Kwasniok-Entlassung löst nicht das eigentliche Problem - ein Kommentar
Der 1. FC Köln hat die Reißleine gezogen - und das war - nüchtern betrachtet - kaum noch zu vermeiden.
23.03.2026 | 09:17 Uhr
Sieben Spiele ohne Sieg, mitten im Abstiegskampf, zu wenig Punkte. So ehrlich muss man sein: Am Ende entscheidet im Fußball immer das nackte Ergebnis und die Tabelle. Die spricht klar gegen Lukas Kwasniok.
Trotzdem greift diese Entscheidung zu kurz, denn der FC hat unter Kwasniok keinen destruktiven, ideenlosen Fußball gespielt - im Gegenteil. Köln war phasenweise mutig, aktiv, teilweise sogar richtig attraktiv. Genau das, was man sich am Geißbockheim lange gewünscht hat. Aber: Schöner Fußball ohne Ergebnisse bringt dir im Abstiegskampf schlicht nichts. Das ist die brutale Realität der Bundesliga.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Kwasniok hat polarisiert, ja. Seine Art kam nicht bei allen Spielern gut an, intern hat es gerieben. Aber inhaltlich - das belegen viele, die mit ihm zusammengearbeitet haben - ist er kein schlechter Trainer. Einer, der für eine klare Idee steht. Einer, mit dem man - bei mehr Zeit und etwas mehr Stabilität - als Verein etwas aufbauen kann. Das hatte er bei seiner Station in Paderborn bewiesen.
Permanenter Überlebenskampf in Köln
Und genau hier liegt das eigentliche Problem des 1. FC Köln! Der Verein wollte sich entwickeln, endlich in der Bundesliga stabilisieren. Weg von kurzfristigen Lösungen, hin zu einer klaren Spielidee, hin zu nachhaltigem Erfolg. Endlich keine kurzfristigen Rettungen mehr.
Doch jetzt? Jetzt übernimmt Co-Trainer Rene Wagner - eine Übergangslösung. Und wenn das nicht funktioniert, steht schon wieder der nächste altbekannte Name im Raum: Friedhelm Funkel - der klassische Feuerwehrmann.
Das kann nicht mehr der Anspruch des 1. FC Köln sein. Natürlich steht der Klassenerhalt über allem, gar keine Frage. Aber wenn du jedes Jahr wieder ins gleiche Muster verfällst - Trainerwechsel, kurzfristige Rettung, kompletter Neustart - dann drehst du dich im Kreis. Dann entwickelst du dich nicht weiter. Dann bleibst du genau da, wo der FC seit Jahren ist: In einem permanenten Überlebenskampf.
Köln muss eine klare Linie durchziehen
Genau deshalb ist diese Entscheidung mehr als nur eine Trainerentlassung.
Sie ist ein weiterer Beleg dafür, dass der FC es bislang nicht schafft, über längere Zeit eine klare Linie durchzuziehen. Dass man sich im Zweifel wieder für den kurzfristigen Weg entscheidet. Für Sicherheit statt Entwicklung.
Vielleicht reicht das am Ende für den Klassenerhalt, vielleicht auch nicht, aber langfristig bedeutet es vor allem eines: Der 1. FC Köln muss im Sommer mal wieder bei Null anfangen.
Mehr zum Autor Marlon Irlbacher
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