2. Bundesliga, 1. Spieltag: Erkenntnisse nach Siegen von HSV und 1. FC Kaiserslautern
Auftakt-Erkenntnisse: Terodde-Nachfolger & kein Topfavorit
18.07.2022 | 09:43 Uhr
Ein Topkandidat auf die Torjägerkrone steht nach dem 1. Spieltag in der 2. Bundesliga fest. Das Aufstiegsrennen dagegen wird spannend.
Der Ball rollt wieder im deutschen Profifußball. Nach dem Zweitliga-Auftakt an diesem Wochenende ist die Sommerpause beendet. Wie zu erwarten, haben noch nicht alle Teams am 1. Spieltag ihre Topform erreicht, auf die Trainer kommt noch viel Arbeit zu.
Drei Dinge lassen sich aber schon jetzt mit Blick auf die restliche Saison feststellen. (Die 2. Bundesliga live auf Sky)
Sky Sport nennt drei Erkenntnisse zum Zweitliga-Auftakt.
1. Offenes Aufstiegsrennen:
Der 1. Spieltag bestätigte, was einige Experten schon vor der Saison ahnten: Das Aufstiegsrennen ist so offen wie lange nicht. Es gibt diesmal keine absoluten Top-Favoriten wie in der vergangenen Saison Schalke und Werder.
Der HSV will im fünften Anlauf endlich die Rückkehr in die Bundesliga schaffen, aber schon der Auftakt in Braunschweig zeigte, dass das erneut kein leichtes Unterfangen wird. Erst nach der Pause kamen die Hamburger besser ins Spiel. Angesichts zahlreicher Eintracht-Chancen war der 2:0-Sieg des Walter-Teams insgesamt glücklich.
Der doppelte Torschütze Robert Glatzel prognostizierte bei Sky: "Es wird kein Selbstläufer, jedes Spiel wird hart umkämpft".
Als ärgste Konkurrenten für den HSV hatte der frühere Hamburger Heiko Westermann im Sky Interview St. Pauli, Nürnberg, Düsseldorf und Hannover ausgemacht. Am überzeugendsten aus diesem Quartett trat der FC St. Pauli auf. Doch auch für die Kiez-Kicker wurde es im Topspiel gegen Nürnberg nach furiosen 15 Minuten beim 3:2-Erfolg am Ende fast noch einmal eng.
ZUM DURCHKLICKEN: Die neuen Zweitliga-Trikots
Absteiger mit Problemen
Düsseldorf mühte sich zum 2:1-Auswärtssieg in Magdeburg, Hannover 96 bekam bei der Last-Minute-Niederlage in Kaiserslautern die Wirkung des gefürchteten Betzenbergs zu spüren.
Darmstadt 98, das in der vergangenen Saison nur durch das schlechtere Torverhältnis die Aufstiegsrelegation verpasste, kassierte bei der Niederlage in Regensburg bereits nach 17 Sekunden das erste Gegentor. Ohnehin muss man abwarten, ob die Lilien den Verlust des zum FC Midtyilland abgewanderten Torjägers Luca Pfeiffer kompensieren können.
Die Bundesliga-Absteiger Fürth und Bielefeld müssen sich offenbar erst einmal an die raue Zweitliga-Luft gewöhnen. Fürth kam zu Hause gegen Kiel nicht über ein 2:2 hinaus, die Arminia verlor in Sandhausen nicht nur das Spiel, sondern auch ihren Trainer Uli Forte, der in der 44. Minute auf die Tribüne musste.
Den ersten Tabellenführer der neuen Saison hatte dagegen niemand als Aufstiegsfavorit auf der Rechnung. Mit fünf Toren in 20 Minuten fegte der SC Paderborn den KSC 5:0 und erklomm die Spitze. (Zur Tabelle der 2. Liga)
2. Glatzel der neue Terodde:
Während die Frage nach den kommenden Bundesliga-Aufsteigern vollkommen offen ist, scheint die Suche nach dem Top-Torjäger der 2. Liga schon beendet.
HSV-Stürmer Robert Glatzel machte in Braunschweig dort weiter, wo er in der vergangenen Saison mit 22 Treffern aufgehört hat. Für die Hanseaten könnte er im Kampf um den Aufstieg ähnlich wichtig werden wie Simon Terodde, der in der vergangenen Saison Schalke mit 30 Treffern in die Bundesliga schoss.
Trainer Tim Walter zeigte sich im Sky Interview begeistert von Glatzels Goalgetter-Qualitäten: "Bei seinen früheren Stationen hat er sich beschwert: ‚Ich will ein bisschen mehr mitspielen'. Aber er macht alle seine Tore in der Goal-Zone."
Glatzel selbst wollte aber bei Sky von einem speziellen Torinstinkt nichts wissen: "Bei mir ist das eher antrainiert. Es war früher nicht so, dass ich das Näschen hatte."
Der 28-Jährige steigerte sich als Zweitliga-Spieler von Saison zu Saison. Nach vier Treffern 2017/2018 war er im zweiten Jahr bei Heidenheim 2018/2019 bereits 13-mal erfolgreich. Nach Zwischenstationen in Cardiff und Mainz traf er bei seiner Rückkehr in die 2. Bundesliga in der vergangenen Saison 22-mal. Macht er in diesem Stil weiter, kann er Teroddes magische 30-Tore-Marke tatsächlich anpeilen.
3. Lautern ein Gewinn für die Liga:
Dank des ausverkauften Fritz-Walter Stadions wurde das Eröffnungsspiel der 2. Bundesliga gegen Hannover 96 zu einem spannenden, emotionsgeladenen Duell. Mit dem Lauterer Last-Minute-Siegtreffer fand die Fußball-Party auch noch ein perfektes Ende. Torschütze Kevin Kraus fand die Stimmung "phänomenal."
Selbst Erik Durm, der auf der deutschen Ersatzbank immerhin schon das WM-Finale von 2014 im legendären Maracana erlebt hat, war überwältigt: "Es war ein Gänsehaut-Feeling."
Trainer Dirk Schuster sprach von einem "Tollhaus. Das gibt der Mannschaft sehr viel Energie." In der Zuschauertabelle ist der 1. FC Kaiserslautern schon jetzt an der Spitze, Durm warnte allerdings vor allzu hohen sportlichen Ambitionen: "Lasst uns die Kirche im Dorf lassen. Die 40-Punkte-Marke ist unser Ziel, daran wird sich nichts ändern."