Nationalmannschaft: Kommentar zu Flicks Brandrede für Kimmich und Jordan-Vergleich

Kommentar zu Flick & DFB: Übermaß an Instinktlosigkeiten

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Ein Vergleich mit den Basketball-Legenden Kobe Bryant und Michael Jordan ist für jeden Sportler das höchste Lob. Bundestrainer Hansi Flick hat genau diesen Vergleich in Sachen Mentalität für Mittelfeldmotor Joshua Kimmich getan

Sky Reporter Sven Töllner kommentiert das Auftreten der deutschen Nationalmannschaft und der DFB-Verantwortlichen in den vergangenen Tagen. Dass Bundestrainer Hansi Flicks Joshua Kimmich mit Michael Jordan verglichen hat, findet er nicht ganz zuende gedacht.

Nach einem anständigen Auftritt gegen die Ukraine wäre das aktuelle Übermaß an Instinktlosigkeiten möglicherweise gar nicht so sehr aufgefallen. Die zappelige und am Ende besorgniserregende Vorstellung gegen einen biederen Gegner hat - wie immer in solchen Fällen - nun aber das Einfallstor für vielstimmige und grundsätzliche Vorbehalte geöffnet.

Die fußballerischen Fähigkeiten des DFB-Teams werden seither in deutlich schärferer Tonart öffentlich verhandelt als vor der Partie. Die Zweifel am taktischen Geschick des Bundestrainers werden hinter vorgehaltener Hand noch deutlich robuster formuliert als in den frei zugänglichen Experten-Zirkeln.

SPORTFANS FÜR KLIMASCHUTZ - MACH MIT!
SPORTFANS FÜR KLIMASCHUTZ - MACH MIT!

Der Klimawandel betrifft uns alle - auch den Sport. Lasst uns zusammen schützen, was wir lieben – damit alle weiterhin einen Ort zum Spielen haben!

Anzahl an irritierenden Fehltritten

Zu den offenkundigen sportlichen Unzulänglichkeiten gesellt sich seit Beginn des DFB-Camps eine nennenswerte Anzahl an irritierenden Fehltritten. Das ergibt unter dem Strich eine brodelnde Wechselwirkung, die einen Teil der Öffentlichkeit beunruhigt und nicht zuletzt auch die hastigen Maßnahmen nach dem Katar-Debakel erneut als ungelenk gestricktes Feigenblatt entlarvt.

Was macht eigentlich die Task-Force gerade? Pardon: Der "Beraterkreis", den DFB-Präsident Bernd Neuendorf noch vor dem Ende jenes Turniers zusammengetrommelt hatte, das den Blick in die Ein-weiter-so-kann-es-nicht-geben-Schublade überhaupt erst notwendig gemacht hatte.

Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!
Jetzt Push-Nachrichten zu Deinen Lieblingssportarten!

Du willst personalisierte Sport-Nachrichten als Push auf dein Handy? Dann hol Dir die Sky Sport App und wähle Deine Lieblingssportarten- und wettbewerbe aus. So funktioniert's.

Zur Ehrenrettung der erfahrenen Runde sei daran erinnert, dass dieser Ansammlung exzellent vernetzter Fußball-Haudegen nach wie vor keine eindeutige Job-Beschreibung vorgelegt worden ist. Es gibt also gar keine Parameter, die die Effektivität des reifen, weisen Männer-Sextetts verlässlich messbar machen könnten.

Findige Beobachter hatten gleichwohl angenommen, dass aktive Krisen-Intervention in windigen Momenten genauso zum Aufgabenbereich des Kompetenz-Kreises gehört wie die Bereitstellung eines Kompasses - sozusagen ein Navigations-System, das den wichtigsten Beteiligten dabei hilft, Fallstricke zu umdribbeln.

Mehr dazu

Vor allem natürlich DEM wichtigsten Beteiligten. Das ist und bleibt nach übereinstimmenden Ermittlungen weiterhin der Bundestrainer - Hansi Flick. Die Konstellation hat sich zumindest in diesen Tagen nicht als klassisches Erfolgs-Modell erwiesen.

Rüdigers Verbal-Fiasko

Antonio Rüdigers Verbal-Fiasko bei der Anreise fiel nachweislich nicht in Flicks Verantwortungsbereich. Dass sein Abwehrchef auch bei der Pressekonferenz ("Spasti sagt man nicht, oder?"), die die Wogen hatte glätten sollen, einen mäßig sortierten Eindruck hinterließ, lässt sich ebenfalls nur Rüdiger selbst ankreiden.

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Nach seiner verbalen Entgleisung gegenüber eines Fans und Autogramm-Jägers hat sich DFB-Verteidiger Antonio Rüdiger öffentlich auf der Pressekonferenz der deutschen Nationalmannschaft entschuldigt.

Der atmosphärische Fehlstart war dann aber doch so etwas wie die unerwünschte Ouvertüre zu einer weiteren Episode, die als Teil des Konsolidierungs-Prozesses geplant war und sich seither im Express-Tempo zu einem erstaunlichen Problem-Beschleuniger entwickelt hat. Die potenziellen Gute-Laune-Macher Musiala, Havertz und Wirtz nicht in der Startelf? Geschenkt. Der Bremer Volksheld und Torschütze Niclas Füllkrug vor heimischer Kulisse zu Pause in die Ruhezone abkommandiert? Gehakt.

Flick verweist auf ein Spiel vor 17 Jahren

Trainer-Entscheidungen, die nicht allen Experten sinnvoll erschienen, aber eben doch Trainer-Entscheidungen bleiben. Dass die diskutablen Personal-Ideen seinem Mantra "Wir haben einen Plan" keinen allzu großen Zugewinn an Glaubwürdigkeit beschert haben, dürfte Flick ja einkalkuliert haben. Bei der Aufarbeitung des ernüchternden Sommerabends an der Weser ist der als stets respektvoll bekannte 58-Jährige derweil vernehmbar ins Straucheln geraten.

Sein Hinweis auf das 1:4 in Florenz vor 17 Jahren (!), das ja dann "trotzdem ein Sommermärchen" zur Folge gehabt habe, kam arg improvisiert daher - vielleicht sogar ein bisschen albern. Die vermeintliche (und als Brandrede deklarierte) Kabinen-Ansage an seine müde Truppe, wirkte lanciert.

Rasanter rhetorischer Ritt: Flick vergleicht Kimmich mit Jordan

Bitte verwende den Chrome-Browser, um unseren Videoplayer mit optimaler Leistung nutzen zu können!

Ein Vergleich mit den Basketball-Legenden Kobe Bryant und Michael Jordan ist für jeden Sportler das höchste Lob. Bundestrainer Hansi Flick hat genau diesen Vergleich in Sachen Mentalität für Mittelfeldmotor Joshua Kimmich getan

Das ungebetene Plädoyer zugunsten seines derzeitigen Kapitäns Joshua Kimmich glaubten überdies einige Beobachter recht unangestrengt als Ablenkungsmanöver enttarnen zu können. Eine Frage nach Gündogan zunächst mit Kritik an allzu hitziger medialer Kimmich-Bewertung zu beantworten, um seinen formschwachen Anführer im nächsten gesprochenen Gedanken auf das Mentalitäts-Niveau von Michael Jordan zu hieven - ein rasanter rhetorischer Ritt, den der Bundestrainer möglicherweise nicht ganz zu Ende gedacht hatte.

Polen-Spiel als Lackmus-Test fürs System Nationalmannschaft

Die Aufgabe in Warschau ist nach den Vorgängen der letzten Tage von einer Allerwelts-Begegnung zu einem gefährlichen Lackmus-Test geworden. Nicht nur für Flick und dessen "Plan", sondern für das gesamte "System Nationalmannschaft".

Mit Erfolgs-Prognosen für die prestigeträchtige Heim-EM trauen sich derzeit jedenfalls nicht mal die zuversichtlichsten Analysten heraus. Die aktuelle Hochrechnung der vermeintlichen Sympathiewerte aller aktiv Beteiligten ergibt ebenfalls nicht gerade ein Bild, das Hoffnung schüren würde.

Fußball EM 2024

  • Datum: 14. Juni - 14. Juli 2024
  • Ort; Deutschland (zehn Austragungsorte)
  • Eröffnungsspiel: München Fußball Arena (14. Juni)
  • Finale: Olympiastadion Berlin (14. Juli)
  • Teilnehmer: 24 Länder, Deutschland in Gruppe A
  • Spielmodus: Rundenturnier (6 Gruppen à 4 Teams), K.-o.- System
  • Austragungsorte: Dortmund, Stuttgart, München, Hamburg, Gelsenkirchen, Düsseldorf, Berlin, Leipzig, Köln, Frankfurt
  • Ticketverkauf: Ab 3. Oktober 2023

Nach drei Turnieren, in denen die DFB-Abordnung jeweils unerwünscht früh aus den örtlichen Luxus-Hotels ausgecheckt hatte, ist die Euro 2024 dazu verdammt, eine Erfolgsgeschichte zu werden - sportlich und atmosphärisch. Im Misserfolgsfall wird es nicht nur in der Task Force zu Umstrukturierungen kommen. Dann wären die tiefgreifenden Restaurierungen unumgänglich, an die sich nach dem WM-Debakel im letzten Jahr keiner herangetraut hat.

Mehr zu Autor Sven Töllner

Alle weiteren wichtigen Nachrichten aus der Sportwelt gibt es im News Update nachzulesen.