Klopps erster DFB-Kader: Die Reaktionen von Matthäus, Kovac, Kompany und Hoeneß
Jürgen Klopp hat mit seinem ersten DFB-Kader für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. 44 Nationalspieler, 16 Neulinge und zwei Kader: Trainer, Experten und Vereinsverantwortliche reagieren auf die ungewöhnliche XXL-Nominierung des neuen Bundestrainers.
17.09.2026 | 20:37 Uhr
Mit seinem ersten Kader als Bundestrainer geht Jürgen Klopp neue Wege. Von Lothar Matthäus über Wolff Fuss bis hin zu Niko Kovac, Vincent Kompany und Sebastian Hoeneß: Die Reaktionen auf das XXL-Aufgebot fallen deutlich aus. Sky Sport sammelt die wichtigsten Stimmen.
Britta Hofmann (Sky Sport Reporterin & Moderatorin):
"44 Nationalspieler, 16 Neulinge, zwei Kader - Jürgen Klopp hat bei der Nominierung richtig einen rausgehauen. Natürlich lässt sich über alles diskutieren: Warum werden Spieler nominiert, die in dieser Saison erst 21 Minuten gespielt haben oder erst drei Bundesligaeinsätze haben?
Ich finde, es ist genau die richtige Entscheidung. Denn diese Länderspielpause ist erstmals zwei Wochen lang, Jürgen Klopp will die Zeit nutzen, um möglichst viele Spieler kennenzulernen. Gleichzeitig nimmt er Rücksicht auf die Belastung der Spieler. Ja, es sind neue Ideen, aber ich freu mich drauf."
Wolff Fuss (Fußballkommentator & Sportjournalist):
"Warum ist nicht vorher schon mal einer auf die Idee gekommen und hat gesagt: 'Ich guck mir ein Training an, ich spreche auch nach dem Training mit dem Spieler, ich rufe mal alle Spieler an und hole mir ein Feedback und einen Eindruck?' Das, was hier passiert, wird im Ausland ganz häufig gemacht. Wenn ein ausländischer Trainer bei einer etwas kleineren Nation Nationaltrainer wird, dann wird erstmal gescannt: Was haben wir denn für Leute national und international rumlaufen? Wie alt sind die, was haben die für eine Struktur, was haben die für Zahlen?
In Deutschland wurde das noch nie gemacht. Da wird auf die Bundesliga geschaut. Wer ist der Formstärkste? Dann werden die eingeladen und dann geht es los. Wir haben ja in den letzten Jahren festgestellt, das ist nicht das erfolgsversprechende Modell."
Vincent Kompany (Trainer des FC Bayern München):
Jonas Urbig wird nach Ansicht seines Vereinstrainers Vincent Kompany in absehbarer Zukunft Stammtorhüter der deutschen Nationalmannschaft werden. "Wenn einer glaubt, dass er nicht irgendwann die Nummer eins wird, der macht einen großen Fehler. Der Junge wird irgendwann die Nummer eins sein, aber das wird Jürgen Klopp entscheiden, ob das in einem oder fünf Jahren ist. Man muss auch bei der Nationalmannschaft für die Zukunft planen. Ich würde es genauso machen. Man muss seine eigenen Talente als Land auch ein bisschen schützen und richtig weiterentwickeln. Jonas ist einer von diesen Jungs."
Wenig überraschend ist ein großer Bayern-Block dabei. "Insgesamt bin ich natürlich froh, dass so viele von unseren Jungs dabei sind. Gerade, weil der eine oder andere wahrscheinlich noch etwas gutzumachen hat mit der Nationalmannschaft. Ich spüre, dass die Motivation sehr groß ist bei unseren deutschen Jungs, um wieder dabei zu sein. Und mit Jürgen Klopp ist es jetzt ein neues Kapitel, das sich öffnet für alle."
Niko Kovac (Trainer von Borussia Dortmund)
"Wir waren im Austausch, Jürgen und ich. Ich wurde schon abgeholt, ich wusste es schon ein, zwei Tage eher, wer dabei ist und wer nicht"
„Die drei, die dabei sind, sind natürlich glücklich. Maxi ist ein bisschen geknickt und enttäuscht. Ich war selber Nationaltrainer und weiß, wie schwer das ist, alle unter einen Hut zu bekommen. Ich weiß, dass Maxi das als toller Mensch auffangen wird und sich weiter empfehlen wird. Er ist ein wichtiger Spieler für uns. Ich denke, wir sollten das, was der Bundestrainer jetzt entschieden hat, auch akzeptieren." Der neue Bundestrainer fälle "seine Entscheidungen meines Erachtens nach bestem Wissen und Gewissen. Daher geben wir ihm eine Chance, weil ich weiß: Er weiß, was er macht."
Sebastian Hoeneß (Trainer des VfB Stuttgart)
"Natürlich hätten wir uns gewünscht, dass der ein oder andere den Weg noch reinfindet. Wir werden das Beste draus machen, wir werden die Jungs wieder ins Schaufenster stellen"
Hoeneß betonte, dass er Undav, Stiller und Leweling "grundsätzlich" als Teil der Nationalmannschaft sehe. Er habe bei den drei Abgewiesenen aber "keine außergewöhnlichen Reaktionen" festgestellt, der Austausch zuvor mit den Spielern und Klopp sei "gut, offen und transparent" gewesen. Im Fall von Publikumsliebling Undav, ergänzte Hoeneß, sei zudem bekannt, "dass er seine Wehwehchen hat".
Der neue VfB-Kapitän laboriert an Problemen mit der Achillessehne. Hoeneß stellte aber auch klar, dass Undav "besser spielen kann, das weiß er auch". Es sei dennoch nur "eine Frage der Zeit", bis Undav (30) seine beste Form erreiche und damit auch für die Nationalmannschaft wieder infrage käme: "Er wird da ganz schnell wieder in den Fokus rücken." Gleiches gelte für Stiller und Leweling.
Nominiert vom VfB sind Maximilian Mittelstädt, Chris Führich, Josha Vagnoman und Finn Jeltsch - vor allem Letzteren hob Hoeneß hervor: Bei Jeltsch sei "immer klar" gewesen, dass es "nur eine Frage der Zeit" bis zu einer Nominierung sein werde: "Er ist ein extrem lernwilliger Spieler, überrascht hat es uns eigentlich nicht. Jetzt hoffen wir, dass er da auch Minuten bekommt."
Julian Schuster (Trainer des SC Freiburg)
Trainer Julian Schuster hat mit großer Freude auf die Nominierung des Freiburger Spieler-Quartetts für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft reagiert. "Das ist eine Bestätigung der Entwicklung und gleichzeitig ein Kompliment für die ganze Mannschaft", sagte der 41-Jährige: "Solche Entwicklungen können nur passieren, wenn die Rahmenbedingungen passen und ich Tag für Tag voll gefordert werde. Mich freut es besonders für die Jungs. Das sind Kindheitsträume, wenn man das eigene Land vertreten darf."
Mit Philipp Treu, Yannik Engelhardt, Derry Scherhant und Max Rosenfelder wurden vier Spieler des Sport-Clubs für die erste Länderspiel-Maßnahme von Jürgen Klopp berufen. "Sie werden uns sportlich repräsentieren, aber auch mit all den Werten", betonte Schuster: "Das sind Jungs, die einer Mannschaft gut tun. Nicht nur vom Inhaltlichen, sondern auch wie sie als Menschen sind." Vor der Nominierung habe er einen "guten Austausch" mit dem neuen Bundestrainer gehabt.
Rene Wagner (Trainer des 1. FC Köln)
Über die Nominierung von Said El Mala: "Wir freuen uns natürlich für ihn. Das hat ein bisschen länger gedauert, dass er wieder dabei ist und hoffentlich auch mit einem Einsatz belohnt wird"
Lothar Matthäus (Sky Sport Experte & DFB-Rekordnationalspieler)
Lothar Matthäus findet die XXL-Sichtung des neuen Bundestrainers Jürgen Klopp mit zwei Kadern "super". Es sei wichtig, "dass der Bundestrainer die Spieler, den Charakter der Spieler, nicht nur die Qualität, sondern auch das Verhalten in der Gruppe, dass er das kennenlernt", sagte Matthäus als Fußball-Experte von RTL und Sky Sport. "Und deswegen verstehe ich Jürgen Klopp."
"Praktisch sind das ja zwei Lehrgänge, ein Casting. Ich finde die Kader ideal. Und da geht es nicht um jung, alt, drei Minuten in der Bundesliga, zwei Spiele in der Bundesliga. Es geht darum, dass der Trainer das Recht hat, die Spieler besser kennenzulernen", so Matthäus.
Es sei wichtig, dass er die Spieler bei sich habe, dass er mit ihnen reden könne, dass er seine Spielidee übermitteln könne. "Und ich glaube, besser kann man es nicht regeln", ergänzte der 65-Jährige.
*Dieser Artikel wird fortlaufend mit neuen Stimmen und Reaktionen ergänzt.
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