Marvin Schwäbe über Kölns Verletzungspech, das Gladbach-Derby und Jonas Urbig
Kölns Torwart spricht bei Sky Sport über den Saisonstart der Domstädter und das Derby gegen Borussia Mönchengladbach (So., 15:30 Uhr im Liveticker).
07.10.2026 | 13:39 Uhr
Schwäbe äußert sich auch zu seinen Plänen für die Zukunft und spricht über die Entwicklung seines ehemaligen Kölner Teamkollegen Jonas Urbig.
Sky Sport: Herr Schwäbe, wenn Sie auf die ersten Wochen dieser Saison schauen, wie bewerten Sie den Saisonstart des 1. FC Köln insgesamt?
Marvin Schwäbe: Punktuell vielleicht ein bisschen durchwachsen, aber keineswegs schlecht. Ich finde auch, dass unsere Leistungen in dem einen oder anderen Spiel eher individuell dafür gesorgt haben, dass wir weniger Punkte haben, als wir hätten haben können. Wir hatten zum Beispiel gegen Bremen und auch in der ersten Hälfte in Hamburg Spiele, wo wir sagen, hey, da dürfen wir auf gar keinen Fall Punkte liegen lassen. Deswegen tut es weh, aber vier Punkte ist jetzt auch keine schlechte Ausbeute.
Sky Sport: Das ist typisch Köln, sobald man zwei, drei Spiele gewinnt. Alle sind himmelhochjauchzend, reden von der Champions League. Wenn du mal zwei Spiele verlierst, ist sofort wieder alles in Grund und Boden gespielt. Nimmt man das noch wahr oder ist das mittlerweile eine Kritik, die gerade an erfahrenen Spielern wie Ihnen abprallt?
Schwäbe: Man nimmt das schon wahr, aber man kann es anders einordnen. Vor vier, fünf Jahren, als ich herkam, war es schon so, dass man gesagt hat „oh, das ist sehr emotional, was die Stadt und den Klub ausmacht." Der Standort an sich ist einfach super, es macht sehr viel Spaß und klar, wir brauchen nicht drumherum zu reden: Wenn wir zwei Spiele verlieren, spielen wir gegen Abstieg, wenn wir zwei gewinnen, spielen wir oben mit. Aber ich glaube, man weiß trotzdem, auf welchem Stand man ist und dass der Saisonbeginn nie einfach ist. Man weiß nicht, wo man genau steht, wo die anderen Mannschaften stehen. Das macht es nicht einfacher und ich glaube trotzdem, dass es so weit in Ordnung ist.
Schwäbe über Ausfälle im Sturm: "Werden etwas umbauen müssen"
Sky Sport: Mit Thijs Dallinga und Ragnar Ache fallen gleich zwei Stürmer verletzungsbedingt aus, Dallinga sogar langfristig. Wie groß sind diese Verluste für die Mannschaft?
Schwäbe: Das tut einem erstmal für den Teamkollegen persönlich sehr leid, für ihn als Menschen. Auch eine Frau zu Hause mit zwei ganz kleinen Kindern ist in der Phase für Thijs nicht einfach, er kommt in ein neues Land und hat dann jetzt nach ein paar Monaten die Diagnose auf dem Tisch liegen. Von daher wünscht man dann nur erstmal alles Gute, und bei Reggie (Ache, Anm. d. R.) wissen wir, dass er relativ zeitnah auch wieder zur Mannschaft zurückstoßen kann oder mit dabei sein kann. Wir werden schon Qualität haben, aber wir werden wahrscheinlich schon ein bisschen umbauen müssen.
Sky Sport: Sehen Sie die Möglichkeit, diese Ausfälle auch intern zu kompensieren?
Schwäbe: Ja, ich sehe das Ganze sehr positiv. Wir haben auf jeden Fall offensive Qualität, aber vielleicht wird sich unser Spiel ein Stück weit ändern müssen. Auch wenn wir nicht unbedingt die großen Schränke vorne drinstehen haben, aber das werden wir sehen.
Vorfreude auf das Derby gegen Gladbach
Sky Sport: Sie haben ausgerechnet als erstes Spiel nach der Länderspielpause das Derby gegen Borussia Mönchengladbach (So., 15:30 Uhr im Liveticker). Man muss keinem erzählen, was das hier bedeutet für die Fans, für die Stadt, aber vor allen Dingen auch für die Mannschaft. Ist das in der gerade besprochenen momentanen Situation genau das richtige Spiel?
Schwäbe: Genau das richtige Spiel, genau, dass es auch zu Hause ist. Wir wissen um die Atmosphäre im Stadion, um die Emotionen drumherum und was es für jeden bedeutet. Das tragen wir in die Mannschaft. Gerade die erfahrenen Spieler, die schon ein paar mehr Derbys gespielt haben. Deswegen freuen wir uns auf jeden Fall auf Sonntag.
Sky Sport: Es ist immer schwierig, wenn man gegen eine Mannschaft spielt, bei er gerade erst der Trainer gewechselt wurde. Man weiß nie so richtig, was einen erwartet, worauf man sich einstellen muss. Spielt das für Sie als Spieler eine Rolle?
Schwäbe: Das werden wir sehen. Es ist in erster Linie der Job des Trainerteams, einen guten Matchplan hinzulegen. Da waren bis jetzt immer gut aufgestellt. Ich glaube, dass wir dementsprechend auch einfach schauen: Was hat der Trainer vorher gemacht? Welche Profile hat er jetzt? Was wird er ungefähr ändern können? Wer wird auf dem Platz stehen? Dann werden wir schon gut vorbereitet sein.
Sky Sport: Sie haben gerade schon ein bisschen angeschnitten, was das Derby bedeutet. Ich würde trotzdem gerne noch einmal nachhaken. Wie ist es, wenn Sie in den Tagen vor dem Spiel in Köln zum Bäcker gehen oder an der Tankstelle stehen? Gibt es da die klassischen Sprüche nach dem Motto: "Jetzt müsst ihr aber wirklich..."?
Schwäbe: Ich wohne etwas außerhalb, deswegen kriege ich das nicht so mit, aber doch, definitiv. Ich gehe stark davon aus. Die Jungs, die in der Stadt leben und wohnen, die wissen schon, was diese Woche auf sie zukommt. Das hat aber weniger etwas mit Druck zu tun, sondern eher mit positivem Zusprechen, glaube ich.
"Das werden wir hoffentlich am Sonntag besser machen"
Sky Sport: Heute schaut man natürlich besonders auf die Defensive, beschäftigt sich mit Sicherheit auch immer mit der Anzahl der Gegentore, die man vielleicht schon so gefangen hat. Gibt es Dinge, bei denen Sie sagen: "Das müssen wir als Mannschaft defensiv besser machen?"
Schwäbe: Diese Dinge haben wir intern in den ein, zwei vergangenen Wochen auch angesprochen. Wir werden auch schauen, dass wir diese Dinge in eine gute Richtung für uns gedreht bekommen. Wir wissen schon, worum es geht und das werden wir hoffentlich am Sonntag besser machen.
Sky Sport: Auch in der Defensive muss immer mal wieder umgestellt werden - verletzungsbedingt, oder wegen einer Sperre. Wie ist das für Sie als Torhüter? Verändert sich irgendetwas grundlegend, oder sind die Automatismen eigentlich mit allen so drin, dass Sie sagen: "Es ist wurscht, wer vor mir spielt"?
Schwäbe: Die meisten wissen, worauf es ankommt und haben schon öfter zusammengespielt. Letztes Jahr war das eher ein Thema, kurz vor dem Winter haben wir gefühlt jede Woche jemand anders austauschen müssen, gerade wegen Verletzungen, wegen Sperren oder Ähnlichem. Dieses Jahr ging es bis jetzt eigentlich ganz gut. Man merkt von Spiel zu Spiel, je mehr, je besser man aufeinander abgestimmt ist, funktioniert es einfach leichter.
Sky Sport: Ihr Trainer Rene Wagner hat die Mannschaft in der vergangenen Saison übernommen, den Klassenerhalt mit ihr geschafft. Wie bewerten Sie diese Zusammenarbeit? Was ist er aus Ihrer Sicht für ein Trainertyp?
Schwäbe: Er ist natürlich Trainer, bei dem man merkt, der ist nicht frisch in dem Geschäft, weil er schon sehr, sehr viele Jahre auch als Co-Trainer mit dabei ist. Wir kannten ihn ja schon, er ist definitiv ein sehr nahbarer Typ. Auf Augenhöhe, einer, mit dem man reden kann, der einem zuhört und mit dem die Kommunikation einfach viel leichter fällt. Wie schon gesagt, ich finde, wir hatten bis jetzt trotzdem auch immer einen guten Matchplan zur Seite gestellt bekommen. Er geht auf uns Spieler ein, weiß aber auch, wie er wen anzupacken hat. Von daher ist er gerade in der Kommunikation und auch auf dem Platz mit dem Know-how, was er mitbringt, sehr, sehr gut.
Schwäbe über seine Zukunft: "Komplett offen"
Sky Sport: Es gab in dieser Saison schon wieder ein paar Spiele, in denen Sie extrem wichtig für die Mannschaft waren. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem persönlichen Saisonstart?
Schwäbe: Natürlich hatte ich schon ein, zwei Spiele dabei, wo ich, glaube ich, ganz gut gehalten habe. Ich habe versucht, der Mannschaft zur Seite zu stehen, was auch mein Job ist. Es gab aber auch in den vier, fünf Spielen ein, zwei Situationen, die ich auch anders und besser hätte regeln können oder vielleicht auch müssen. Es ist ein Zusammenspiel. Wir hatten viele Situationen, die nicht ganz so einfach waren, die wir aber auch gelöst bekommen haben. Jetzt heißt es einfach, in der Defensive zusammenzuarbeiten und die eine oder andere Stellschraube zu drehen, um in die richtige Richtung zu gehen.
Sky Sport: Sie sind mittlerweile in einem gehobeneren Fußballeralter (31, Anm. d. R.), wobei man bei Torhütern nicht davon reden kann, weil viele spielen, bis sie 40 sind. Dennoch würde mich interessieren, wie Sie Ihre eigene Zukunft sehen. Ist das Thema, vielleicht irgendwann mal einen Vertrag zu verlängern oder noch einmal etwas anderes zu machen, bei Ihnen im Kopf allgegenwärtig?
Schwäbe: Das ist komplett offen. Ich denke nicht jeden Tag drüber nach. Ich glaube, ich habe mich in der Hinsicht positioniert. Alles, was kommt, kommt. Erst einmal muss ich mich auf mich konzentrieren und die Leistung bringen. Und ansonsten ist das offen.
Sky Sport: Aber gibt es nicht noch mal einen Traum, zum Beispiel die USA oder so? Wäre das etwas was für Sie?
Schwäbe: Träume gibt es viele, aber die Frage ist, was ergibt Sinn? In der Hinsicht habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
Schwäbe über Urbig: "Jonas kann sich super entwickeln"
Sky Sport: Dann lassen wir uns überraschen. Letzte Frage noch zu Ihrem ehemaligen Kollegen Jonas Urbig, der in der Nationalmannschaft zwei sehr ordentliche Spiele gemacht hat. Sie haben ihn ja persönlich hier kennengelernt, er war Ihr Konkurrent. Wie haben Sie seine Leistungen gesehen, wie sehen Sie seine Entwicklung aus der Ferne?
Schwäbe: Ich bin ehrlich, ich habe die Spiele der Nationalmannschaft nicht gesehen, deswegen kann ich es nicht beurteilen. Ich habe nur gelesen, dass er im zweiten Spiel die Chance hatte, sich auszuzeichnen. Ich habe es immer betont, er ist potenziell ein sehr, sehr guter Torhüter, der sich super entwickeln kann. Wenn er mit den Spielen noch weiter Erfahrungen sammelt, hat er, glaube ich, beim FC Bayern auch ein absolutes Top-Torwart-Training. Er kann von einem der größten Torhüter lernen und bei ihm (Manuel Neuer, Anm. d. R.) einfach mitreifen. Ich glaube, das kommt ihm sehr zugute.
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