Spielweise des neuen Newcastle- und Woltemade-Trainers Matthias Jaissle in der Analyse
Newcastle United und Nick Woltemade haben einen neuen Trainer. Doch wie tickt Matthias Jaissle?
08.08.2026 | 10:19 Uhr
Sky Sport analysiert, welchen Fußball Premier-League-Newcomer Jaissle spielen lässt, wie dieser zu Newcastle passt und was das alles für Nick Woltemade bedeuten kann.
Aus Saudi-Arabien in die Premier League: Der Wechsel von Matthias Jaissle zu Newcastle United hat hohe Wellen geschlagen.
Der 38 Jahre junge deutsche Trainer übernimmt im englischen Oberhaus einen Traditionsklub und zudem mit Nick Woltemade sowie Malick Thiaw gleich zwei deutsche Stars. Doch wie tickt der gebürtige Schwabe auf dem Platz? Sky Sport analysiert gemeinsam mit dem Datendienstleister CREATEFOOTBALL das System Jaissle.
Von Tuchel und Rangnick gelernt
Über seine bisherige Spieler- sowie Trainerlaufbahn wurde Jaissle gleich von zwei Trainern internationalen Couleurs geprägt. So lernte der ehemalige Bundesliga-Profi in seiner Jugend von Thomas Tuchel, der ihn als Nachwuchstrainer beim VfB Stuttgart anleitete.
Nach seiner Spielerkarriere bei der TSG Hoffenheim folgte Jaissles Einstieg in die Trainer-Welt im Kosmos von Red Bull. Mit seiner ersten Cheftrainer-Position beim FC Liefering und das darauffolgende, erfolgreiche Engagement bei RB Salzburg profitierte der junge Übungsleiter dabei von den Erfahrungen Ralf Rangnicks.
Für welche Spielweise steht Jaissle?
Diese Erfahrungen prägen die Spielidee von Jaissle bis heute. Der 38-Jährige steht für einen dominanten, aggressiven und dynamischen Angriffsfußball.
Der ehemalige Defensivmann gilt heute als sehr versierter Taktiker. Jaissle agiert zwar meist aus einer Viererkette in einem 4-2-3-1-System heraus, ist allerdings kein Fan von starren Formationen. Stattdessen hält sich der Coach viel taktische Variabilität offen. Seine Grundprinzipien kann und will er mit allen Spielern in jedem System umsetzen - daraus resultiert eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit an Kader, Ligastärke und Gegner.
Große Dynamik, intensives Pressing, direkte Konter
Konkret will Jaissle das Spiel über hohen Ballbesitzanteil nicht nur kontrollieren, sondern den Gegner über ständige Aktivität und viel Druck dominieren. Dabei ist die spielstarke Defensive genauso wie der flache Aufbau ein Grundelement. Mit dem Ball will der Trainer über viel Bewegung zwischen den Linien große Dynamik und Raumgewinn erzeugen. Besonders in seiner Zeit bei Salzburg äußerte sich dies in einem schnellen Übergangsspiel und Umschaltaktionen über temporeiche Angreifer, viel Breite und Tiefe sowie vielen Abschlüsse.
Gegen den Ball bleibt Jaissle auf der Höhe der Zeit. Mit einem sehr ballorientierten Angriffspressing schieben alle Spieler schnell in die relevanten Räume ein, kreieren ihre Ballgewinne durch die entstehende nummerische Überzahl. Aus den engen Abständen sowie dem permanenten Stress für die Gegenspieler entstehen direkte Konter.
Ebenfalls bei Salzburg zeigte sich Jaissle als großer Freund der Entwicklung junger Talente. Über die Arbeit mit seinen Grundprinzipien entwickelte er in Österreich unter anderem Stars wie Karim Adeyemi und Benjamin Sesko.
Passt Jaissles Spielidee zu Newcastle?
Diese Förderungsfreude könnte unter Jaissle auch in Newcastle Früchte tragen. Der Klub kauft gerne junge Talente ein und entwickelt hochtalentierte Spieler weiter. Dazu zählen neben dem schon etablierten Thiaw auch Neuzugänge wie Aladji Bamba (20 Jahre alt, kam von der AS Monaco) und Bazoumana Toure (20 Jahre alt, kam von Hoffenheim). Obendrein gilt der eigene Nachwuchs der "Magpies" als stark. Jaissle könnte der perfekte Mann für die nachhaltige Entwicklung dieser Talente zu sein.
Doch auch seine Spielidee an sich scheint wie für die Premier League gemacht. Im englischen Oberhaus ist physische Intensität gefordert - genau das, was Jaissle mit seinem Umschaltspiel und Pressing forciert. Außerdem ist der Newcastle-Kader sehr athletisch und robust zusammengestellt. Viele Arbeitsmaschinen und kraftvolle Läufer ermöglichen ein starkes Spiel mit und gegen den Ball. Ein mehr als solides Gerüst für die von Jaissle so wichtigen Grundprinzipien.
Diesen robusten Kader wusste auch Trainer-Vorgänger Eddie Howe zu nutzen. Das intensive Spiel und das Gegenpressing vereinen die Ansätze beider Trainer. Dementsprechend dürften die Spieler nicht mit einer zu großen taktischen Grundumstellung überfordert werden. Doch im Gegensatz zu Howe zeigte sich Jaissle in der Vergangenheit als taktisch deutlich anpassungsfähiger, der Deutsche ist in der Offensive und im Spiel mit Ball der variablere Trainer von beiden und entwickelt bessere Lösungen.
Was bedeutet Jaissle für Woltemade?
Für Woltemade war die vergangene Spielzeit nach seinem Premier-League-Blitzstart insgesamt eine Enttäuschung. Eine lange Torflaute, wenige Einsatzminuten und Abgangsgerüchte waren die Folgen seiner ersten Saison im Norden Englands. Doch könnte der neue Trainer für einen positiven Aufschwung des DFB-Kickers sorgen?
Dafür sprechen einige Jaissle-Ansätze. Der Trainer überlädt gerne die Mitte, will in seinem 4-2-3-1-System einen beweglichen und spielstarken Zehner haben, der sich in die Halbräume hineinfallen lässt. Gerade im Umschaltspiel könnte Woltemade die ideale Anspielstation in der Offensive sein, die den Ball sauber festmacht und so das Nachrücken ermöglicht.
Längst nicht alle Ideen harmonieren jedoch mit dem ehemaligen Stuttgarter. So fordert Jaissle noch mehr Intensität und Wucht im Gegenpressing sowie häufigeres hohes Anlaufen als unter Howe - ein klares Defizit des Stürmers. Dazu fehlt Woltemade das Tempo im Umschaltspiel, der neue Trainer präferiert hierfür athletischere Spieler.
Es scheint fast so, als ob der Mega-Transfer der vergangenen Saison im Jaissle-Masterplan keine Hauptrolle spielen wird. Ein Umstand, der Woltemade vor eine zweite herausfordernde Saison bei Newcastle United stellt.
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