteams gut zu spielen. Wir müssen auch gegen die Mannschaften konstant sein, gegen die von uns erwartet wird, dass wir gewinnen. In den Spielen, in denen wir der klare Favorit sind. Das Establishment herauszufordern bedeutet eben nicht nur, in den direkten Duellen mit den Großen zu bestehen. Du musst auch die Spiele gewinnen, die du gewinnen musst. Diese Konstanz zu entwickeln, wird unsere Herausforderung sein.

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Sky Sport: Hast du eigentlich noch das Gefühl, dass euch die anderen als Herausforderer betrachten? Oder begegnen sie Brighton inzwischen auf Augenhöhe?

Hürzeler: Ich glaube schon, dass Brighton immer mehr zu einem Gegner wird, gegen den es unangenehm ist zu spielen. Genau das wollen wir sein. Wir wollen eine Mannschaft sein, die schwer zu besiegen ist, unabhängig davon, ob wir zu Hause oder auswärts spielen. Schwer zu besiegen, weil wir eine klare Identität haben. Weil wir intensiv gegen den Ball arbeiten und mit dem Ball mutig und spielbestimmend auftreten wollen. Wir wollen eine Mannschaft sein, die der Gegner spürt. Bei der er weiß: Das wird nicht einfach. Das war meine Herausforderung, als ich hier angefangen habe. Ich glaube, dass wir diesem Ziel Schritt für Schritt näherkommen. Sind wir schon am Ende? Nein. Es gibt immer Potenzial, das wir noch entwickeln können. Aber gemeinsam mit unseren Fans und unserer Spielidee entwickeln wir etwas. Wir werden zunehmend als eine Mannschaft wahrgenommen, die schwer zu besiegen ist.

Sky Sport: Du bist mittlerweile der fünftdienstälteste Trainer der Premier League. Früher wurde ständig über dein junges Alter gesprochen. Jetzt gehörst du plötzlich schon zu den Alteingesessenen. Unfassbar, oder?

Hürzeler: Daran sieht man, wie schnelllebig dieses Geschäft ist. Deshalb ist es extrem wichtig, bescheiden und bodenständig zu bleiben. Ich weiß, dass es ein Privileg ist, bei Brighton und in der Premier League, der besten Liga der Welt, arbeiten zu dürfen. Gleichzeitig brauchst du aber auch ein gewisses Selbstvertrauen und eine gewisse Selbstsicherheit. Du musst wissen, dass das, was du machst, richtig ist und dass du auf dem richtigen Weg bist. Es geht darum, die Balance zu finden: bescheiden bleiben, weiter hart arbeiten, aber gleichzeitig das Vertrauen in den eigenen Weg behalten.

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Sky Sport: Das ist eine schmale Linie zwischen Bescheidenheit und dem notwendigen Selbstbewusstsein. Sonst wirst du in dieser Liga schließlich aufgefressen. Jetzt steht das Wiedersehen mit Mikel Arteta an, dem Meistertrainer, mit dem du beim letzten Auftritt von Arsenal hier ein wenig aneinandergeraten bist. Ihr habt die Sache geklärt. Unter welchen Vorzeichen begegnet ihr euch jetzt?

Hürzeler: Das ist Vergangenheit. Unterschiedliche Meinungen gehören zum Fußball dazu. Am Ende ist Arsenal verdient Meister geworden, und ich habe ihnen zur Meisterschaft gratuliert. Jetzt beginnt eine neue Saison, wir fangen alle wieder bei null an. Wir wissen, dass Arsenal im Moment wahrscheinlich die beste Mannschaft des Landes ist. Deshalb wird es eine große Herausforderung, gegen sie zu bestehen. Aber wir gehen mit genau dem Vertrauen in dieses Spiel, über das wir gerade gesprochen haben. Wir vertrauen auf unsere eigene Stärke, konzentrieren uns auf unser Spiel und freuen uns auf eine gute Partie.

Sky Sport: Was gefällt dir an Artetas Fußball besonders?

Hürzeler: Dass er erfolgreich ist! Das kann man definitiv sagen. Er hat viel Zeit bekommen. Und daran sieht man, was im Fußball möglich ist, wenn ein Trainer langfristig arbeiten darf. Natürlich brauchst du auch die finanziellen Mittel, um eine solche Mannschaft aufbauen zu können. Aber am Ende ist es der Trainer, der dafür verantwortlich ist, aus dieser Mannschaft ein erfolgreiches Team zu machen. Und das hat Arteta auf sehr eindrucksvolle Weise geschafft. Davor kann man nur den Hut ziehen.

Sky Sport: Wer in der Premier League erfolgreich sein will, muss wahrscheinlich so pragmatisch wie möglich sein. Vielleicht sogar so eklig wie möglich. Hast du als Freund des Jogo Bonito, des schönen Fußballs, in dieser Hinsicht noch Nachholbedarf?

Hürzeler: Wir passen uns da teilweise tatsächlich an. Wir wollen auch eine Mannschaft sein, die eklig ist. Und ich glaube, dass wir uns in den vergangenen zwei Jahren in dieser Hinsicht extrem weiterentwickelt haben. Es geht nicht nur um das Spiel mit dem Ball. Das Spiel gegen den Ball und die Standardsituationen sind genauso wichtig. Das ist eine Entwicklung, die wir in der Premier League beobachten. Deshalb darfst du nicht stur sein und ausschließlich an deiner eigenen Identität festhalten. Du musst bereit sein, gewisse Dinge anzupassen. Das ist auch eine klare Botschaft an unsere Mannschaft: Im modernen Fußball musst du in allen Spielphasen gut sein. Bei Einwürfen, Eckbällen, Freistößen und im Spiel gegen den Ball. Wir wollen auch dort bestimmte Schlüsselfaktoren sehen. Und da haben wir uns definitiv weiterentwickelt.

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Sky Sport: Ist das also gewissermaßen die Erweiterung deiner ursprünglichen Spielidee?

Hürzeler: Die Gegner müssen uns spüren! Sie müssen in jedem Spiel merken, dass da eine Mannschaft kommt, die ihnen wehtun kann. Das wird immer eine Grundlage des Fußballs bleiben. Es wird immer persönliche Duelle geben, immer wieder Eins-gegen-eins-Situationen: du gegen deinen Gegenspieler. Diese Duelle müssen wir gewinnen. Sie sind die Basis unseres Spiels.

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Sky Sport: Wer gegen Luka Vuskovic spielen muss, der spürt den Gegner vermutlich auch ziemlich deutlich. Vergnügungssteuerpflichtig dürfte das jedenfalls nicht sein. Luka ist erst 19 Jahre alt. Wie weit ist er auf dem Weg, sein enormes Potenzial auszuschöpfen?

Hürzeler: Er ist extrem weit, weil er eine ganz besondere Einstellung mitbringt. Er will sich jeden Tag verbessern. Unabhängig davon, ob es der Tag nach einem Spiel ist, der Tag davor oder der Spieltag selbst: Er will sich immer weiterentwickeln. Diese Einstellung haben nur sehr wenige Spieler in seinem Alter. Das spricht für seine Reife. Natürlich siehst du in manchen Situationen noch, dass er sehr jung und unerfahren ist. Ihm fehlt noch eine gewisse Konstanz in seinen Leistungen. Aber grundsätzlich hat er das Potenzial, ein absoluter Topspieler zu werden. Auch weil er einen herausragenden Charakter hat. Er integriert sich extrem gut in die Mannschaft und übernimmt für sein Alter teilweise schon sehr viel Verantwortung. Das spricht einfach für ihn. Deshalb sind wir sehr froh, ihn zu haben.

Sky Sport: Eine ziemlich beeindruckende Familie. Hast du mitbekommen, wie sein Bruder Mario jetzt in Hamburg empfangen worden ist?

Hürzeler: Ja. Ich habe mich auch lange mit seiner Mutter unterhalten, als die Familie hier war und wir unsere Gespräche geführt haben. Dabei hat man sofort gemerkt, wie sportbegeistert diese Familie ist. Der Vater ist Trainer und steht total hinter seinen beiden Söhnen. Es ist auch schön zu sehen, wie Luka seinen Bruder unterstützt. Natürlich bekommt man mit, welche Euphorie in Hamburg entstanden ist. Mario beim ersten Training mit, ich glaube, 8000 Zuschauern im eigenen Stadion zu empfangen, das ist etwas Besonderes. Es zeigt, wie Fußball Menschen verbindet, welche Emotionen er hervorruft und welche Verbindungen dadurch entstehen können. Deshalb verfolgt man diese Familie natürlich besonders. Man merkt einfach, wie emotional sie mit dem Fußball verbunden ist.

Sky Sport: Die beiden Brüder wollen unbedingt noch einmal zusammen Fußball spielen. Beim HSV dürfte das allerdings etwas schwierig werden. Du glaubst, dass Mario sogar stärker zurückkommen kann, als er vor seiner Pause war. Du ahnst wahrscheinlich, worauf ich hinauswill: Habt ihr ihn im Blick? Wäre er ein Spieler, den ihr auch hier gebrauchen könntet?

Hürzeler: Ich glaube, wenn die Zahlen gut sind, kann alles passieren. Wir wissen, dass wir ein sehr datenbasiertes Scouting haben. Jetzt liegt es aber zunächst an Mario, wieder reinzukommen und gute Leistungen zu zeigen. Das wünschen wir ihm. Wir wünschen ihm nach dieser wirklich langen Pause einen super Start. Was ich gehört habe, ist er körperlich auf höchstem Niveau. Das spricht für ihn. Deshalb hoffe ich, dass er gut startet. Und dann schauen wir, was passiert.

Sky Sport: Apropos körperlich höchstes Niveau: Pascal Groß scheint einen zweiten Frühling zu erleben. Was ist das für ein Typ, dass man ihn selbst in diesem Alter noch so verlässlich als stabiles Element einplanen kann?

Hürzeler: Er hört einfach nicht auf! Es ist unglaublich, welche intrinsische Motivation er mitbringt. Wenn du mit ihm über seinen Urlaub sprichst, erzählen andere davon, an welchem Strand sie gelegen haben und was sie alles unternommen haben. Pascal erzählt dir, welches Rennen er auf irgendeiner Insel gelaufen ist. Das ist besonders. Er kann einfach nicht stillsitzen. Er muss etwas tun, laufen, Padel spielen, sich irgendwie bewegen. Das siehst du an seiner Fitness und natürlich auch im Spiel. Vielleicht ist er nicht der dynamischste Spieler, aber er bringt eine unglaubliche Physis mit. Er läuft einfach immer mehr als sein Gegner. Im Englischen sagt man: "Outwork, outrun." Du musst mehr arbeiten und mehr laufen als dein Gegner. Genau das macht Pascal in jedem Spiel. Und das alle zwei, drei Tage. Dazu kommt, dass er das Spiel unheimlich gut versteht. Ich glaube, dass er einmal ein sehr guter Trainer wird. Er denkt mit, versteht Zusammenhänge und kann auf dem Platz ein verlängerter Arm des Trainers sein. Auch für mich.

Sky Sport: Du schätzt an ihm also weit mehr als seine fußballerischen Qualitäten?

Hürzeler: Absolut. Der dritte Punkt, den ich hervorheben möchte, ist seine Rolle als sozialer Führungsspieler. Pascal ist für mich ein "Social Leader". Er bringt die unterschiedlichen Generationen und Nationalitäten zusammen, die wir hier in der Mannschaft haben. Er ist sehr gut darin, Dynamiken und Prozesse zwischen Menschen zu erkennen. Er versteht, was zwischen unterschiedlichen Generationen oder Nationalitäten passiert, und schafft es, diese Menschen zusammenzubringen. Das ist für einen Verein wie Brighton unglaublich viel wert.

"Jürgen Klopp ist ein Toptrainer, aber auch kein Magier"

Sky Sport: Für die deutsche Nationalmannschaft ist Pascal Groß diesmal nicht nominiert worden. Dafür hat Jürgen Klopp gleich 44 andere Spieler berufen. Hat dich dieses ungewöhnliche Auswahlkonzept überrascht?

Hürzeler: Ich war bei diesem Auswahlprozess nicht dabei. Deshalb gehe ich davon aus, dass sie sich etwas dabei gedacht haben. Wir müssen jetzt abwarten, wie das Ganze abläuft. Grundsätzlich wollen wir natürlich immer, dass unsere Spieler dabei sind. Wir wissen, dass Pascal Groß auf höchstem Niveau Fußball spielt. Deshalb hätten wir ihm eine Nominierung selbstverständlich gewünscht.

Sky Sport: Unabhängig davon schlägt in deiner Brust ja auch ein deutsches Fußballherz. Bist du zuversichtlich, dass mit Jürgen Klopp jetzt ein neuer Aufbruch bei der Nationalmannschaft gelingt?

Hürzeler: Ich glaube, dass in den ersten Monaten bereits etwas entstanden ist, obwohl die Nationalmannschaft unter ihm noch gar keinen Fußball gespielt hat. Man spürt eine gewisse Euphorie, ein neues Gefühl der Verbundenheit. Zwischen der Mannschaft, den Vereinen, den Trainern und Jürgen Klopp. Aber natürlich auch zwischen den Fans und der Nationalmannschaft. Ich glaube schon, dass in dieser kurzen Zeit etwas entstanden ist. Jetzt kommt es darauf an, was das auf dem Platz bedeutet. Wie schnell schaffen wir es, diese Identität auch auf dem Spielfeld wiederzuerkennen? Wir haben mit Jürgen Klopp einen absoluten Toptrainer. Ich traue ihm sehr viel zu. Aber am Ende ist natürlich auch er kein Magier. Er muss es schaffen, wieder einen gewissen Stolz, eine Verbundenheit und eine klare Identität auf den Platz zu bringen. Wofür stehen wir als Deutsche? Wofür wollen wir als Deutschland stehen? Ich glaube, wenn das gelingt, kann es sehr gut werden.

"Wir haben uns im Mannschaftsbus durchgesetzt und Zverev geschaut"

Sky Sport: Zum Abschluss noch ein kleiner Seitensprung. Du bist ein Fan von absoluter Höchstleistung und selbst ein begeisterter Padel-Spieler. Wie hast du den Sieg von Alexander Zverev in New York verfolgt? Hat dich das interessiert, vielleicht sogar inspiriert?

Hürzeler: Ich war vor drei Jahren zum ersten Mal bei den French Open und habe dort auch ein Spiel von ihm verfolgt. Seitdem bin ich immer mehr zum Tennisfan geworden. Das Finale in New York haben wir tatsächlich auf der Heimfahrt von unserem Spiel im Mannschaftsbus angeschaut. Natürlich hatten wir nicht nur Zverev-Fans an Bord. Es waren ja auch viele Engländer dabei. Aber am Ende haben wir uns durchgesetzt und konnten dieses besondere Highlight verfolgen. Es ist ein besonderer Weg, den Zverev gegangen ist, und ein besonderes Jahr für ihn. Hut ab vor dem, was er geleistet hat! Hoffentlich schafft er es, zum Jahresende noch die Nummer eins der Welt zu werden.

Sky Sport: Moment mal: Bestimmst du als Trainer etwa nicht, was im Mannschaftsbus im Fernsehen läuft?

Hürzeler: Nein! Einer muss es zwar bestimmen, aber ich bin nicht derjenige. Natürlich sollen auch andere Leute ihre Meinung haben dürfen. Aber wir wollten Zverev unterstützen. Deshalb haben wir uns am Ende durchgesetzt. In den Pausen haben wir mal kurz umgeschaltet, aber größtenteils lief das Tennisfinale.

Sky Sport: Bleiben wir beim Tennis und kommen zu den psychologischen Kniffen. Ist dir aufgefallen, wie häufig Zverev vor seinem zweiten Aufschlag den Ball auftippt? Das ist in Deutschland ein größeres Thema geworden. Wie wichtig sind auf absolutem Spitzenniveau solche Kleinigkeiten, mit denen man möglicherweise auch den Gegner aus der Balance bringen kann?

Hürzeler: Ich glaube gar nicht, dass es ihm in erster Linie darum geht, den Gegner aus der Balance zu bringen. Wir sprechen hier in unserem Umfeld beispielsweise sehr viel über das tägliche Verhalten. Auf Englisch nennen wir das "Daily Behavior". Denn tägliche Verhaltensweisen schaffen Gewohnheiten. Und diese Gewohnheiten sorgen wiederum für eine gewisse Konstanz in deinen Leistungen. Ich glaube, dass Zverev mit seiner Routine genau das verfolgt. Er hat bestimmte Verhaltensweisen, aus denen Gewohnheiten entstehen. Und diese Gewohnheiten helfen ihm, konstant seine Leistung abzurufen. Wenn er damit zusätzlich seinen Gegner beeinflusst, nimmt er das wahrscheinlich gerne mit. Aber im Kern geht es darum, den Fokus auf sich selbst zu richten. Auf das, was man selbst beeinflussen kann.

Sky Sport: Ein Ansatz, den du auch auf deine Mannschaft überträgst?

Hürzeler: Ja, wir machen das hier sehr ähnlich. "Daily behavior creates habits, habits create consistency." Das bedeutet: Dein tägliches Verhalten schafft Gewohnheiten, und Gewohnheiten schaffen Konstanz. Gerade für Einzelsportler ist das unglaublich wichtig. Du musst dich in den entscheidenden Momenten auf dich selbst und auf deine nächste Aktion konzentrieren. Denn das ist das, was du beeinflussen kannst. Im Mannschaftssport ist es ganz ähnlich. Es gibt bestimmte Dinge, die wir nicht kontrollieren können. Aber wir können unser tägliches Verhalten kontrollieren. Wie verhalten wir uns auf dem Platz? Wie reagieren wir, wenn wir den Ball verlieren? Wie verhalten wir uns in der Vorbereitung? Wir müssen uns immer fragen: Was können wir tatsächlich beeinflussen? Und genau diese Dinge müssen wir maximal gut machen. Denn dadurch können wir es schaffen, unsere Leistungen konstant abzurufen.

"Gegenpressing ist für uns nicht verhandelbar"

Sky Sport: Kannst du ein konkretes Beispiel nennen? Etwas, das ein Spieler jeden Tag machen muss, das du beobachtest und gegebenenfalls korrigierst? Vielleicht sogar, wie sich jemand in der Mannschaftsküche verhält?

Hürzeler: Das einfachste Beispiel kann ich dir auf dem Trainingsplatz geben. Wir gestalten unsere Übungen so, dass du immer auf etwas reagieren musst. Das beginnt schon beim Aufwärmen. Du musst auf eine bestimmte Aktion reagieren. Danach geht es ins Rondo, also in eine Ballbesitzübung. Auch dort musst du reagieren. Selbst im einfachen Passspiel kannst du das einbauen. Wenn ein Fehler passiert, muss eine Reaktion folgen. Und wenn die Spielformen oder Trainingsübungen größer werden, setzt sich dieses Prinzip fort. Es gibt immer einen Moment, in dem du reagieren musst. Dadurch trainierst du permanent das Gegenpressing.

Sky Sport: Du trainierst also nicht nur eine taktische Verhaltensweise, sondern versuchst, daraus einen Automatismus zu machen?

Hürzeler: Genau. Ich glaube, Gegenpressing ist etwas, das du immer machen kannst. Unabhängig davon, ob du an diesem Tag gut oder schlecht drauf bist. Das kannst du selbst kontrollieren. Deshalb ist Gegenpressing für uns nicht verhandelbar. Ein "Non-Negotiable", wie man im Englischen sagt. Und daraus kannst du eine Gewohnheit machen, indem du es jeden Tag trainierst. Das kannst du sogar im Kraftraum machen. Du kannst solche Verhaltensweisen in allen möglichen Situationen auf und neben dem Platz trainieren. Wenn du daraus eine echte Gewohnheit entwickelst, hilft dir das später im Spiel.

Sky Sport: Weil die Spieler dann selbst an einem schlechten Tag noch auf etwas zurückgreifen können, das zuverlässig funktioniert?

Hürzeler: Genau das ist der Punkt. Dann wissen die Spieler: Okay, heute habe ich vielleicht keinen Top-Tag. Aber ich weiß, dass mich unser Gegenpressing im Spiel hält. Ich weiß, dass wir darin maximal gut sind. Wenn du eine Topmannschaft schlagen willst, wenn du mehr arbeitest und mehr läufst als dein Gegner, dann erhöhst du einfach die Wahrscheinlichkeit, dass du Spiele gewinnst. Das sind für mich absolute Grundlagen. Und genau das ist ein Beispiel dafür, wie du durch dein tägliches Verhalten bestimmte Gewohnheiten entwickeln kannst.

Am Samstag spielt Fabian Hürzeler mit Brighton & Hove Albion gegen Arsenal London (Anstoß: 16:00 Uhr). Zu sehen ab 15:50 Uhr auf SKY Sport Premier League.

Mehr zum Autor Sven Toellner

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