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Nationalmannschaft: Erkenntnisse aus dem DFB-Sieg gegen Rumänien

Fans & Bayern-Gen beim DFB-Team zurück - ein Problem bleibt

Lucia Wythe

10.10.2021 | 15:02 Uhr

Thomas Müller freut sich über die Unterstützung der Fans.
Image: Thomas Müller freut sich über die Unterstützung der Fans.  © Imago

Es war eine harte Nuss, die die deutsche Nationalmannschaft am Freitagabend knacken musste. Mit einer Willensleistung setze sich das DFB-Team aber letztlich gegen Rumänien durch und zeigte auch, dass die Arbeit von Bundestrainer Hansi Flick langsam erste Früchte trägt.

1. Neue Siegermentalität im DFB-Team

Als es im Hamburger Volksparkstadion nach nur neun Minuten 1:0 für die Gäste aus Rumänien stand, fühlte man sich sofort an alte Muster aus dem Ende der Ära Löw erinnert. Doch es sollte anders kommen. Die Mannschaft kämpfte sich zurück, drehte gegen beherzt verteidigende Rumänen die Partie und zeigte dabei eine Einsatzbereitschaft und einen Siegeswillen, den man so beim Nationalteam lange vermisst hat.

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Bundestrainer Hansi Flick lobt nach dem knappen Sieg gegen Rumänien vor allem die Mentalität seiner Mannschaft. (Video: 00:45 Sekunden)

Dafür machte der Bundestrainer seiner Truppe erstmal ein großes Kompliment. "Wir waren sehr gierig, dieses Spiel zu gewinnen", lobte Flick und erklärte, dass es Teil der Entwicklung sei, auch solche Spiele "mit Überzeugung und Begeisterung" zu beenden.

Auch die Mannschaft selbst vertrat einhellig die Meinung, dass der 2:1-Sieg eine Willensleistung war. "Wir haben viel Leidenschaft ins Spiel reingesteckt", sagte Ersatz-Kapitän Joshua Kimmich im RTL-Interview und auch Marco Reus zeigte sich "sehr einverstanden mit dem Willen und der Moral".

2. Flick bringt das Bayern-Gen zurück

Spieler wie Kimmich, aber auch die Torschützen Serge Gnabry und Thomas Müller, leben diese Einstellung vor. Und selbst der in der Vergangenheit viel kritisierte Leroy Sane ist "gelaufen wie der Teufel und hat die Bälle zurückerobert", so Sky Nationalmannschafts-Reporter Uli Köhler.

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Nationalspieler Marco Reus sieht nach dem Sieg gegen Rumänien beim DFB-Team noch Luft nach oben, lobt aber vor allem die Mentalität der Mannschaft. (Video: 00:22 Sekunden)

Die "All-In"-Mentalität, wie es Flick nennt, sind Kimmich und Co. vom FC Bayern längst gewohnt, nun können sie diese aber auch in der Nationalmannschaft wieder auf den Platz bringen. Es scheint, als kehrt durch Ex-FCB-Coach Flick das Bayern-Gen ins DFB-Team zurück.

3. Schulterschluss mit den Fans

Und nicht nur in der Mannschaft kommt diese neue Energie an, sondern auch beim Publikum. Trotz des frühen Gegentors und des Rückstands zur Halbzeit, war auf den Rängen kaum Unzufriedenheit zu vernehmen. "Das Publikum hat ein sehr gutes Gespür. Da wächst was zusammen und das ist eine Mannschaft, die wieder Freude machen kann und selbst ohne Tor Freude gemacht hat", so Köhler.

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Ein neuer Rückhalt, der auch bei den Spielern auf dem Platz ankam. "Obwohl wir mit 0:1 zurücklagen, wurde die Leistung honoriert. Und als dann das 2:1 fiel, war es schon eine kleine Explosion. Man hat die Verbindung gespürt, wir haben das auf dem Spielfeld sehr genossen", lobte Müller den Support der Fans.

4. Standards sind wieder eine Waffe

Neben Mentalität und Stimmung zeigte sich aber auch sportlich eine erste Entwicklung, denn Standards sind beim DFB-Team jetzt wieder eine spielentscheidende Waffe.

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Sky Reporter Uli Köhler analysiert den Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Rumänien. (Video: 01:47 Minuten)

Der Siegtreffer resultierte aus einer Ecke von Kimmich, die Leon Goretzka per Kopfballverlängerung für den am zweiten Pfosten heranschleichenden Müller vorlegte. "Das war einstudiert", stellte Köhler fest und verweist auf den neuen DFB-Standard-Trainer Mads Buttgereit.

Auch Flick bestätigte, dass das 2:1 kein Zufallsprodukt war: "Wir haben da eine kleine Geschichte. Thomas hat da draußen beim Eckball einfach nichts zu suchen, er muss im Strafraum stehen. Leon ist auch gut in den Ball reingegangen und Thomas hat dann hat den freien Raum gefunden."

5. Das Sturm-Problem bleibt

Der einzige, der am Freitagabend wohl nicht ganz zufrieden ins Bett gegangen sein dürfte, ist Timo Werner. Der Stürmer, der sich bei der Nationalmannschaft eigentlich ein bisschen Selbstvertrauen zurückholen wollte, hatte gegen Rumänien einen schweren Stand (Note: 5).

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Sky Reporter Uli Köhler spricht über die Leistung von Timo Werner gegen Rumänien und das Sturm-Problem des DFB-Teams. (Video: 01:39 Minuten)

Werner habe "nicht immer genau die Positionierung gehabt, die er braucht. […] Das kann er besser machen und das erwarten wir auch von ihm. Da müssen wir die Abläufe nochmal trainieren", kritisierte Flick, der seinem Schützling dennoch weitere "Einsätze und Rückendeckung" versprach.

Die DFB-Stars in der Einzelkritik

  1. Marc-Andre ter Stegen
    Image: MARC-ANDRE TER STEGEN: Kam für den verletzten Manuel Neuer zum ersten Einsatz seit der Nordmazedonien-Blamage im März. Ohne Abwehrchance beim 0:1, ansonsten wenige Gelegenheiten, sich auszuzeichnen - Note: 3. © Imago
  2. Jonas Hofmann
    Image: JONAS HOFMANN: Als Rechtsverteidiger bei Hansi Flick gesetzt. Zeigte viel Vorwärtsdrang, wurde aber auch mal überlaufen. Flanken kann er sicher besser - Note: 4. © Imago
  3. Niklas Süle
    Image: NIKLAS SÜLE: Umsichtiges Spiel vom Münchner, der auch den Aufbau immer wieder mitgestaltete. Ging häufig kompromisslos dazwischen, wenn die Not groß war - Note: 3. © Imago
  4. Antonio Rüdiger
    Image: ANTONIO RÜDIGER: Flicks Abwehrchef wurde beim 0:1 getunnelt. Fing sich danach aber schnell, bügelte einige Male aus. Hier und da zu wild in der Zweikampfführung. Sein Fehler zwang Kehrer zu Gelb (88.) - Note: 4. © Imago
  5. Thilo Kehrer
    Image: THILO KEHRER: Doppel-Fehler vor der rumänischen Führung. Von Torschütze Hagi defensiv stark gebunden, daher kaum eine Hilfe für Partner Sane auf rechts - Note: 4. © Imago
  6. Joshua Kimmich
    Image: JOSHUA KIMMICH: Der Ersatzkapitän stand schon zum Elfmeter bereit, durfte wegen Videobeweis aber nicht ran. Verteilte klug die Bälle, oft direkt in die Spitze. Von den Rumänen nicht immer fair beackert. Seine Ecke führte zum erlösenden 2:1 - Note: 2. © Imago
  7. LEON GORETZKA:
    Image: LEON GORETZKA: Stand zunächst in Kimmichs Schatten, beim frühen Rückstand als letzter Retter auch zu spät. Gute Läufe. Überzeugte mit viel Dynamik wie beim 1:1, das er einleitete, und legte per Kopf für Torschütze Müller vor - Note: 2. © Imago
  8. SERGE GNABRY:
    Image: SERGE GNABRY: Aktivster deutscher Offensivspieler. Der Bayern-Profi versuchte es im Sitzen, per Kopf und mit Alleingängen. Aus der Distanz klappte es dann (52.), sein 20. Länderspieltor - Note: 2. © Imago
  9. MARCO REUS:
    Image: MARCO REUS: Der älteste deutsche Feldspieler erhielt auf der Zehnerposition überraschend den Vorzug vor Müller. Kein klassischer Regisseur. Guten tiefe Läufe, aber mit wenig Fortune im Abschluss. Legte vor dem Ausgleich auf Gnabry ab - Note: 4. © Imago
  10. Leroy Sane
    Image: LEROY SANE: Brachte zu wenig seiner zuletzt starken Form aus dem Verein ein. Blieb mit Dribblings hängen, passte unsauber, wurde selbst kaum gefährlich. Einsatz stimmte - Note: 4. © Imago
  11. TIMO WERNER:
    Image: TIMO WERNER: Fiel bei der Elferszene (5.) zu leicht, weshalb der Strafstoß zurecht zurückgenommen wurde. Viele unglückliche Läufe und Aktionen. Nicht der Zielspieler in der Box, den es gebraucht hätte. Wich oft aus - Note: 5.  © Imago
  12. KAI HAVERTZ:
    Image: KAI HAVERTZ: Ersetzte Reus (67.) und stach im Wechselspiel mit Müller vorne rein. Auch bei hohen Bällen als Abnehmer gesucht - Note: 3.  © Imago
  13. Müller
    Image: THOMAS MÜLLER: Kam für Werner (67.) und bildete mit dem ebenfalls eingewechselten Havertz eine Art Zweiersturm. Brachte Unruhe - und war zum 2:1 am langen Pfosten zur Stelle. Sein 40. Tor für Deutschland (81.) - Note: 2.  © Imago
  14. Karim Adeyemi
    Image: KARIM ADEYEMI: Wurde kurz vor dem Abpfiff für Sane eingewechselt (89.) und kam zu seinem zweiten Länderspiel - ohne Note. Auch LUKAS KLOSTERMANN durfte in der Schlussphase für Hofmann ran (85.) - ohne Note. © Imago

Während sich also auch unter dem neuen DFB-Coach kein echter Knipser hervortun will, muss die Offensivabteilung um Müller, Gnabry und Co. als Kollektiv einspringen. Dass das auch mit Erfolg gekrönt sein kann, dürfte das Duell gegen Rumänien gezeigt haben.

Und auch wenn sich ein Fan in Hamburg mit einem Plakat den Hinweis auf Ex-HSV-Stürmer und Zweitliga-Rekordtorschütze Simon Terodde erlaubte, könne Flick - wie Köhler betont - letztlich nur "mit dem Personal arbeiten, das er hat".

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