Didi Hamann über BVB, Atalanta, Champions League, Schlotterbeck und Bayern
Didi Hamann schreibt in seiner Kolumne über die Ursachen und die Folgen des Ausscheidens aus der Champions League für Borussia Dortmund. Was die Zukunft von Nico Schlotterbeck beim BVB angeht, sieht der Sky Sport Experte die Chancen auf einen Verbleib halbiert.
26.02.2026 | 14:11 Uhr
Den Klassiker gegen den FC Bayern München (Sa., ab 17:30 Uhr LIVE und EXKLUSIV auf Sky Sport) sieht Hamann als Chance für den BVB, außerdem blickt er auf die CL- Auslosung am Freitag.
Auch wenn bei Borussia Dortmund in den letzten Wochen einige holprige Auftritte dabei waren, habe ich so etwas wie das, was am Mittwochabend passiert ist, nicht kommen sehen. Das Ausscheiden aus der Champions League ist wahnsinnig bitter.
Dass sie gut genug sind, um Bergamo zu schlagen, haben die Dortmunder vor einer Woche bewiesen - und mit dem 2:0 aus dem Hinspiel im Rücken musst du dann einfach weiterkommen.
Es gab Alarmzeichen in der Bundesliga
Ja, es gab Alarmzeichen, wie die glücklichen Siege in Wolfsburg und Heidenheim oder das 2:2 in Leipzig, aber die Dortmunder haben es immer wieder geschafft, Spiele auf ihre Seite zu ziehen bzw. nicht zu verlieren.
Selbst nach dem 0:3 in Bergamo haben sie mit Adeyemis Tor einen Weg gefunden, um die Verlängerung zu erreichen, aber dann hat Kobel einen Fehler gemacht, der ihm nicht passieren darf. Wenn ich als Torwart da rausgehe, gibt es keinen Plan B, dann muss der Ball 50 Meter in die gegnerische Hälfte fliegen. Doch dann kam alles Unglück zusammen.
Wenn du solche Fehler machst, reicht es nicht
Bensebaini hat in den vergangenen Wochen super gespielt, aber wenn du solche Fehler machst wie er und seine Teamkollegen, reicht es einfach nicht.
Die vergangenen Monate waren nicht leicht für Niko Kovac. Die Klub-WM im Sommer, Schlotterbeck war lange verletzt, Can hatte immer wieder Probleme, Süle hat in seiner kompletten Zeit in Dortmund enttäuscht.
Kovac hat kaum durchgewechselt - auch aus Mangel an Alternativen. Aber er hat nicht gejammert, sondern er hat letzte Woche den 18-jährigen Reggiani reingeworfen. Kovac hat alles wunderbar moderiert, nur irgendwann kommst du an deine Grenzen.
BVB braucht zwei, drei richtig gute Spieler
Gegen Verletzungen kannst du dich nicht absichern, aber für mich hat Dortmund in der Offensive zu wenige Alternativen. Silva spielt gut mit, macht aber zu wenig Tore. Adeyemi hat eine gute Vorrunde gespielt, saß aber danach meistens auf der Bank. Und Brandt spielt mal so und mal so.
Silva, Bellingham und Chukwuemeka haben zusammen mehr als 75 Millionen Euro gekostet. Von diesen drei Spielern gehört aktuell nur Bellingham zur Starformation. Wenn du drei Spieler für dieses Geld holst, sollten sie die Mannschaft verbessern. Das ist aber momentan nur bei Bellingham - und auch erst seit dem Winter - der Fall.
Ich glaube, dass der BVB zwei, drei richtig gute Spieler für die Starformation braucht, um einen Schritt nach vorne zu machen.
Chancen auf Schlotterbeck-Verbleib halbiert
Durch das Ausscheiden fehlen den Dortmundern aber elf Millionen Euro, die fest eingeplant waren. Das 1:4 in Bergamo ist in der Gesamtkonstellation, auch mit der Unruhe um Sportdirektor Sebastian Kehl, eine mittlere Katastrophe für den BVB.
Was die Zukunft von Schlotterbeck betrifft, weiß ich nicht, wie groß die Chancen waren, ihn zu halten, aber seit Mittwoch sind sie wahrscheinlich halbiert. Ich halte es zwar immer noch nicht für ausgeschlossen, dass er bleibt, aber das 1:4 von Bergamo hilft mit Sicherheit nicht.
Auch auf Nmecha, den für mich herausragenden Spieler des BVB, haben andere Vereine ein Auge geworfen. Man muss aufpassen, dass keine Situation entsteht, in der die guten Spieler dem Verein den Rücken kehren.
BVB muss auf Klassiker gegen Bayern schauen
Trotz des bitteren Ausscheidens muss man nach vorne schauen, schon am Samstag geht es im Klassiker gegen den FC Bayern München (ab 17:30 Uhr LIVE und EXKLUSIV auf Sky Sport). Wenn die Dortmunder gewinnen sollten, hätten sie nur noch fünf Punkte Rückstand. Die Belastung aus der Champions League hat man nicht mehr, und wer weiß, was noch passiert? Es geschehen verrückte Dinge, wie man am Aus von Inter gegen Bodö sieht.
Dortmunds Aus erhöht zwar nicht die Chancen, gegen Bayern zu gewinnen. Viel basiert auf dem Prinzip Hoffnung, aber sie haben die Möglichkeit, am Samstag ein Ausrufezeichen zu setzen.
Sie müssen sich den Mund abputzen und nach vorne schauen. Das Ausscheiden können sie nicht wettmachen, aber sie können die Fans mit einem guten Spiel oder sogar einem Sieg hinter sich bringen.
Würde lieber auf deutsches Duell verzichten
Was die Auslosung am Freitag angeht, hoffe ich, dass sich Bayern und Leverkusen aus dem Weg gehen.
Auch wenn ein Bundesliga-Duell bedeuten würde, dass eine deutsche Mannschaft sicher im Viertelfinale wäre, würde ich lieber darauf verzichten. Leverkusens Chance schätze ich zudem gegen Arsenal etwas höher ein als gegen Bayern.
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