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Brasilien als Exportschlager: Joga bonito wieder in Europa

Wer kommt nach Ronaldinho, Kaka und Co.?

Mathieu Knapp

22.07.2019 | 19:28 Uhr

Die brasilianischen Talente sind in Europa wieder heiß begehrt.
Image: Die brasilianischen Talente sind in Europa wieder heiß begehrt. © Getty

Nach einer zwischenzeitlichen Flaute scheinen brasilianische Talente wieder Europas Ligen zu erobern. Die Topklubs haben Brasilien als Exporteur für junge Talente wiederentdeckt.

Es ist wieder da: Das brasilianische 'Joga bonito' - zu deutsch: 'das schöne Spiel' - erobert Europa und brasilianische Kicker werden erneut zum Exportschlager.

Ende der 90er und in den frühen 2000er Jahren verzauberten Ronaldo, Ronaldinho, Kaka & Co. die Fußballfans in Europa. Die Offensivkünstler von Real Madrid, dem FC Barcelona, AC Mailand und weiteren Topklubs begeisterten mit ihren Finten und einem großen Repertoire an Tricks die Zuschauer. Auch in Deutschland mischten Giovane Elber, Ailton, Lucio, Dede, Ewerthon oder Ze Roberto die Bundesliga auf.

Drei Supertalente in einem Bild: Beim AC Mailand spielten Kaka, Ronaldinho und Alexandre Pato gemeinsam in der Offensive. Die drei Brasilianer sind bis auf Pato nicht mehr aktiv.
Image: Drei Supertalente in einem Bild: Beim AC Mailand spielten Kaka, Ronaldinho und Alexandre Pato gemeinsam in der Offensive. Die drei Brasilianer sind bis auf Pato nicht mehr aktiv.  © Getty

Brasiliens Zauber ging verloren

Die brasilianische Fußballschule galt lange als unerschöpfliches Reservat an Top-Talenten, die in Europa für Furore sorgen würden. Allerdings ging der Zauber ab Mitte der 2000er Jahre etwas verloren. Nur noch wenige Spieler nahmen den Weg über den Atlantischen Ozean auf sich, um in Europa ihr Glück zu finden. Für einige Jahre suchte man - bis auf wenige Ausnahmen - absolute Topstars in Europa vergeblich.

Weil die Erfolge mit der Selecao ausblieben, schauten sich Topklubs anderweitig nach Verstärkungen um. Stark aufspielende Brasilianer wie Philippe Coutinho und Dani Alves waren Ausnahmen. 2013 gesellte sich noch Superstar Neymar dazu, als er für 88,2 Millionen Euro vom FC Santos zum FC Barcelona wechselte.

Ein Sinnbild der letzten Jahre für die Selecao.
Image: Ein Sinnbild der letzten Jahre für die Selecao.  © Getty

Brasiliens Talente wieder nach Europa

In den letzten Jahren hat sich die Lage allerdings wieder geändert. Topklubs investieren vermehrt in brasilianische Youngster. Mit Malcom und Alisson Becker wechselten 2016 zwei begehrte Samba-Kicker nach Bordeaux und Rom. Es war nur eine Durchgangsstation: Malcom spielt mittlerweile beim FC Barcelona und Becker hat sich in Liverpool unter Jürgen Klopp zu einem der besten Torhüter der Welt entwickelt.

2017 folgten unter anderem David Neres, Richarlison und Gabriel Jesus. Neres der aktuell noch bei Ajax spielt, steht auf dem Sprung zu einem der Topklubs Europas. Auch Richarlison hat sich als echter Glücksgriff beim FC Everton entpuppt. Der Linksaußen ist gesetzt und hat sich für höhere Aufgaben - vielleicht in Barcelona und Manchester - empfohlen.

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Everton steht auf dem Sprung

Und Gabriel Jesus könnte bei der Copa endgültig den Sprung zum Superstar geschafft haben. Als einer der Schlüsselspieler war er entscheidend am Titelgewinn beteiligt. Für 32 Millionen Euro war er 2017 von Palmeiras zu Manchester City gewechselt.

Generell hat die Selecao bei der Copa 2019 bewiesen, dass es auch ohne den "absoluten" Superstar geht. Im Mittelpunkt stand eine Truppe mit viel Talent, bei der vor allem der Neymar-Ersatz Everton 'Cebolinha' herausstach. Der Youngster steht nun im Fokus zahlreicher englischer Topklubs. Auch der FC Bayern soll seine Fühler ausgestreckt haben.

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In der Champions League könnte der kleine Wirbelwind dann auf zahlreiche Landsleute treffen, denn 2018 bediente sich Europas Elite wieder am Zuckerhut: Während Arthur von Gremio Porto Alegre für 31 Millionen Euro zum FC Barcelona wechselte, holte sich Real Madrid Flamengos Flügelflitzer Vinicius für 40 Millionen Euro. Zudem wechselte der neue Real-Innenverteidiger Eder Militao von Sao Paulo zum FC Porto.

Ein weiteres Beispiel war Lucas Paqueta, der im Winter für 35 Millionen Euro von Flamengo zum AC Mailand wechselte. Real Madrid legte zudem vor kurzem für Flügelspieler Rodrygo vom FC Santos 45 Millionen Euro auf den Tisch.

Wer kommt als nächstes?

Weitere Transfers werden mit Sicherheit folgen. Neben der 'kleinen Zwiebel', wie Everton in seinem Heimatland liebevoll genannt wird, steht beispielsweise der erst 17-jährige Joao Pedro im Fokus. In fünf Spielen in Brasiliens erster Liga erzielte er bereits drei Treffer. Sein Wechsel zum FC Watford im Winter 2020 ist schon beschlossene Sache.

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Everton und Pedro könnten also die nächsten Youngster einer brasilianischen Generation sein, die das 'Joga bonito' in Europa wieder salonfähig macht. Wie Ronaldo, Ronaldinho, Kaka & Co. vor ihnen...

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